Mt. Basin: bereits am Vormittag zu spät


Der Wecker geht um 05.00. Ich schaue aus dem Fenster, es ist hell, die Sonne ist noch nicht über die White Mountains aufgegangen. Ich wende meinen Blick nach Westen und schaue zu meinem Tagesziel hinüber: Mt. Basin. Was ich sehe, macht mich munter: der Schnee gefüllte Couloir ist bereits in der Sonne.

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Mt. Basin (Bildmitte) um 05.45

Langsam mache ich mich für die heutige Tour fertig. Es ist eine reine Bergtour, genau wie gestern am Mt. Humphreys. Ohne Ski. Der Weg ist einige Kilometer kürzer und auch die Höhenmeter sind etwas weniger. Aber meine Beine sind fit. Erstaunlich, wie der Körper über Nacht regeneriert. Ich frühstücke genüsslich. Die Luft ist klar und kühl, und ich freue mich auf den Berg. Mit etwas Verspätung starte ich gegen Sieben, laufe wieder über die Sandpiste zu meiner Abzweigung, und dann etliche Kilometer entlang einer alten, aufgelassenen Strasse, die sich bald irgendwo in den Büschen verläuft. Ich muss diese Wand aus Dornen, Stacheln und Ästen großräumig umlaufen, es kostet mich eine gute Stunde, hier einen passenden Weg in dieser Halbwüste zu finden. Endlich komme ich auf den alten Minen-Weg, erreiche das Hochplateau unterhalb des Mt. Basin und sehe meinen Aufstiegsweg aus der Nähe. Der Weg dorthin ist querfeldein, und ich markiere mit Steinmännern einen Weg. An der Schneegrenze wechsle ich in meine Skischuhe und stampfe den ersten Schneehang hoch. Im Couloir geht es ebenfalls nicht steil hoch, aber mühsam wegen der Tiefe des Schnees, und kurz vor Mittag komme ich unter dem Gipfel des Mt. Basin aus dem Couloir heraus. Und dann bewegt sich der Hang.

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das Couloir unter Mt. Basin

Zuerst verstehe ich nicht, was da passiert. Als würde sich etwas aus der Tiefe des Schnees graben. Die Oberfläche beginnt zu schwimmen, und dann taucht erst der Bug, dann einen Augenblick später auch das Heck eines Kleinwagen-großen Granitblocks auf. Der Block bewegt sich langsam nach unten, schiebt den Schnee vor sich her, und dann wie ein Surfer, legt es sich über den Schnee und gewinnt an Geschwindigkeit, bekommt so etwas wie Aquaplaning unter sich und beschleunigt enorm. Es zischt. An einem Punkt jagt der riesige Block über einen Erdwall und „springt“ in die Luft, so wie ein Rodel hin und wieder abhebt, wenn es über eine kleine Schanze jagt. Der Sprung ist vielleicht zwei Meter hoch, und das Eintauchen in den Schnee erzeugt eine große Schneefontäne, die links und rechts weitere kleine Rutsche erzeugt. Der Block rast weiter und kollidiert mit einem massiven Felsvorsprung, der ihn in zwei Teile reisst. Es donnert. Beide Hälften rutschen weiter über das Couloir bis zum Plateau-Boden und bleiben später im tiefen Schnee stecken. Wow! Ich stehe oberhalb des Couloirs und schaue nun nach oben zum Gipfel. Vielleicht eine Stunde, hin und zurück, vielleicht etwas mehr, wenn der Schnee nicht tief ist. Eine Stunde mehr für die Sonne. Eine Stunde mehr, Eis zu schmelzen, Schnee zu durchfeuchten, eine Stunde mehr, das Couloir vielleicht unpassierbar zu machen.

Ich wende mich nach wenigen Augenblicken vom Gipfel ab. Es ist höchste Zeit zu gehen, und es ist nicht einmal Mittag. Vorsichtig, aber flott, durchsteige ich das Couloir nach unten und bin bald aus dem Hochplateau heraus. Unter solchen Bedingungen muss ich nun Ost-Hänge bereits bei Tagesanbruch besteigen. Das hat Folgen für meine Tourenplanung der nächsten Tage. Die Zustiege dauern oft Stunden, und ich muss am Vormittag bereits im Abstieg sein. Beim Eiskaffee in Bishop flüchte ich aus der Hitze des Tages. Die Pause tut gut.


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