Schafberg: Open your heart
Schon nach Minuten sind meine Finger klamm. Der Fels ist eiskalt, aber ich mag ihn ohne Handschuhe klettern, berühren. Es ist eine ruhige Kletterei, weglos, ohne Pfad, ohne Topo, einfach durch und Möglichkeiten finden. Besser steil als durch die Rinnen, denke ich mir ständig, es ist brüchig, jeder Tritt, jeder Griff erst nach zweifacher Prüfung. Ein Fall geht weit nach unten, aber im Genuss ist das egal, denn ich bin völlig im hier und jetzt. Und so könnte es ewig weiter gehen an diesem Morgen, den Himmel hinauf.

Blick zurück zur Faludriga-Alpe
Irgendwann erreiche ich den flachen Teil des Grates, gehe aufrecht zum Gipfel des Schafberg (2.473 m). Die Aussicht ist prächtig, nicht wegen seiner Weite, sondern wegen der Wucht der Wolken und der Gipfel – die Rote Wand gerade aus, der Hanflender und das Lusgrind zu meiner Linken. Ich schaue hinunter, suche nach einem passenden Abstieg, will nicht wieder in das brüchige Gelände der Nordseite. Ich setze mich hin, lächle. Gestern, schon im Bett, laufe ich nochmals ins Wohnzimmer, checke das Bergwetter, dann einen Moment später die Landkarte. In zwei Minuten ist alles gepackt, ich möchte nochmals hinaus, ich möchte an den letzten Dienstag anschließen. Noch im Dunkeln starte ich von Marul (9.76 m) mit dem Rad bis zum Laguzbach, dann zu Fuß hinauf zur Faludrigaalpe (1.715 m). Auf diesen Metern ist es noch ganz still, der Tag hat noch nicht begonnen, aber ich laufe in dieses kleine Tal als wäre es mein Hinterhof. Und dann als ich vor der Nordwand des Schafberg stehe, da beginnt sich der Berg zu öffnen. Es ist herrlich hier, ich schaue auf diese wilde Wand, und sehe gleichzeitig in mich hinein.

Schafkopf, re durch eine Rinne zum Grat
Vom Gipfel des Schafberg entdecke ich eine Abstiegsvariante nach Südost. Eine große Gamsherde quert das Gelände unter mir, aufgeregt. Hier ist es sehr einsam, die Sonnenstrahlen kommen kaum durch. In diesen Momenten werde ich ganz still, keine Vernunft, keine Emotion, aber etwas anderes ist plötzlich da, das in mir ist. Verbundenheit. Als wäre man Gras, Steine und die Luft. Leichtfüßig, hinab in einen Kessel, und wieder hinauf zur Schwarzen Furka, schauen. An der Faludrigaalpe trinke ich kräftig aus dem Brunnen, meine Trinkflasche steht noch zuhause in der Küche. Es ist mein letzter Stop, bevor ich in Dornbirn, im Tal, wieder aussteige. Das Büro ruft. Aber als ich in meine Hände schaue, da ist noch alles da: der kalte, brüchige Fels, das Gras, die Luft. Ich wasche meine Hände nicht.
Blog-Abo per eMail
Weit Draussen Back Country Store
DIY Expeditions
Tipps, Deals und gute Vorbereitung – DIY Expeditions, Ihr Partner für unabhängiges Reisen
Ring of Fire T-Shirts
Über dieses Blog
„Super gsi – Trails & Raids“ berichtet über Mark’s Reisen und Outdoor-Aktivitäten, meist Skitouren, Bergsteigen und Bike-Touren. Mehr dazu hier…















