Cayambe: im Schneebiwak auf 4.800m


Wieder einmal verbringe ich einen Tag im Zelt. Den ganzen Tag. Draussen stürmt es, Schneeregen fällt, die Sicht ist auf gut 30 m beschränkt, und ich liege im Zelt knapp unterhalb des Refugio Caymbe auf ca. 4.700m. Gestern, als ich hinaufgekommen bin, waren die Temperaturen noch angenehm, teilweise bewölkt, aber kein Niederschlag. Ich erklomm den Felsriegel oberhalb des Refugio, studierte den Übergang zum Gletscher. Machbar, dachte ich mir, und inspizierte die Route weiter zum Picos Jarrin und weiter zum Gipfel. Die Spalten scheinen teilweise verdeckt zu sein.

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klare Sicht am Vortag zum Gipfel des Cayambe

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Die Nacht ist lang. Es stürmt und man macht kaum ein Auge zu. Irgendwann mal. In der Früh bin ich zu müde, um mich um das flatternde Zelt zu kümmern, ab und zu trete ich gegen die Decke, um den Schnee von den Zeltwänden nach unten zu befördern. Ich habe Zeit und so wälze ich mich im Schlafsack bis es eben nicht mehr geht. Draussen, nur kurz, spanne ich das Zelt nach, und dann gibt es Frühstück. Eigentlich habe ich keinen großen Hunger, aber ich zwinge die Portion herunter, will mich etwas anfuttern. Akklimatisation ist fad, aber auch nicht schwer. Man braucht Zeit, und Geduld. Und das ist, was ich hier tue. Die Zeit bis zur Cordillera Blanca möglichst in großer Höhe zu verbringen.

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meine Küche im Biwak

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Was tut man so den ganzen Tag auf 2 x 1,5 m? Man starrt auf die Zeltdecke und die ständig sich bewegenden Wände. Die Welt im Zelt ist gelb, durch den Zeltstoff, der das wenige Licht färbt. Man schaut auf die Decke und versucht die Zahl der Quadrate im Stoffmuster zu interpolieren. Das ist nach einer Minute langweilig und ich repariere meinen Duffel-Bag. Der hat ja in den letzten 18 Jahren viel von der Welt gesehen, und entsprechend gelitten. Die Narben auf seiner Oberfläche machen Rambo’s Rücken zur Farce. Es wird also genäht. Überhaupt ist Nähen und Reparieren eine der vortrefflichsten Beschäftigungen in so einer Situation. Ich mache es nicht ungern. Die Gedanken fließen, und einige meiner besten Sätze entstammen solcher Stunden. Ich wundere mich, wie lange noch dieser Schneesturm anhalten wird und wie ich morgen vom Berg komme. Hier gibt es keinen Transport, und die 10 Kilometer zum nächsten Stützpunkt scheinen nicht weit, aber ich musste mein gesamtes Gepäck hier hochschleppen, und das wiegt ordentlich. Auch dieses Refugio ist im Umbau (siehe Cotopaxi und Chimborazo), und die kleine Hütte nebenan ist nur für organisierte Touren. Gut, dass ich mein Zelt mithabe. Draussen schüttet es, und das Zelt hält bis jetzt dicht. So oder so, die nächsten 36 Stunden werden eine nasse Sache. Ich will noch eine Nacht hier oben bleiben, und hoffe, dass der Wind nicht stärker wird. Ein Aufbruch in der Nacht, bei Wind und Wetter, ist nicht das Feinste.


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