Schindlergrat: Moving on to nowhere


Braune Kunstledersitze, etwas Fett auf dem Tisch, grelles Licht und der Geruch von Burgern, Menschen in Eile und Menschen in Langeweile,  ich versuche um mich zu sehen, aber alles was ich schaffe ist ein Blick auf die Uhr, und sie sagt mir, warte noch eine Weile, noch zwei Stunden, dann geht’s wieder weiter, nach Hause, oder was auch immer das ist, zumindest in Richtung Berge, und endlich in den Schnee.

Through the gardens and fields ’neath the tall green grass
You were walking ’neath the moon while covering your tracks

Es ist eine unvernünftig lange Zeit, die ich in einer Großstadt verbringe. Bunt und schrill und ohne Seele. An einem Tag, da schauen mich 26 Gesichter an, mit großen Augen, mit Neugierde und Respekt und den vielen Fragen, die das Leben so stellt. Die ich ihnen nicht beantworten kann. Die ich mir wahrscheinlich noch schuldig bin. Es ist schön, junge Leben an der Hand zu nehmen und für eine Weile zu führen.

Working your fingers down to the skin and stone
One hand on the hammer, one foot by the door

Die Stadt hat viele Gesichter. Der ältere, bärtige Mann, der an einer Mauer lehnt, Leute gehen an ihm vorbei, am Stiegenaufgang vor einer U-Bahnstation. Unsere Blicke treffen sich für wenige Sekunden und verharren, unsere Hände berühren die jeweils andere Schulter, ohne große Worte, wir trennen uns. Das Mädchen mit dem Kopftuch, das schüchtern im Vorraum eines Kinos sitzt und auf ihre Verabredung wartet. Afrikaner, die verfroren auf der Straße stehen, die ältere Dame, die mit sich selbst spricht. Die Gesichter, die mich anlachen, und die Gesichter, die mich ignorieren.

Und da sind die Leben meiner Freunde in dieser Stadt, Freunde, die mir die Abende erträglich machen, die mich zum Lachen bringen und zum Nachdenken. Habe schon seit Ewigkeiten keine rote Rüben gegessen, Julia, und keine Flasche Gin ausgetrunken, Rüdiger, und gar unter großen Dachfenstern geschlafen, Michaela. Das möchte ich wieder gerne machen, es war herrlich.

Schindlergrat, Arlberg
Nowhere

Die Sonne geht in einem Feuerball auf, über der burgenländischen Ebene. Die Windräder überragen alles. Und in den Straßen der Großstadt, da sind die Pfützen gefroren, der Kies gestreut. Alles ist vorbereitet auf den Winter, sogar die Leute husten schon. Als ich dann in der Früh aufwache, aus dem fahrenden Zug in die Höhe sehe, der Schnee lacht mir entgegen, kann ich nicht schnell genug zu Hause sein, ohne Frühstück in die Überhose zu  springen und das Auto anzuwerfen. Es schneit und nieselt auf der Autobahn, und weit oben ist das Licht so fahl, dass ich wie ein Betrunkener auf den Ski abfahre, das Gleichgewicht völlig hinüber, ich liege im Schnee. Es bläst, es schneit, ich bin am richtigen Ort.

Pushed by the wind, fed by the need for moving on,
Moving on to nowhere


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