University Peak: wandern, kraxeln, baden


Das letzte Wochenende in der Sierra Nevada bricht an. Von Aspendell (Mt. Lamarck) orientiere ich mich weiter nach Süden, über Bishop und Big Pine (Mt. Sill) nach Indepence. Die Gegend um die 395 kenne ich mittlerweile nicht schlecht. Ich nehme eine Autostopper mit, er will auch zum Trailhead im Onion Valley (2.800 m).

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Morgenstimmung im Onion Valley

Die nordamerikanische Trekker-Psyche ist eine gänzlich andere als wir sie kennen. Mehr-Tages-Trips sind die Norm, und da es kaum Hütten gibt, ist das Übernachten draussen – im Zelt oder Biwak – eine völlig natürliche und normale Sache. Da sieht man dann recht große Rucksäcke, die durch die Gegend geschleppt werden. Bären-Container, Iso-Matten, Camelbacks, da baumelt einiges. Stöcke sieht man eher seltener, dafür Hüte mit breiter Krempe. Und weil uns (im Alpenraum) das Biwakieren so reglementiert und meist verboten ist, kommen wir zuhause selten in den Genuss einer klaren Sternennacht in den Bergen, eines Abendessens an einem Bergsee oder die Elemente, die Flora und Fauna unentwegt zu fühlen, zu riechen und zu sehen. So ist das europäisch-alpine Erlebnis ein Ausflug, der nordamerikanische Zugang ein Eintauchen. Ersteres bietet den sicheren Rückzug, aber auch wenig Verständnis für die Zusammenhänge in der Natur und meine Rolle darin; letzteres ist immer ein „risky business“, weil man sich der Natur hingibt. Und so lernt der Einzelne ungemein mehr über die Umwelt, aber auch über den eigenen Charakter.

Robinson Lake
Robinson Lake

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Südostcouloir zum University Peak (Bildmitte)

Hier im Onion Valley gibt es viele Kreuzungspunkte für Weitwanderwege in Kalifornien, aber auch der gesamten US-Westküste. An einem Samstag ist es hier entsprechend belebt, meist der Tag, an dem viele für ein paar Tage oder Wochen aufbrechen. Auf den University Peak über den Robinson Lake will aber keiner. Ich bin wieder allein, breche um 05.30 auf. Nicht weil der Weg so weit ist, sondern weil die Sonne den Schnee schon gegen 08.00 einweicht. Als ich um 08.30 am Südost-Couloir ankomme, ist es bereits deutlich zu spüren. Entsprechend lange dauert der Aufstieg, den ich dann im oberen Drittel abbreche und in den felsigen Ostgrat wechsle. Die Kletterei ist abwechslungsreich, und ich unterschätze die Länge des Aufstiegs, muss einem Gratabbruch nach links unten weit ausweichen, dann wieder etwas schwieriger hochklettern. Heute klettere ich mit meinem vollen Rucksack, vielleicht ist es heute deshalb ein wenig schwieriger.

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am Ostgrat, re das Ende des SO-Couloirs

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fast wie aus Lego, nur schöner

Am Gipfel des University Peak (4.142 m) bleibe ich keine fünf Minuten. Snickers, Blick zum Mount Gould (geplante Tour für morgen), und schneller Abstieg über den gesamten SO-Couloir. Ich versuche ein wenig auf den Alpinstiefeln zu gleiten, denn der Schnee ist bereits sehr eingeweicht. Alles dauert nun länger. Als ich dann den Robinson Lake von der Ferne sehe, weiss ich, was ich als nächstes tun werde.


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