Gibraltar: The Rock


In dichtem Pulk schieben wir uns im Wagen Meter für Meter vorwärts. Die zweispurige Straße hinüber nach Gibraltar ist am Morgen völlig überlastet, wir gähnen aus dem Fenster. Die Nacht im Hinterteil des Kombi war bequem gewesen, wir standen am Strand auf der anderen, spanischen Seite der Bucht, der Sturm beutelte den Wagen, die Palmen und die Promenadenbeleuchtung. Hin und wieder huschte ein Gassi-Geher als Schatten vorbei. Wir schliefen sofort ein, fertig vom langen Tag im Auto und in der Altstadt Granadas. In meinen Träumen erkletterte ich die mächtigen, ockerfarbenen Mauern der Alhambra, Jonna flog wohl ihre Drone noch viel höher und weiter als sie es während des Ausfluges getan hatte. Donna schnarchte, wie immer zufrieden zu unseren Füßen.

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Granada

Wir stehen also in dieser langsam sich bewegenden Blechschlange. Roller rasen an uns vorbei, Menschen lehnen sich im Gehen gegen den starken Wind. Die Jacken sind hochgezogen, die Arme haben den Oberkörper umschlungen. Es ist dunkel und bewölkt, ich sehe spanische Autokennzeichen vor uns, und korrekt im Anzug bekleidete Büroangestellte im Weg zu ihren Arbeitstätten. Die Fußgänger stauen sich ebenfalls am Grenzübergang wie die Autos, nur ein kleines Mädchen auf einem Trittroller umgeht alle Barrieren offensichtlich ohne Hindernis. Minuten später kreuzen auch wir die Landebahn des Flughafens, die Straße quert die Piste hinüber in die Stadt, eine wahre Insel der Engländer: Doppeldeckerbusse, rote Telefonzellen, nur der Linksverkehr bleibt ausnahmsweise rechts. Wir ergattern einen kostenlosen Parkplatz und eine unbezahlbare Aussicht – die Bucht von Gibraltar unter uns, schwarze Wolken darüber, und dazwischen ein Sandwich aus Booten, Kanonen und unruhigem, wüsten Meer. Im böigen Wind weht die britische Flagge am ‚Rock‘.

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Das ’neue‘ Gibraltar

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East Side

Es braucht gerade mal zwei Sekunden. Ich sehe den Affen kommen, er schleicht die Stiege hoch, während Jonna vollauf mit der Kamera beschäftigt ist und den Rest der behaarten Gruppe ins Visier nimmt. Ein Schritt, ein Griff, es raschelt an ihrer Fototasche, „Hey!“, werfe ich dem Berberaffen entgegen, aber sein zielgerichteter Blick hat etwas entdeckt, was er nicht mehr loslassen kann: die rot gefärbte Verpackung eines kleinen Schokoloaderiegels. Einen Moment später sitzt der Affe, sichtlich entspannt, auf einem Podest und reißt das Plastik auf, schiebt sich den Riegel in den Mund und grinst. Jonna ist ihre Jause losgeworden.

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Am Rock überall – die Affen


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