Lobster Off-Season am Cape Chignecto


Und auf einmal steigen wir aus und sind in Nova Scotia. Der Flug war ohne jeden Snack, die Beamtin an der Immigration etwas harsch (nicht ganz so streng wie die Dame an der tadschikisch-usbekischen Grenze, hatte aber schon was recht Dominantes). Der Busfahrer in die Downtown gibt stur kein Wechselgeld und wir betteln im Bus um 1,5 Dollar. Und der Taxifahrer macht nicht einmal die Türe des Kofferraums auf, als meine Begleiterin ihre 20kg-Tasche hineinhieven will. Ein herzliches Willkommen schaut anders aus. Wir sind in Halifax, liegen etwas ermattet im Bett unseres einzigen Hotels dieses Nordamerika-Trips, hängen widerwillig die gesamte Camping-Ausrüstung zum Trocknen im Zimmer auf. Ein letzter Gruß aus Island. Und dann gehen wir in die Stadt.

Unsere Stimmung steigt mit dem ersten Schritt auf der Straße. Die Luft ist warm, viele Leute unterwegs, die Atmosphäre ist positiv aufgeladen. Ein Falafel-Wrap beruhigt unseren Magen. Aber erst der nächste Morgen bringt die Freude auf diesen Trip unmittelbar zurück: wir sehen unseren Bus wieder. Die Wege beim Frächter, beim kanadischen Zoll und im Hafenterminal sind kurz und ohne Komplikationen (an dieser Stelle ein Dankeschön an unsere Partner in Deutschland – Seabridge!). Der Lieferwagen ist unbeschädigt, nicht ausgeräumt und brummt herrlich, als wir uns aus Halifax nach Norden machen.

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Nova Scotia

Beladen mit Einkäufen für die nächsten Tage, inklusive einiger Gaskartuschen (da wir noch keinen Adapter für nordamerikanische Gasflaschen auftreiben konnten) für unseren Campingkocher, kreuzen wir mit unserem Büssle über breite Highways. Wir gewöhnen uns schnell an die etwas anderen Verkehrsschilder und -regeln, bestaunen die riesigen Wohnmobile und noch größeren Trailer und mögen das Landleben in Nova Scotia mit dem ersten Augenblick. Die Einführung in den kanadischen Alltag kommt mit Gerry und Jane aus Advocate.

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in Advocate Harbour

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die Fischerboote liegen auf Kiel

Unweit des Cape Chignecto finden wir einen genialen, ruhigen Stellplatz direkt am Meer. Hier hat der Tidenhub teilweise bis zu 15 Meter, recht Weltrekord-verdächtig. Endlich Zeit, den Bus so richtig einzuräumen, für jedes Ding einen Platz zu finden. Das wird sich noch einige Male ändern. Nun, wir sind gerade am Herumwerfen, kommt uns ein Mann Mitte 50 entgegen, grinst über beide Ohren, begrüßt uns und wundert sich über unseren Bus. So startet bald regelmäßig ein jedes Gespräch hier. Wir stellen uns vor, berichten unsere Pläne, und Gerry gibt uns gleich seinen Segen, an diesem Platz zu übernachten. Wir plaudern fröhlich weiter, die Mücken fressen uns fast auf, und dann kommt eine erste Einladung, und bei der dritten zu einem Bier sagen wir zu. Der Abend wird lang, Gerry und Jane erzählen von ihren Jobs, Familien, Häusern und Ferien, und wir auch, und so werden wir für den nächsten Morgen zum Duschen nach dem Sport einbestellt.

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unser Nachtplatz, links außen Cape Chignecto

Die Nacht ist herrlich, und der Trail-Run über zwei Stunden entlang der Küste und dann auf verschlungenen Wegen im Provincial Park von Cape Chignecto macht uns fit. Wir sind alleine unterwegs, die ganze Natur hier nur für uns. Bevor wir nach New Brunswick aufbrechen, schauen wir bei Gerry und Jane vorbei. Schnell kommen wir nicht weg. Es gibt so viel auszutauschen. Am Ende weiß ich über die Lobster-Fischerei in Nova Scotia bescheid, kenne den Gemüsegarten und seine vielen Freßfeinde – Rehe, Waschbären, Schnecken, und auch Gerry’s Vater hat kurz vorbeigeschaut. Mit einer Ladung frischem Gemüse, vollen Trinkwasserkanistern und vielen Tipps für die Reise nach Alaska sagen wir ein vorläufig letztes Mal ‚Auf Wiedersehen‘. Wir hoffen, die beiden machen sich mal auf den Weg in die Alpen zu uns. Oder wir im Winter mal zu ihnen (Nachtrag: im März 2015 ist es dann soweit – wir sind wieder in Advocate Harbour). Gerry’s Showmobile wartet, ich würde gerne mal mit seinem Kutter ‚Emily Jane II‘ hinausfahren und bei der Lobster-Ernte mitwirken… Die große Welt kann so klein sein. In Gedanken an die Zukunft brechen wir auf, die Umgebung fängt uns gleich wieder ein. Die mehrstündige Fahrt an die Südküste der Gaspésie vergeht wie im Flug.

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das Örtchen Advocate



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