Tuc de Fontana de Vielha: Try and Error


Aus dem Berg-Trip wird ein Road-Trip, und aus dem Road-Trip ein Soul-Trip. Gedauert hat die Verwandlung zwei Tage, und am dritten Tag bin ich bereit für das Schönste, was die Berge bieten können, denn dann sind sie wie das wilde, ungestüme Leben: Entdeckungen. Keine Wege, keine Karten, keine Ratschläge und keine Menschen, keine Steinmänner und keine Versicherungen, keine Hubschrauber und kein Müll. Nichts, nur der Berg mit seinen Überraschungen, die es zu finden gilt. Try and error.

Tuc de Fontana de Vielha, Aragon
weglos zum Tuc de Fontana de Vielha

Tuc de Fontana de Vielha, Aragon
im Morgenlicht

In der Nacht fällt Regen, den ich nur bemerke, weil er durch das offene Fenster auf mein Gesicht tropft. Momente später, so glaube ich, sehe ich nochmals hoch, und sehe nur einen Sternenhimmel. Ich warte lange mit dem Frühstück, im Dunkeln brauche ich weglos nicht in der Gegend zu stampfen, ein karges Frühstück – trockenes Baguette vom Vortag, zwei Tage alter, kalter Kaffee. Es ist ok so, denn die einfachen Dinge bleiben einfach, und als ich in den Hang einsteige, der geradewegs und steil nach oben führt, kann ich diesem Leben was abgewinnen, auch wenn mich eine Olive oder ein Stück Käse verführt hätten.

Tuc de Fontana de Vielha, Aragon
ein Regenbogen im Bergnebel

Es ist nicht sonderlich schwer, dem Labyrinth aus Latschen und Gebüsch einen Weg zu entlocken, der mich an die erste Steilstufe und darüber hinaus führt. Ich sehe nun das kleine Hochtal, welches ich von unten nur erahnen konnte, es ist klein und hat keinen See, sondern nur Granitschotter, dahinter einen weiteren, steilen Hang aus Fels und Gras, der sich zum Gipfel türmt, den ich anvisiere. Kurz bleibe ich stehen, entscheide mich für eine sichere Route, hinauf zum Grat, bevor ich zum Gipfel des Tuc de Fontana de Vielha (2.579 m) quere. Das Gras ist noch nass, der Fels brüchig, aber die Sonne erhellt mein Vorhaben von hinten. Als ich dann zum Kamm gelange, und auf die andere Seite sehen kann, erahne ich noch nicht, wohin mich der Gipfel führen wird können. Erst dort, ganz oben, der Glanz des Tages: Wolken schieben sich um den höchsten Punkt, von hinten strahlt die Sonne in diese Luft aus Wasserdampf, und plötzlich bildet sich im Nebel ein Regenbogen, der alle Grauschattierungen von weiss bis dunkelgrau annimmt und einen Bogen spannt. In der Mitte des Kreises stehe plötzlich ich, ein zweiter, kleiner, perfekter Kreis, der gerade so groß ist, dass er meinen Schatten vollständig einnimmt. Selbstverständlich bleibt das nicht ohne Wirkung, spontan gehe ich auf ein Knie, als wäre ich ein Ritter vor seinem König, oder ein König vor seiner Königin. Als sich das kleine Wetterphänomen auflöst, weil die Wolken nach unten entschwinden, sehe ich auch, dass der Gipfel eine Sackgasse ist – seine Grate gehen steil in die Tiefe. Ich weiss, hier kehre ich um. Try and error, wie das Leben.

Tuc de Fontana de Vielha, Aragon
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