Tyrrhenische See: Rhythmus


In einer roten Flamme geht am Horizont der Mond auf, ein fremdes Objekt über der See, eine Zauberwelt, auf die wir zusteuern. Erst nach und nach wird seine Oberfläche sichtbar, seine Ebenen und Meere. Wir kreuzen im Licht des Mondes nach Süden in Richtung Sizilien, ich stehe seit Stunden Wache, aber der Mond verschafft mir Abwechslung in einer ansonsten ereignislosen Nacht. Der Wind kommt und geht, und mehr als einmal müssen wir die Segel einholen und den Motor starten, um dem Meer etwas Raum abzutrotzen. Wir werden gut zwei Tage an die italienische Küste bei Neapel brauchen.

In Bonifacio sind wir mit mächtigem Wind gestartet – bei Beaufort 7 im Rücken brauchten wir nur die Genua in halber Größe auszurollen, um auf 8 Knoten zu kommen. Langsam lernen wir unser Boot kennen, seine Eigenheiten, seine Segel und Schoten. Später, als der Wind auf offener See abflacht, wachsen die Wellen und schieben uns in die Höhe. Das Boot rollt großzügig, besonders während der ersten Nacht. Es ist kaum in der Kabine auszuhalten. Euri, Jonna und ich sind von unserer Wache aber dermaßen erschlagen, dass wir überfallsartig einschlafen, sobald unsere Ablöse im Cockpit eintrifft.

sardinia

Auch die nächste Wache, sechs Stunden später, macht uns nicht munter. Wir wechseln uns beim Schlafen ab. Erst als wir zu Mittag das Boot zum Stillstand bringen und die Leiter ins Wasser lassen, gerät alles in Bewegung. In Sekundenbruchteilen dringt mein Körper in die dunkelblaue Masse ein, ich tauche auf, sehe um mich nur Meer und das Boot. Es ist ein schönes Gefühl. Unter mir geht es fast 3000 m in die Tiefe, eine unvorstellbare Tiefe, über der ich treibe. Die nächste Welle hebt mich fast auf das Boot, einen Moment später sehe ich fast drei Meter von unten den Bauch der Ganesha. Die Wellen kommen und gehen, wie die Tage und Nächte, ein natürlicher Rhythmus ein und derselben Sache.

Log: Tag 15 Ganesha, 10. Seetag


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