Storm Mountain: Weltklasse-Kulisse, erstürmt


Wir verbringen einen ruhigen Abend in Banff. Das Recreation Center hat bis zehn Uhr abends geöffnet, und wir nutzen die Gelegenheit, unsere Geräte in der Lounge aufzuladen, gemütlich im Web zu recherchieren und einen Kaffee zu trinken. Das Training im Fitnesscenter hat nach der Morgen-Tour am Fairview Mountain gut getan, genauso wie die heiße Dusche. Auch die Nacht ist ruhig, am Parkplatz bei den Hot Springs in Banff.

Wir verlassen die Stadt, die jeden Sommer von Touristen überschwemmt wird. Jetzt ist Zwischensaison, alle Vorbereitungen auf das Geschäft des Jahres laufen. Wir hingegen gelangen über den Highway 93 und den Vermilion Pass in den Kootenay National Park. Kurz nach Acht stehen wir auf den Ski auf der kleinen Brücke über den Stanley Creek (ca. 1.600 m). Wir folgen dem vor kurzem abgebrannten Wald nach Osten, bis sich ein kleines Tal im Westen öffnet. Entlang einer angelegten Feuerschneise und später durch teils dichten Wald kommen wir gut voran. Wir entdecken das Bachbett, welches gut zugeschneit einen idealen Pfad durch die Vegetation bietet. Auf Wasserlöcher müssen wir dennoch achten, und hin und wieder Felsstufen, kleinen Engstellen oder Wasserfällen ausweichen. Schließlich, der Wald gibt uns frei und wir sehen in eine spektakuläre Kulisse, die sich mit jedem Schritt, den wir tun, erweitert und in seiner Dimension uns noch staunender macht. Rechts gehen mehrere hundert Meter senkrechter Fels hoch, der manchmal kleine Staublawinen nach unten bläst. Vor uns teilt ein Felskeil das Tälchen in zwei Teile, der rechte führt zu einem Turm, der linke öffnet seine Flanke in einem weiten Hang, der nach oben an Steilheit zunimmt. Das ist unser Weg.

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ein abgebrannter Wald

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jetzt wird’s genial, Mitte hinten Mt. Stanley

Wir spuren recht geradlinig in den Hang hinein, mit gehörigem Abstand zu den Felswänden links von uns: große Wechten warten darauf, herabzustürzen und etwas auszulösen, was wir hier nicht brauchen: eine Grundlawine. Unsere Linie zieht weiter in das Talende und auf der linken Talseite nach oben. Bald stehen wir über Klippen, die rechts von uns nach unten abbrechen. Das ist der unangenehmste Teil des Aufstiegs, weil man hier recht verwundbar ist. Wir entfernen uns nun im rechten Winkel von den Klippen gegen den Berghang, dann wieder Richtung Grat, den wir letztlich ohne Schwierigkeiten erreichen. War es bis jetzt auch ein Wettkampf mit der Sonne, ob und wieviel wir durch sie schwitzen, wird es nun ein Rennen mit einer aufkommenden dichten Bewölkung aus dem Süden – es zieht langsam zu. Kappe, Windjacke, dicke Handschuhe werden aus dem Rucksack geholt, aber die Ski auf diesen geschnallt. Denn der breite Grat ist abgeblasen. Auch wenn wir hier tragen müssen, alles besser als der Schneehang, der recht steil eingeblasen ist. Es wäre mühsam, hier hoch zu kommen, denn unter den 20cm Pulver liegt eine etwas härtere Kruste, auf der man ständig rutscht. Es heißt also Ski tragen, für gute zwei Hundert Höhenmeter. Entsprechend lange dauert der Weg hinauf, der Boden ist eisig und bricht gerne weg. Die Wolken holen uns ein, und am Gipfel des Storm Mountain (3.160 m) fetzen sie keine fünf Meter über unsere Köpfe hinweg.

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es wird etwas steiler…

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… und steiler

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Blick zum Südgrat

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fast am Gipfel des Storm Mountain

Es ist Zeit zu gehen, ein kurzes „Berg Heil!“, Blicke rundherum, und dann schon ohne den Rucksack abzunehmen, mit den Ski am Rücken wieder nach unten, diesmal aber entlang des Ostgrates: er verspricht in einiger Entfernung vom Gipfel eine passable Schneedecke. Wir testen hier den Untergrund, entscheiden uns noch weiter zu gehen bis zur Kante, die uns eine steile Abfahrt in den Südhang ermöglicht, den wir beim Aufstieg gemieden haben. Die Sonne ist verschwunden, das fahle Licht macht die Sache nicht leichter, als wir einzeln in den Hang kippen und unsere Schwünge nehmen. Die Abfahrt ist lang und der Schnee pulvrig, aber die Wechten über uns machen uns etwas Sorgen und wir schauen, dass wir möglichst schnell den Talboden erreichen. Alles geht gut, und je weiter wir nach unten kommen, desto schneller und weiter werden unsere Bögen. Auch im Talboden bleibt uns Pulverschnee erhalten, und so wird die Waldabfahrt zu einer vergnüglichen Angelegenheit. Eine Sonnen- oder Skibrille ist aber immer anzuraten, den Äste im Gesicht sind eher die Norm als die Ausnahme. Dann noch die Feuerschneise herunter zur Straße, und der Rest ist Geschichte, der Nachmittag im Büssle gemütlich, die Köpfe schläfrig, der Durst gewaltig. Unser Leben auf sieben Quadratmeter.


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