Hochkönig: Höhenangst verboten
Tagwache 05.00, Abmarsch 05:52. Wir laufen schon im T-Shirt, hinauf zur Stegmoosalm, unweit des Dientner Sattels. Das Ziel ist heute ein recht Anspruchsvolles – eine alpine Tour mit 31 Seillängen durch eine Südwand auf den Westgipfel des Hochkönig. Der Zustieg zieht sich, ist am Ende nicht klar, und so eröffnen wir eine Variante zum Franz-Jubiläumsweg. Zumindest die ersten zwei Seillängen, die wir ohne Seil gehen. Fast die gesamte Route von 1.000 Höhenmetern ist leichtes Blockklettern im Grad 2-3. Wir geben also ordentlich Gas, machen viele Meter und gehen eine erste Stelle 3+ ebenfalls seillos.

im oberen Teilabschnitt der Wand
Wir sind flink wie Affen. Mit Bergschuhen, großem Rucksack und der Standard-Schlosserei geht’s hinauf, dann holt uns die Sonne ein, und wir drehen nochmals auf’s Gaspedal. Wir merken die zahlreichen 3+ Stellen gar nicht mehr, und die 4er-Stellen gehen wir ebenfalls seillos. Wir sind gut drauf, wie schon gestern auf der Almplatte, und der Fels ist griffig, wenn auch nicht immer fest. Die Schlüsselstelle erreicht uns einige Längen vor dem Ausstieg, eine Passage von mehreren Metern in 5+. Auch hier, keine Scheu, trotz ordentlicher Tiefe, ein paar Züge, ordentliche Spreizschritte, und drüber. Das Seil bleibt brav im Gepäck, dient am Ende als Sitzunterlage am Gipfelkreuz des Westgipfels (2.920 m). Zum Hauptgipfel und dem Matrashaus (2.941 m) sind nur ein paar Minuten. Wir gratulieren uns: die ganze 1.000m-Wand seillos, und das in flotten zwei Stunden!

nach zwei Stunden am Gipfelkreuz
Der Abstieg ist hingegen mühsam, sehr brüchig und rutschig. Bis zum Parkplatz brauchen wir nochmals drei Stunden, aber dann großer Supermarkteinkauf und Abkühlung im Bach. Die dritte Tour wartet, nochmals eine Steigerung.
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