Mandelstein: Vertrauen im Fels


Die Hände an den Fels gewöhnen ist mein Motto für den Monat Mai. Vom Kremstal ziehe ich weiter ins Waldviertel, durch Zwettl bis an die tschechische Grenze bei Harbach. Es ist eine hügelige Gegend, ruhig und ohne Verkehr. Die Blasmusik spielt im Dorf, aber mich treibt es zum Mandelstein. Weniger wegen der neuen Aussichtsplattform, die einen Blick hinüber in das alte Siedlungsgebiet der Sudetendeutschen bietet (ein Gedenkstein erinnert hier an die Vertreibung der Menschen nach Österreich kurz nach dem Krieg), sondern wegen der Granitfelsen unterhalb des „Gipfels“.

Mandelstein, Waldviertel
meine erste selbstgesicherte Route im Vorstieg

Ich beeile mich, schon sehr früh am Fels zu sein. Regen ist angekündigt. Aber ein Schnelligkeitstest ist das heute nicht. Ich möchte meine erste Länge selbstgesichert vorsteigen, und dazu brauche ich erstmal Zeit, meine ganze Ausrüstung so zusammenzustellen, wie ich es für diese Aufgabe benötige. Es ist eine Premiere. Ich bin recht ordentlich beladen, als ich meinen ersten Tritt steige. Es ist eine leichte Route nach objektiven Kriterien, für mich eine Herausforderung. Wenig Vertrauen in Hände und Kletterfinken, muss ich mich im Kopf überwinden. Die Klebehaken sind weit auseinander, und da fällt mir angesichts mangelnden Handlings mit der neuen Methode alles etwas schwer. Bei meiner Art der Selbstsicherung muss man höllisch aufpassen, das richtige Seil zu klippen. Die erste Lektion von mindestens einem Dutzend. Als ich oben ankomme, schnaufe ich erstmal aus. Jetzt erst geht es flott. Seil fixieren, abseilen. Die nächste Länge ist top-rope, und auch das ist eine neue Art des Kletterns, mit einem Ascender als Sicherung. Es funktioniert. Ich steige eine dritte Länge hoch, diesmal nur mit zwei Ascendern und einer Fußschlaufe. Alles klappt, aber mit viel Konzentration und Vorsicht. Ganz sicher eine Methode, die ich öfters „trocken“ an solchen Routen üben muss, bevor es in Mehrseillängen-Routen geht.

Kletterhände
Hände und Granit

Die Zeit läuft, es beginnt zu tröpfeln, da springe ich schnell einige Meter weiter und bouldere eine Traverse nach der anderen bis meine Arme nicht mehr wollen. Der Granit schabt auch ordentlich an meinen Händen. Gut so, die Hände an den Fels gewöhnen, heißt das Motto. Als es dann etwas fester regnet, packe ich meinen schweren Rucksack und laufe eine Extra-Runde durch den Wald. Zufrieden kehre ich zum Büssle zurück.

Mandelstein, Waldviertel
eine Wand wie diese – perfekt für ein paar Boulder-Traversen


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