Pöngertlekopf: Zurück im Winter


Es ist wie ein Geschenk, als ich in Lech einfahre und den Rüfikopf im gleißenden Weiss erblicke. Die Wolkendecke ist aufgerissen, der Nebel im Klostertal hier nicht existent, und dieser Weiss-Blaue Kontrast, das lässt mein Herz höher schlagen. Richtig weiche Knie bekomme ich erst, als ich in Zug aus dem Auto steige. Die frische Luft, die Rote Wand im weissen Kleid! Nichts ist schöner, nichts is fantastischer als das Kribbeln der Kälte in den Fingern, die rote Nase, die warme Wollmütze auf dem Kopf. Ich fühle, ich bin im Winter zurück.

Rote Wand, Vorarlberg
die Rote Wand in der Morgensonne

Pfaffeneck und Pöngertlekopf
Pfaffeneck (li) und Pöngertlekopf (re)

Weglos steige ich von der Spuller-Straße direkt den Hang gegen Westen hoch, auf das Plateau unterhalb des Pöngertlekopf (2.539 m) und des Pfaffeneck. Es ist nass, kühl, friedlich, herrlich. Durch die Latschen komme ich exakt an jenen Ort, den ich vor Jahren mit den Ski genommen habe. Damals ging es noch ein Stückchen weiter, bis zu einer Steilwand, die mit den Ski irgendwie nicht zu packen war. An diesem Tag weiss ich, was ich zu tun habe. Eine Gams pfeifft nach mir, und im aufkommenden Nebel finde ich den Eingang in diesen kleinen Sattel. Ich wäge die Möglichkeiten ab, und entscheide mich für die Flanke. Es liegt Schnee, genug sogar, und im groben Geröll ist das immer so eine Sache, sehr vorsichtig auf den Felsen zu balancieren. Es dauert etwas, bis ich an der Mauer stehe.

Pöngertlekopf
im Anstieg

Pöngertlekopf
super gsi!

Es ist sicher die Crux dieser Bergtour. Eine schöne Crux. Wege finden, geschickt schneegefüllte Couloirs und eisige Felsen manövrieren. Der Schnee ist an manchen Stellen tief, und an einer sinke ich bis zur Hüfte ein. Ein Triebschneeloch. In so einer Route hätte ich gerne mein neuestes Spielzeug dabei gehabt – ein Mix aus Stock und Pickel („Whippet“): es gibt Sicherheit und Halt. An diesem Tag geht’s auch so, mit Bergschuhen und normalen Skistöcken, zunächst recht gerade hinauf, und dann eine längere Querung in den Sattel, von wo es in einem leichten Bogen in fünfzehn Minuten zum Gipfel des Pöngertlekopf geht. Welche Ruhe! Und welcher Blick! Über den Wolken ist der Fernblick gigantisch, und in unmittelbarer Nachbarschaft der Mehlsack und der Spuller Schafberg. In der Ferne die Rüfispitze, auf der anderen Talseite die Hochlichtspitze. Warum habe ich nur nicht meinen Bivvy und Schlafsack mitgebracht?

Pöngertlekopf
Blick vom Pöngertlekopf zum Vorgipfel


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