Mt.Dade: durch das Hourglass Couloir
Von der Spitze des Mt. Morgan streife ich über die Gipfel der Sierra Nevada. Im Nordwesten entdecke ich einen Hang, einen Zustieg und einen Couloir im prächtigen Weiss. Nach einigen Minuten Konsultationen im meinem Skitourgen-Guide bin ich mir sicher: es ist der Mt. Dade (4.145 m).

mein Blick vom Mt. Morgan zum Mt. Dade (re oben), das Hourglass Couloir ist in der Bildmitte li
Die Nacht ist ruhig und angenehm, und bevor es dunkel wird, schlafe ich schon. Am morgen will ich gar nicht auf, um 05.30. Ein ordentliches Frühstück, und schon stampfe ich um Sieben entlang der kleinen Seen von Mosquito Flats (3.100 m) Richtung Tagesziel. Die Ski sind am Rucksack, und ich bin froh über den kleinen Weg, der fast bis zum letzten der Seenkette geht. Ab hier wird es etwas schwerer, Gebüsch, steileres Gelände und Schnee lassen mich die Ski immer wieder an- und ausziehen. Schließlich erreiche ich das Kopfende des Long Lake und folge dem fast zugeschneiten Bach nach Westen.

das Hourglass Couloir immer im Auge (mi), Mt. Dade re
Mit den Ski geht es flott dahin. Durch kleine Canyons und zwischen den Treasure Lakes, deren Eis ich teste, stehe ich bald vor dem Hourglass Couloir. Aus der Entfernung schaut er sehr steil aus, aus der Nähe denke ich, ich kann hier steil hinauffellen. Und so ist es. Nicht ein einziges Mal muss ich die Ski auf den Rücken nehmen, der Schnee ist schon um 09.30 weich, so dass ich eine gute Spur ziehen kann, ohne zu rutschen. Einmal auf dem Sattel schaue ich nach rechts hinauf: der Schnee ist auch auf der Südseite des Mt. Dade vorhanden, und ich sehe eine Linie, der ich fast bis zum Gipfel folgen kann. Am Skidepot, wenige Meter unter dem Gipfel, trinke ich fast die ganze Flasche leer. Die Sonne brennt herunter, und den Rucksack mag ich auch nicht mehr tragen. Leicht, nur mit einem Stock, geht es über große Blöcke und im tiefen Schnee zum ausgesetzten Gipfelfelsen. Ich setze mich reiterlings auf den Felsen und essen genüßlich den mitgebrachten Apfel.

am letzten der Treasure Lakes, dann etwas links zum Sattel oberhalb des Hourglass Couloirs

vom Skidepot Blick nach Nordosten
Die Abfahrt leidet etwas unter dem bereits schwer gewordenen Schnee. Um 11.45 ist der Gipfelhang noch halbwegs fahrbar, das Hourglass Couloir schon etwas mühsam. Ich löse ständig kleine Rutsche, die langsam an mir vorbeigleiten, aus. Ich komme gut herunter, überquere die Treasure Lakes und komme bald zum Long Lake, wo ich wieder die Ski auf den Rücken packe. Hier ist es vorbei mit der Ruhe. Oben konnte ich alleine meine Spur ziehen, hier unten am Wanderweg ist es fast wie am Karren. Nur das „Servas“ ist bei den Amerikanern gleich ein mehrsätziger Plausch, und da ich prominent mit den Ski spazieren gehe, will jeder wissen, wie der Schnee oben ist und ob ich Ski fahren war. Soft, und ja, ich war skifahren, da oben. Dann zeige ich auf den weit sichtbaren Couloir, und marschiere schnellen Schrittes weiter. Heute habe ich wirklich ein Publikum.
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„Super gsi – Beginner’s Mind“ berichtet über Mark’s Reisen und Outdoor-Aktivitäten, meist Skitouren, Bergsteigen und Bike-Touren. Mehr dazu hier…













