Ishinca: es kann so leicht sein


Müde, zufrieden und eine Suppe kochend verbringe ich einen sonnigen Nachmittag im Talende der Quebrada Ishinca (4.400 m). Meine wilde Solo-Nacht am Tocllaraju ist wenige Stunden alt, und ich denke mir die Rute am Ishinca durch. Zwei Stunden im Dunkeln im Aufstieg zur Laguna Ishinca, und dann in der Morgendämmerung zum Gletscher und im Tageslicht über die Südwest-Seite des Gletschers zum Gipfel.

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Ishinca in der Morgendämmerung

Der neue Tag beginnt um 03.00, und eine Dreiviertel-Stunde später mache ich mich in der windstillen Nacht auf den Weg. Mein Weg ist gemütlich, nur ab und zu muss ich genauer Hinsehen, um nicht etwas abseits zu laufen. Keine Spalten, kein Tiefschnee, hin und wieder kleine Bäche, das ist alles. Nachts zu laufen macht mir nichts aus, und so tauche ich bald bei einem kleinen Refugio oberhalb des Ishinca-See auf. Ein etwas müder Guide grüßt mich, wir plaudern, und er meint ich bin um 10.00 am Gipfel. Es ist ein schöner, klarer Tag, in der Entfernung thront der Tocllajaru und weist die nächsten Seilschaften von seinen Flanken ab. Bald habe ich den Moränenrücken überwunden, und steige über den flachen Gletscher – ohne Pickel oder Steigeisen im Einsatz. Der Schnee ist schön hart und ich komme sehr schnell voran. Kurz vor dem Gipfel wird es etwas steiler, und als ich eine Seilschaft vor mir unterhalb des höchsten Punktes entdecke, lege ich doch die Steigeisen an, um etwas vorbildlich zu sein. Die Gruppe geht mit Führer am Seil, aber dermaßen langsam, dass ich sie noch vor dem Gipfel (5.530 m) abfange und die Gipfelwechte ohne Sicherung in zwei Zügen kurz nach 08.15 überwinde. Die Seilschaft ist um 03.00 beim Refugio aufgebrochen, rund 400 Höhenmeter über mir. Sie sind etwas perplex, aber ich besänftige sie mit einem freundlichen „Bergheil“ und einer Ladung Trail-Mix.

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der Gipfelaufbau von SW

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ein paar Spalten auf dem Weg nach unten

Ich entscheide mich für eine Traverse und steige nach einem kurzen Plausch mit dem Führer der Gruppe über den Steilhang ab. Während die Vierer-Seilschaft hier noch abseilt, bin ich fast schon aus dem Gletschermassiv verschwunden. Der Weg zurück ins gemütlich und ich freue mich auf einen faulen, sonnigen Nachmittag im Basecamp. So einfach kann ein Solo-Trip sein.


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