Little Italy in Windhoek


Vom Kings Throne Canyon (Aussenkehr) kehren wir zurück auf die Straße. Es ist staubig aber nicht heiß, wolkenverhangen aber nicht regnerisch, Angie, unser kleiner Honda, spult die Kilometer von Tankstelle zu Tankstelle. Es sollen über 800 Kilometer an diesem Tag sein. Ein Ruhetag im Auto, unsere Destination ist Windhoek, die Kalahari nicht weit entfernt und die Affen und Antilopen abseits der Straße. Immer wieder tauchen Menschen entlang des Asphalts auf, wie aus dem Nichts, zu Fuß oder am Fahrrad, mit Kind oder Gepäck, irgendwo im Nirgendwo. An einer Tankstelle werde ich wieder gefragt, ob ich sie nicht mit mir nehmen möchte, ich kaufe zwei Schweppes Lemon Dry und bezahle die Tankladung, zwinkere ihr zurück und wir fahren wieder auf die B1 auf. Grünau, Mariental, Windhoek.

b1-road-to-windhoek
Straßen, geradeaus, für hunderte Kilometer

In der Heliodoor Street treffe ich auf einen alten Bekannten – Augusto. Wir verbrachten im März eine Woche im sibirischen Altai. Augusto, der mehrere Monate im Jahr hier in Namibia verbringt, nimmt uns für zwei Nächte auf und macht uns mit seinem Bekannten Marco, der aus Bologna für wenige Wochen für die Vogel-Fotografie hierher gekommen ist, bekannt. Es wird ein bunter Mix aus Englisch, Italienisch und Spanisch, der Schmäh läuft, Geschichten aus der Welt machen die Runde und das Essen ist, wie immer, fantastico. Später fahren wir kurz hinüber zum Tennisclub, die inoffizielle Drehscheibe für Geschäfte und Beziehungen, plaudern mit diesen und jenen Leuten, von denen wir im Nachhinein erfahren, welche Positionen sie eigentlich bekleiden. Beziehungen sind in Afrika die wahre Währung. Wir landen also im Haus vom Sprinterstar Frankie Fredericks, genehmigen uns einen Gin Fizz mit einem weitgereisten Uni-Professor, mit dem wir gemeinsam dann die Bush-Bar im Zentrum von Windhoek unsicher machen. Die Bar ist eine Insel der Weißen und Wohlhabenden, keine wilde Bude, sondern gesittet und aufgetackelt. Ein Grappa zum Abschluss macht den Abend rund, der nächste Morgen ist für uns unerwartet schwerfällig. Wir ziehen durch die Stadt, kaufen für die anstehenden Tage ein, besorgen uns das eine oder andere für die Wohnung zuhause und werfen einen Blick auf die Stadt, von einer Hochhausterrasse, welches Dank seiner Form den nicht unbedingt charmanten Spitznamen „Café Machine“ erhalten hat. Als ich höre, dass die Nordkoreaner das Gebäude gesponsert haben, wundert mir an der Architektur nicht vieles.

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Blick auf das Zentrum von Windhoek

Little Italy in Windhoek geht bis zum nächsten Morgen weiter. Ein Abendessen bei einem befreundeten italienischen Ehepaar, 65 Jahre verheiratet, er baute unterirdische Flughäfen in Libyen und lehrte Architektur in Teheran, sie kochte für viele Gäste in ihrem Haus in Rom, bevor sie nach Windhoek zogen – Fettuccine, Hauptgang, Fromaggio, Apfelkuchen, Wein, ein Grappa, ein Arrivederci.


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