Beirut: Schmelztiegel des Nahen Osten


Ich gehe durch die Straße dieser bunten Stadt und nicht selten höre ich drei Sprachen in einem einzigen Satz – arabisch, französisch und englisch. Diese bunte Mischung finde ich wenig später auch im Essen, im Nachtleben und in der Politik wieder. Alles ist komplex, ineinander verwoben und unauflösbar. Der Libanon präsentiert sich als ein Schmelztiegel, ein Brennpunkt der Völker, schon seit über 3.000 Jahren. Was hier schon alles durchgezogen ist und seine Spuren hinterlassen hat, ist lesenswert: die Völker der Semiten, die Ägypter, die Phönizier, die Assyrer, die Perser, dann die Griechen und die Römer, letztlich die Araber und die Osmanen, und im letzten Jahrhundert die Franzosen…

Sarkophag Element Nationalmuseum Beirut
Persische Stilelemente an diesem Sarkophag

Peter führt mich durch das Nationalmuseum. Die Sarkophage sind beeindruckend, ein Weltkulturerbe der Unesco. In einer anderen Ecke ist ein Schuhkarton großes Loch in der Außenwand nur notdürftig geflickt – aus dem Museum schoßen Scharfschützen während des Bürgerkrieges in das benachbarte Viertel. Die Einschußlöcher in den Häusern sieht man heute noch, genauso wie die Spliter detonierter Mörsergranaten in den Metallrolltoren der Geschäfte. Ich sitze vor so einem in einem kleinen Bistro an einer Straßenecke, um die Kurve ist eine Kaserne und der andere, zweite Tisch ist mit Soldaten der libanesischen Armee besetzt. Ich esse einen würzigen Salat, Blumenkohl, libanesisches Fladenbrot und Hummus, habe einen frisch gepressten Orangensaft vor mir. Der Verkehr ist ein Mix aus Drängen und Hupen, doch mein Tisch ist wie eine Insel in der Brandung – davon völlig unberrührt.

Der „Libanon“, der Name hat Klang. Ich frage nach und bekomme die Erklärung: es hat mit Milch zu tun. Die ersten Siedler sahen auf den Berge etwas, was in ihrer Welt (Zweistromland und Ägypten) nicht vorkam: Schnee. Unwissend nahmen sie an, es müsse wie Milch sein. Der Wortstamm ‚Liban‘ bezeichnet ein Land der Milchberge.


Moschee direkt neben Kirche

Ich finde, es lebt sich ganz zu gut in den Straßen von Beirut. Die Viertel sind recht gemischt und jeder respektiert den anderen. Die Bars im Zentrum sind voll, die Parties ausgelassen. Dem Ruf des Muezzin folgen oft die Kirchenglocken. Die Distanzen sind kurz, die Strände nah, das Leben äußerst friedlich. Das Bild vom Libanon, welches wir im Westen vermittelt bekommen, ist verzerrt. Aber auch die Libanesen sind mit ihren politischen Vertretern höchst unzufrieden. Und nicht selten hört man sie sagen: ‚Dreh‘ deinen Fernseher einfach nicht auf und dann hast du das schönste Leben im Libanon‚. Wie wahr, das gilt auch für unsereins.


Frontlinie in den 80er Jahren


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