Ben Nevis: 1350 Meter von der schottischen Sorte
Dritter Tag, dritter Gipfel. Und was für einer! Ben Nevis ist ein beliebter Berg für Gipfelsammler (Wanderroute, siehe West Highland Way), ein interessanter Berg (North Face) für Alpinisten. Dunkel, steil, von vielen Gullys durchsetzt. Einen gehe ich. Im Schneefall, null Sicht, Wind, keine Spuren, keine anderen Bergsteiger. Die wenigen, die die Nordwand gehen, verteilen sich von der CIC Hütte auf andere Routen. Der Aufstieg zur Hütte hat nicht einmal 90 Minuten gedauert, mit dem vollen Paket (Seil etc.). Ich beeile mich, denn ich komme erst um 10 zum Parkplatz. Regen fällt, dann Schneeregen, und an der Hütte lege ich Steigeisen, Helm, Klettergurt an. Ich weiss, am Ende des Gully No3 wartet die Crux: eine mehr oder weniger hohe Wechte, aufgefettet vom gestrigen Sturm.

entlang des Allt A Mhuilinn zum schneebedeckten Ben Nevis

North Face: die dunkle Seite des Ben Nevis
Trotz der schlechten Sicht im Coire na Ciste ist die Orientierung, den richtigen Gully zu finden, gar nicht so schwer. Er wird allmählich steil, und der Eindruck der Steilheit verstärkt sich, weil man das Ende nicht sehen kann. Ich gehe also in den Nebel hinein, durch das Gully, links und rechts tief schwarzer Fels in Eis und Schnee. Dann steilt sich die Rinne schnell auf, und ich sehe oberhalb die Wechte. Müsste doch gehen, nicht? Ich gehe in die rechte Ecke, entdecke dort ein paar „Spalten“ in der Wechte. Als der Schnee unter mir nachzugeben beginnt, starte ich meine Grabungsarbeiten hinein in die Wechte. Bei jedem kleinen Schritt nach oben prüfe ich, ob mich der Schnee halten wird. Ich räume Brocken nach unten, nutze meinen Pickel, Skistecken und Fäuste als Fixpunkte. Das Unangenehmste ist stets, dass ich mir den Schnee in den Kragen schaufle. Endlich der entscheidende Schritt über die Kante. Hält die Wechte? Noch zwei, drei Tritte, und dann liege ich flach am Rand. Vorsichtig robbe ich drei-vier Meter in ein weißes Nichts, der Nebel auf dieser Seite des Ben Nevis ist noch viel stärker als in der Nordwand. Ich sehe nicht, wie weit die Wechte reicht, aber unter mir sind auf aneinander folgende, zehn Zentimeter weite Risse, also alles vorbereitet für einen fetten Kollaps. Ich krabble nun schneller auf allen Vieren weg von der Wechte, nun völlig in Schnee eingetaucht.

endlich über der Wechte: schön zu sehen meine Kriechspuren vom Rand weg
Als ich mich aufrichte, sehe ich gar nichts. Wow, das berühmte Orientierungsloch am Ben Nevis. Ich begebe mich etwas unsicher in die Richtung der Bergspitze, sehe aber vielleicht einen Meter weit. Die nächsten einhundert Meter sind enorm anstrengend, wie ein Blinder taste ich mich vorwärts. Dann höre ich irgendwo Stimmen, also muss ich schon sehr nah am Wanderweg sein. Tatsächlich finde ich wenige Augenblicke später Trampelspuren im frischen Schnee, denen ich folge, dann erscheinen erste Figuren, schemenhaft. Fünf Minuten später bin ich am Gipfel des Ben Nevis (1.350 m). Ich bleibe nicht lange. Eine Großgruppe umjubelt ihren Gipfelerfolg, ich mache mich lieber abstiegsfertig, windgeschützt hinter der kleinen Schutzhütte.

Retourmarsch ohne Weg über schneebedeckte Hochmoore
Der Weg zurück ist eine andere Herausforderung. Die Sicht ist enorm schlecht, meine Schibrille völlig vereist. Ich orientiere mich an verschneiten Steinmännern und eventuellen Spuren. Nach fünfzehn Minuten wird die Sicht besser, ich finde einen guten Weg und komme bis zum Lochan Mealll an t-Suidhe. Von da an geht es quer durch die Botanik zu meinem Aufstiegsweg, meist ein Hüpfen auf Grasinseln im Hochmoor. Ich finde retour, am Ende mit einem waghalsigen Sprung über den brausenden Allt A Mhuilinn. Ich koste die Tage aus, bis zum Letzten.
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„Super gsi – Beginner’s Mind“ berichtet über Mark’s Reisen und Outdoor-Aktivitäten, meist Skitouren, Bergsteigen und Bike-Touren. Mehr dazu hier…













