Die Bären sind los, in Yosemite
Keine Ahnung wie ich jetzt auf dieses Thema komme. Aber als ich wieder einmal einen Bericht über Schwarzbären und Yosemite lese, da kommen so viele Erinnerungen an Ring of Fire hoch. Besonders jene Monate, die wir in Nordamerika verbracht haben. Bären, Berge und Skitouren, das ist eine Kombination, die hier in den Alpen unbekannt ist. Bereits im Sommer 2013, also im Vorbereitungstrip für Ring of Fire haben wir die ersten Begegnungen – ein Schwarzbär am Straßenrand, große Grizzly-Tatzen im Sand am Waldrand. Wir besorgen uns eine Glocke und einen Pfefferspray, fühlen uns etwas entspannter, aber in Alaska werden wir damit nur belächelt. Dort zählt nur eine Magnum oder eine Shotgun.
Im Winter fühlen wir uns dann wieder sicher. Geht doch nichts über eine entspannte Skitour, auch wenn sie durch dichten Wald verläuft. Denn im Winter schlafen doch die Bären, oder nicht? Nun, Schwarz- und Braunbären tun das, aber wann die exakt aus ihren Höhlen kriechen, hängt von der Witterung draussen und ihrem Hunger drinnen aus. Also kommt es wie es kommen muss, schon im April haben wir in den kanadischen Rocky Mountains die ersten Warnschilder. Und damit den Pfefferspray am Gürtel und den Kopf ständig in allen Richtungen.

dieser Grizzly treibt sich genau in unserem Gelände herum
Wir folgen den Cascades bis nach Kalifornien, und ich dann der Sierra bis nach Los Angeles. Es ist Mai, und damit Hochsaison für die hungrigen Bären, die einfach nur eines wollen: fressen. Die meisten Hänge der Sierra ist spärlich mit Büschen und Bäumen besetzt, und damit habe ich ein großes Sichtfeld. Doch der Anmarschweg ist oft verblüffend dicht mit Bäumen gesetzt, und hinter jeder Ecke, Boulder, Hügel könnte ein Bär herumstreunen. Das Herumlärmen beim Gehen geht mir zwar auf den Geist, aber es wird bald selbstverständlich, sobald ich in die Nähe von Buschwerk komme. Auch mein Büssle muss ich nun vorbereiten, d.h. alles Fressbare oder interessant Ausschauende aus dem Sichtbereich entfernen, alles verschließen und möglichst dicht abpacken. Bären können auch verschlossene Autos ohne Problem knacken und ausräumen. Dieses Schicksal will ich unserem Büssle nicht antun, halte meine Vorräte auf ein Minimum. Amerikaner nutzen Bärenkanister, die auf Campingplätzen ausserhalb der Fahrzeuge deponiert sind und dort sämtliches Essen aufnehmen. Sie sind bärensicher. Bis jetzt. Im Yosemite Nationalpark machen die Ranger eine interessante Entdeckung: ein weiblicher Schwarzbär hat es geschafft, einen Bärenkanister zu knacken. Sie reißt den Kasten von seiner Halterung, schiebt oder rollt ihn mehrere hundert Meter weit zu einem Abhang, schmeißt das Ding herunter und klettert zu zerstörten, aber nun offenen Kanister ab. Bingo! Die Furcht unter den Rangern ist nun, dass andere Bären dies nachmachen, und so das gut funktionierende Food-Canister-System unterwandern. Das Wettrüsten zwischen Bär und Ranger geht weiter…

falscher Alarm im Yukon: kein Bär, sondern ein Wolverine
Da fällt mir diese eine Geschichte ein, die mir ein Wanderer im Yosemite National Park erzählt hat. Auch das berühmte, bärensichere Aufhängen von Vorräten in der Höhe taugt nichts mehr. Die Geschichte geht so: Auf einem Trek durch den Park treffen sie auf einen einsamen Wanderer. Der Franzose bittet sie um etwas Essen, er hat nichts mehr, seit zwei Tagen. Wie das geht? Bären. Er hat in seinem Nachtcamp mustergültig die Vorräte zwischen zwei Bäumen in die Höhe gehievt. Eine Schwarzbär-Familie kannte diesen Trick von irgendwo, schickt eines der Jungen rauf, der zerbeißt die Leine, die Vorräte krachen auf den Boden. Bingo! Aber halt, das war vor einer Woche! Der Franzose geht also zurück zu einer ihm bekannten Rangerstation, bekommt dort Proviant, und er macht sich nochmals auf den Weg. Drei Tage später, genau das gleiche Spiel. Zwei mal ausgenommen, von der gleichen Bären-Familie, nach dem selben Muster. Was der Franzose am Ende schließlich gemacht hat, das ist mir nicht überliefert worden…
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