Mit dem Camper-Van von Europa nach Nordamerika
Es ist eine harte Landung, nach fast 15 Monaten on the road in der alten Heimat anzudocken. Abfinden kann ich mich damit noch nicht, und in meinem Kopf schwirren ein halbes Dutzend Pläne für eine Fortsetzung. Aber ein zweites Ring of Fire wird es im gleichen Format nicht geben können. Die Rahmenbedingungen sind anders, und ich habe Erfahrungen gewonnen, die mir einen anderen Zugang erlauben. Einer davon betrifft unser Büssle, welches in Nordamerika seinen Dienst getan hat. Hier ein paar Insights für Leute, die ähnliche Pläne schmieden.
Der Seetransport
Unser Partner Seabridge in Düsseldorf hat diesen für mich undurchschaubaren Prozess der Atlantiküberfahrt begleitet und professionell abgewickelt. Für Landratten wie mich sind große Häfen wie Hamburg oder Halifax ein Labyrinth, eine Welt voller Unbekannten, aber mit der Anleitung von Seabridge klappte alles wie am Schnürchen. Die Abwicklung in Halifax ist eine Sache von zwei Stunden: mit der Agentur sind die Papiere in zehn Minuten erledigt, mit dem Zoll noch kürzer. Das ACL Terminal ist zwar auch für Taxifahrer nicht leicht zu finden, aber auch da sitzt man nach einer guten halben Stunde im eigenen Fahrzeug. Die Verschiffung von Halifax geht noch schneller…
Das gleiche Prozedere ist in Hamburg zu beobachten, wobei es hier wesentlich länger dauert. Die Gründe sind einfach: ein wesentlich umfangreicherer Betrieb, daher mehr Wartezeit, und die besagte deutsche Gründlichkeit, die ins Kleinliche abzurutschen droht. Einen halben Tag sollte man bei der Abgabe wie bei der Abholung einplanen und ein Buch mitnehmen.
Die einzige, große Unbekannte in diesem ca. 3 Wochen dauernden Atlantiktransfer ist die Reederei bzw. das Frachtschiff selbst. Das Fahrzeug ist während dieser Zeit nicht abgesperrt (roll on, roll off) und wir haben diverse Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, damit nichts wegkommt (Safe, Schloss am Schrank, Ketten und eine große Schutzfolie im Innenraum, die gegen Dreck aber auch neugierige Blicke schützt). Es ist nichts abhanden gekommen. Der andere Faktor ist die Planung der Fahrzeugabholung. Es gibt zwar einen Routenplan, doch der ist nicht in Stein gemeißelt. In Halifax hatte das Schiff zwei Tage Verspätung (da wir erst später von Island nach Nova Scotia kamen, stellte dies kein Problem dar), in Hamburg dann aber 10 Tage. Starke Winde und Treibeis machten die Überfahrt für die Atlantic Cartier schwierig. Zehn Tage im Hafen zu warten ist nicht lustig. Und da man bis zu Zeitpunkt der Ankunft im Hafen keine Aussage über das Anlegen des Schiffes machen kann, ist eine entsprechende Flugbuchung nach Hamburg, Halifax oder wo auch immer das Fahrzeug ankommt, Lotterie… Da sollte man einen Backup-Plan in der Tasche haben.
Versicherungen und notwendige Papiere
Dieser Aspekt der Reise war wohl der einfachste zu bewerkstelligen. Mit einem Partner in Deutschland (einmal Seabridge, einmal Nowag) organisierte ich die notwendige Kfz-Haftpflichtversicherung für das Fahrzeug, wobei der Versicherungspartner von Seabridge fast doppelt so teuer war wie jener, den die Firma Nowag in Nordamerika hat. Wir hatten nie einen Unfall, einen Diebstahl oder Einbruch im Auto, also kann ich nichts zum Prozess der Schadensmeldung sagen. Es interessierte auch keinen Polizisten in Kanada oder den USA, dass hier ein österreichisches Auto herumfährt. Auch an den Landübergängen zwischen den USA und Kanada mussten wir nie Fahrzeugpapiere oder den Nachweis der Versicherung vorzeigen. Es kommt sehr darauf an, welchen Beamten man gerade erwischt, denn es scheint, als ob es hier kein geregeltes Verfahren gibt.
Noch ein Wort zur Einreise in die USA über Land von Kanada aus: auch wenn man sie nicht per Definition benötigt, ist eine Online-Voranmeldung, wie sie bei Flügen vorgeschrieben ist (ESTA Verfahren), zu empfehlen – das erspart lange Wartezeiten und Befragungen an der Grenze.
Auch das Einreisen und Verlassen der USA und Kanadas ohne das eingeführte Fahrzeug ist unproblematisch. Niemanden interessiert es. Das einzige „Problem“ ist einen geeigneten Dauerstellplatz für die Dauer der Abwesenheit zu finden. Es gibt genug Storage-Angebote, aus denen man aussuchen kann. Indoor ist besonders in Alaska zu empfehlen.
Büssle-Reisen in Nordamerika
Mit einem VW T5 Baujahr 2007 dachten wir, ist Nordamerika mit seinen riesigen Dimensionen zu packen. Kompakt in seinen Ausmaßen, Allrad-Antrieb, Turbodiesel und Standheizung, also passable Voraussetzungen für Bergstraßen und Winterbetrieb. Auch verfügt VW in Nordamerika über ein großes Händlernetz für allenfalls notwendige Reparaturen. Und das ist schon mal der erste Knackpunkt: der T5 wird in Nordamerika nicht vertrieben, was bedeutet: keine Ersatzteile und auch keine Order nach Nordamerika über lokale VW-Händler möglich. Benötigt man Teile aus Europa, dann muss man diese irgendwie privat in Europa besorgen und versenden. Bei kleinen Teilen ist das noch denkbar, aber eine Windschutzscheibe? Unsere erhielt innerhalb der ersten zwei Wochen zwei große Steinschlagtreffer auf kanadischen Straßen. Nicht reparabel, und mit den Wochen wuchsen die Cracks von einem Ende zum anderen und wieder retour. Interessanterweise stoppte dieser Prozess im Winter 2014/15, ab dann gab es überhaupt keine Bewegung mehr. Letztlich haben wir mit dieser Windschutzscheibe die gesamte Zeit in Nordamerika verbracht.
Eine andere Geschichte ist die Umstellung der Gasversorgung auf nordamerikanische Anschlüsse. Gasflaschen zu bekommen und diese aufzufüllen (Canadian Tyre, z.B.) ist kein Problem. Aber das Anschlussstück an den Gasbetrieb zu finden, zu bekommen und dann auch einzubauen, eine kleine Herausforderung. Letztlich haben wir den Regulator und den Gasflaschenanschluss bei Camping World in Syracuse erstanden, den Anschluss bei einem Klempner machen lassen. Diese Teile sind recht günstig zu bekommen, aber es kostet immens viel Zeit und Aufwand, es einzurichten.
Ein europäisches Fahrzeug hat in Nordamerika aber auch seine Vorteile, vor allem im Treibstoffverbrauch. Bei den gut 30.000 gefahrenen Kilometern macht das natürlich einen gewissen Unterschied, auch wenn der Sprit besonders in den USA für europäische Verhältnisse extrem günstig ist. Was auch immer zu den Pluspunkten gezählt hat, waren unsere österreichischen Kennzeichen, die immer und überall für Gesprächsstoff gesorgt haben („Was ist das für ein Kennzeichen? Wo kommt ihr her? Ihr habt das Auto verschifft?…“). Einige gute Freundschaften haben sich so ergeben…
Wintercamping ist natürlich unabhängig davon, ob man es in Kanada oder in den Alpen betreibt. In Nordamerika muss man sich aber auf noch kältere Wetterbedingungen einstellen, und das hat teilweise drastische Folgen für den Betrieb und das Leben im Büssle: kein Wasser (alles gefroren), gefrorene Lebensmittel, evt. Probleme mit Diesel und Autobatterie und damit der Standheizung, verkürzte Akku-Laufzeiten aller elektronischen Geräte, und das leidliche Kondensationsproblem: Wasserdampf (Kochen, Atemluft) kondensiert an den Scheiben und anderen Kältebrücken (Metall) und gefriert sehr schnell. Am Morgen heißt das, in einer Gefriertruhe aufzuwachen und alles mal wegzukratzen, was zu Schneefall im Inneren des Fahrzeuges führt… Die anzuklebenden Iso-Matten für Fensterscheiben helfen fast gar nicht, und eine vollkommene Isolierung des Autos kann man bei einer Type wie den VW T5 vergessen. Die einzige Lösung hier ist ein komplett vom Rest des Autos abgeschotteter Wohnbereich (z.B. ein Camper-Aufsatz auf einem Pickup oder ähnliches). Das lässt sich gut isolieren, und das Wegkratzen des Eises fällt auch weg. Überhaupt ist ein gutes Allgemeinwissen über Fahrzeuge und Technik (Wohnmobile) sehr praktisch. Ich als Autotechnik-Null schaue hin und wieder in Fachbücher wie z.B. Wohnmobil-Handbuch: Anschaffung, Ausstattung, Technik, Reisevorbereitung.
Fazit
Wer in Nordamerika Monate in den Bergen verbringen will, benötigt ein eigenes Fahrzeug. Wer Geld sparen möchte, braucht ein Wohnmobil oder ein großes Auto zum Übernachten. Wir haben in den sieben Monaten in Nordamerika zwei Hotelnächte bezahlt – bei unserer Ankunft in Halifax und bei der Rücküberführung des Büssle von Halifax aus. Für die restliche Zeit haben wir kein Hostel, Motel oder kostenpflichtigen Campingplatz benutzt. Eine Wohnmobil-Miete ist nur für relativ kurze Zeiten (bis 1-2 Monate) sinnvoll. Für uns stand also zur Auswahl: Verschiffung oder Kauf in Nordamerika. Über dieses Thema gibt es zahlreiche Diskussionen im Netz. Für uns war ausschlaggebend, dass wir im Winter 2014 in Alaska wohl nicht genau das Fahrzeug erwerben können, welches wir benötigen. Und wir konnten nicht Wochen mit der Suche nach einem entsprechenden Gefährt „vergeuden“, also blieb nur mehr die Alternative „Verschiffung“, welche in Summe wohl die teuerere Variante ist (Verschiffung, Versicherung für europäisches Fahrzeug, das Ersatzteilproblem, …), wenn auch die bequemere (Autokauf-Bestimmungen in den USA/Kanada aka Meldeadresse, evt. nationaler Führerschein, kein Verkauf des Wagens, Inneneinrichtung und Ausrüstung kommt mit dem Büssle schon aus Europa).












