Tallinn: der Papst und jede Menge Türme


Ich ziehe den Nacken ein, als ich am Morgen aus dem Haus trete. Ein kalter Wind bläst mir fast die Kappe vom Kopf. In wenigen Sekunden habe ich die Windjacke aus dem Rucksack und mache mich auf den Weg in die Altstadt von Tallinn. Unterwegs besorge ich mir ein Frühstück, der Marsch dauert eineinhalb Stunden.

Die Altstadt ist von hohen Mauern umgeben. Die Türme sind Jahrhunderte alt, wenn auch viele in den letzten Jahrzehnten restauriert wurden. Die langgezogene Rampe, die mich zum ersten Tor führt, verspricht einiges. Hohe Kirchentürme, protestantisch oder orthodox, räkeln sich in die Höhe. Auf einer Aussichtsplattform stoße ich auf große, chinesische Reisegruppen, ich drehe postwendend um und suche mir andere Winkel für den Blick über die Dächer der Stadt. Und werde fündig.

Wieder in der Vorstadt, die einiges jünger ist und doch ein gewisses Alter hat, folge ich ziellos den wärmenden Strahlen der Sonne. Der unebene Pflasterstein massiert meine Sohlen. Derart abgelenkt, gerate ich bald in umfangreiche Absperrungen, Polizeiposten und Blaulicht. Überwachungsdrohen kreisen in der Luft: der Papst ist zu Besuch und hält etwas später eine Freiluft-Messe. Naturgemäß kümmert mich das wenig und ich lande in einer Buchhandlung, die mich zu einem Café verleitet. Ich muss an Mikeltornis denken, ich hatte mich recht schnell eingelebt und jetzt vermisse ich den Rhytmus von Gartenarbeit, Abendessen von Inga und den Sprint zum Strand.



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