Budapest: langsames Antasten an Mitteleuropa


Ich stehe in einem vollbesetzten Bus, der mich vom Flughafen in die Stadtmitte bringt. Die Straßen, die schnell vom Feldgrün in Vorstadt-Beton wechseln, wecken verschwommene Erinnerungen an eine weit zurückliegende Zeit. Natürlich hat sich in Budapest viel verändert – die Busse haben Monitore, die Schlaglöcher im Asphalt sind verschwunden und die Stadt wirkt herausgeputzt. Jedenfalls: ich halte wieder einen Forint-Schein in der Hand.

Boulevard in Budpest

Ueber dem Donau-Ufer in Pest

Ich verlasse den Bus am Déak Ferenc Tér. Ich brauche eine Weile, mich zu orientieren, dann schultere ich meinen Packsack und marschiere zu meiner Unterkunft. 7 Euro die Nacht: ich bekomme, für was ich bezahlt habe – ein Bett in einem großen Schlafsaal, eine heiße Dusche. Dass ich auf meinem Weg dorthin Budapest dermaßen mit meinen Augen verschlinge liegt wohl an den fast vier Wochen Albanien. Das Land an der Adria ist gänzlich anders und hat seine eigenen Gesetze. Am Vortag hatten wir auf unserer Berghütte unangekündigt Besuch der Nachbarschule. 80 Schulkinder tanzten an und wollten beschäftigt werden. Die acht migekommenen Lehrer, samt Schuldirektor, saßen derweil im Schatten, tranken ein Bierchen und rauchten ein paar Glimmstengel. Ich musste erkennen, dass das völlig normal und üblich war und schaute dem Treiben etwas hilflos zu, während Gaetan auf der Gitarre spielte und Sandra die Horde mit Sport etwas zu beschäftigen trachtete. Die Schüler aßen ihre mitgebrachte Jause und entsorgten die Verpackung auf der Wiese im Garten. Irgendwie versuchten wir ihnen beizubringen, dass der Müll nicht einfach so aus der Landschaft verschwindet. Die wenigsten verstanden den Sinn von Mistkübeln, und der Rest der Kinder suchte nach Erdlöchern, um sich dort vom Abfall standesgemäß zu entledigen.

Kinder beim Spielen in Mountain Lodge Vie Nomade

Budapest ist für mich am ersten Abend ein Kulturschock. Die Straßen gleichen denen von Wien, die Bauweise, die Stadtplanung, die Infrastruktur, die Kaffeehauskultur und die Restaurants. Fast so wie eine Schwesternstadt. Es ist bewölkt und es regnet leicht, aber an diesem Donnerstagt Abend sind die Straßen voll mit Leuten jeden Alters, die Lokale sind gut besetzt und ich laufe meine ersten Blocks. Ich bin nurmehr 200 Kilometer von Wien entfernt und ich will es mal langsam angehen lassen.

Häuserzeile in Pest


Leave the first comment

Teilen
Veröffentlicht
Kategorien
Tags
Ring of Fire T-Shirts
Über dieses Blog

Reisen und die Natur, inklusive Skitouren, Bergsteigen und Wanderungen, das sind die Inhalte meines Blogs „Super gsi – Beginner’s Mind“. Mehr dazu hier…