Rocklands: Lost in Boulders


Die Innenflächen der Finger brennen bereits, bevor ich den nächsten Griff andrücke. Der Quarz hat sie in den vergangenen Stunden und Tagen aufgeraut und geschmirgelt, sie sind empfindlich geworden. Ich strecke mein rechtes Bein durch, habe einen sicheren, dritten Punkt, bevor ich unter dem Dach mit meiner Linken weit entfernt in einen Riss greife, den Halt nochmals korrigiere, die Füße nachstelle, mache mich bereit für den nächsten Zug, aber der Riss ist klein und meine drei Finger drohen abzurutschen, ich korrigiere nochmals mein rechtes Bein, aber es ist nicht wirklich besser, ich höre die Zurufe von Michael, geht schon, auf, weiter, das machst’ du, ich höre die Rufe der anderen, die alle weit besser klettern als ich, allez, vas-y, oui, trés bien, ich strecke mich soweit es geht, versuche einen schnellen Griff hinaus, erwische den Aufleger nicht richtig und sacke mit meinem Körper nach unten im freien Fall auf die Matten.

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ein neuer Versuch

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bouldern, solange die Hände halten

Am nächsten Morgen sitzen wir auf der Veranda unsere Schaluppe, ein kleines Holzhäuschen, das über einen Kühlschrank, einen Stromstecker, zwei Deckenlampen und zwei Matratzen am Boden verfügt. Ein zerfallenes Sofa dient als Gepäcksablage. Wir sitzen an einem kleinen Holztisch, halten die Teetassen in den Händen, Ingwerscheiben treiben im Grünen Tee, wir blicken in die Bäume, die sich im Wind hin und her wiegen, der Himmel ist zum ersten Mal auf dieser Reise dunkel und wolkenverhangen, die Berge nicht zu sehen, der Kragen meines Pullovers bis ganz oben geschlossen, die Wollmütze auf. Ein wohliges Gefühl. Ich betrachte meine Hände, sie sind noch etwas rot von der gestrigen Session am Boulder, der Handrücken braun und rissig und etwas mit Blutkrusten verschmiert, aber bereit für noch mehr. Wir packen unsere Sachen, ich stecke die hartgekochten Eier vorsichtig in den Rucksack, wir nehmen die Bouldermatten in die Hände und marschieren los hinaus in eine mediterrane Landschaft, in der die schönsten und wildesten Boulder wie Abfall herumliegen. Nach wenigen Minuten sind wir wieder verloren, irgendwo in den Rocklands, zwischen hunderten Blöcken aus schönstem Sandstein.

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Michael treibt es auf die Spitze

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Kameraderie pur in den Rocklands

Nach dem vierten Tag biegen wir ab auf die Straße, noch ein Stückchen weiter in den Westen, noch viel mehr in den Norden an die namibische Grenze. Die Straße hat uns wieder, lange Geraden, links und rechts Zäune, die das Wild abhalten und die Rinder einschließen, genauso wie auf den vielen hundert Kilometer zuvor, die wir zwischen Lesotho, Kimberley und den Rocklands gelassen haben. Ein scheinbar unendlicher Streifen öden Landes, dazwischen kleine Oasen der Zivilisation. Wir verbrachten einen Abend bei Dirk und Riane, Polizist und Fotografin, und schliefen im Fotoatelier. Jetzt wartet wieder das allabendliche Lagerfeuer, das Zelt, die steilen Wände eines alten Canyons.

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Straßen, wie es sie nur in Südafrika gibt

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allnächtliches Lagerfeuer


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