Scheimersch: ein bißchen schottisch heute


Es regnet seit Stunden, eigentlich seit meinem Aufstieg zur Alpguesalpe (1.796 m). Die Gräser und Sträucher streifen ihr Nass an mir ab, meine Füße schwimmen bereits in Schuhen, aber der Nebel und der Regen bringen mich davon ab, hinauf zu den beiden Alpguesseen zu marschieren, mir diese Landschaft im Sommer anzusehen, auch wenn der Nebel nicht viele Blicke zulässt.
Dürrkopf, Verwall
Blick auf den Dürrkopf

Als ich an der Nordwand der Geisterspitze vorbei laufe, da bleibe ich stehen, schau mir diesen Hang nochmals genau an. Im April ist er unter mir als ein einziges, riesiges Schneebrett abgegangen. Hier und jetzt, der Hang schaut gänzlich anders aus, nicht minder steil, aber viel felsdurchsetzter. Ich gehe näher hin, abseits des eigentlichen Wanderweges, schaue, fühle, sehe den Lawinenkegel, und denke mir, die Arbeit von damals ist noch nicht fertig, und meine Beine beginnen mit den Aufstieg in dieses steile Gemisch aus Gras und Fels. Oben am Grat, genau der gleiche Blickwinkel wie damals, der Gipfel gerade mal 100 Meter oder etwas mehr entfernt, aber jetzt ist es einfach, ich trample und steige über Fels und steh‘ im Nu am improvisierten Gipfelkreuz der Geisterspitze (2.480 m). Die Umgebung ist in Nebel eingehüllt, so wie es sich für die Geisterspitze gehört. Nun habe ich meine Geister besänftigt, habe Zeit, über diese Minuten im April nachzudenken, und das Thema endgültig abzuschließen.

Geisterspitze, Verwall
Gipfel der Geisterspitze

Scheimersch, Verwall
unter dem Scheimersch

Diesmal ist der Abstieg einfach, wenn auch etwas im nassen Gras rutschig. Vom Rossbergjoch steige ich ab, entlang des Wormser Höhenwegs. Der Regen hat alles glitschig gemacht. Aufpassen muss ich auch wegen der vielen kleinen Salamander. Es hat sich wohl herumgesprochen, dass ich heute auf dem Weg bin. Alle fünf Meter sitzt eines dieser kleinen, schrecklosen Wesen und sagt Hallo. In kurzer Zeit stehe ich auch auf dem Scheimersch (2.420 m). Niemand da, nur die Wolken, das Gipfelkreuz und ich. Ich schau‘ auf die Uhr, will in zwei Stunden wieder in Silbertal sein, also heißt es nun laufen, einmal um den Fredakopf wieder zurück zur Alpguesalpe, immer auf der Hut vor dem kleinen Ausrutscher, der weh tun kann. Im Tal bin ich schnell, hol´mein Bike aus dem Busch und rausche den Alpweg zurück ins Dorf. Es regnet immer noch.


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