Ionian Sea: 1013mb und E1


Windstille, Windstille, nichts als Windstille, die ganze Überfahrt lang, von Kalabrien nach Kefalonia, quer über die Ionische See. Keine Schiffe, keine Bewegung des Wassers, nur endloses, flaches Blau mit einer brennenden Sonne am Tag und einem prachtvollen Sternenhimmel während der Nacht. Wir langweilen uns während des Tages, hören Ramones und machen immer wieder Halt, um ins Meer zu springen. Die Tiefe unter mir fasziniert mich immer noch.

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Um drei Uhr nachts beginnt meine Wache, ich löse Johan ab, sehe Sternschnuppen-Schauer, während aus dem Lautsprecher „Light my Fire“ von den Doors dröhnt. Ich hätte mir „Rider in the Storm“ gewünscht. Das habe ich das letzte Mal auf einer Toilette am Mt. Hood in Oregon gehört, im April 2014. Später, ein leichter Nebel bildet sich am Horizont, das Radar zeigt keinen Kontakt, da läuft „Break on through to the other side“, sehr passend wie ich finde, durchstoßen nach Griechenland, durch die Nacht, durch diesen Vorhang, durch meine Geschichte, durch alles, einfach alles. Als die Sonne in einem lila Feuerball in meinem Gesicht aufgeht, da schnappe ich mir eine kleine Iso-Matte, laufe zum Vordeck und genieße mein Workout. Ich sitze noch lange da, wundere mich, was in den nächsten Wochen alles auf mich zukommen wird, die Sonne wird stärker, ich kehre hinter das Steuer zurück und ziehe mir die Sonnenbrille über. Asbjørn kommt schlaftrunken aus seiner Kajüte, macht uns Spiegeleier. Es sind noch fast 50 Seemeilen bis nach Kefalonia, gut sieben Stunden Fahrt. Ich drehe das Radar ab, mache meine Logbuch-Einträge, Barometer konstant auf 1013mb, schau durch die NavTex Nachrichten. In der Ägäis hat es Beaufort 7, aber hier, nichts als Windstille.

Log: Tag 21 Ganesha, 16. Seetag


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