Rassige Tour am Marscholhorn
Und wieder hat uns die Schneelage, das Wetter und die Lawinensituation an den San Bernardino und den Hinterrhein getrieben: nach den tollen Touren zum Guggernüll, Zapporthorn und Piz Uccello glaubten wir nicht an eine Steigerung. Aber auf die eine oder andere Art bot auch das Marscholhorn heute reinsten Ski-Touren-Spaß.

so sanft die Hänge hier aussehen, so steil werden sie am Marscholhorn. Die Route verläuft über links zum Gipfel. Die Schlüsselstelle ist eine Rampe aus einem Felsband
Von Hinterrhein (1.612 m, Ausgangspunkt auch für die lange Tour zum Rheinquellhorn) nähert man sich zunächst der gesperrten Passstraße über den San Bernardino und kürzt die vielen Kehren recht gerade und rechts davon (nicht über den Bach nach rechts!) durch den Wald ab. Wir mühen uns also hier durch, bald hab‘ ich einen Ast im Aug‘, und schon stehen wir bei der Brücke (P1877). Wir folgen der Straße hier noch gute zwei hundert Meter und schießen dann rechts in das recht hügelige und dadurch nicht so einsehbare Gelände hinaus. Der Schnee ist hier stellenweise verblasen, teils finden wir Windharsch. An einem so sonnigen Tag wie heute ist die Orientierung einfach, da der Gipfelhang des Marschalhorn stets zu sehen ist.

Bald haben wir die Schlüsselstelle bewältigt – bei jedem Schritt muss der Untergrund geprüft werden: auf Löcher, Eis, losen Schnee, sonst geht’s ein paar hundert Meter abwärts…
Auf ca. 2.300 m beginnt der teils steile Gipfelanstieg. Bei einer Lawinenwarnstufe 3 würde ich hier nicht hinauf laufen wollen. Wir queren mehrmals den Hang, versuchen flachere Passagen und stabilen Untergrund zu finden. Wie auch bei den anderen Touren hier in der Gegend legen wir die Steigspur an. Es ist niemand zu sehen. Alles geht gut und ohne Vorfälle, wir üben uns im Schneelesen. Bald erreichen wir die Schlüsselstelle auf ca. 2.750 m: ein recht steiler, felsiger Hang, der in seiner Mitte mit einem sehr steilen Couloir aufwartet. Wir steigen mit den Ski soweit wie es nur geht in diese Rinne hoch, doch bald werden die Spitzkehren zur Unmöglichkeit. Okay, Ski auf den Rucksack, und hinaufsteigen. Nach gut 20 Meter versinke ich im Vorstieg bis zum Bauchnabel im Schnee, mein rechtes Bein hängt irgendwo im Nichts. Unter mir bildet sich eine Schneehöhle, und ich muss mich ausgraben. Wir verlassen das Couloir, welches offensichtlich sehr eingeblasen ist, nach rechts, versuchen unser Glück über etwas felsiges Gelände. Hier ein ähnliches Spiel, bis wir die Couloirwechte an der Seite überwinden können. Wir umgehen eine vereiste Felspassage, schlagen Tritte nun in den gefrorenen Schnee und steigen über diese Steilstufe hoch. Zwanzig Minuten später stehen wir am Gipfel des Marschalhorn (2.963 m).

feiner Tag, rassige Tour, Gipfelfoto
Das Wetter ist so prächtig, da lässt sich sogar meine Begleiterin zu einer fünfminütigen Gipfelrast hinreissen. Wir sind schon gespannt ob der Abfahrt. Und die wird rassig. Oben zunächst recht verblasen mit einer Harsch. Dann das sehr steile Couloir, in das wir von rechts einfahren und wo wir erwartungsgemäß tiefen Pulver vorfinden. Weiter der steile Gipfelhang, der eine dünne Pulverschicht auf harter Unterschicht bietet. Wir sind entzückt, und passieren die längere Passage über die Alpe Moesola sehr flott, teils mit etwas Schieben in den kleinen Gegenhängen. Ab der Passstraße dürfen wir wieder etwas ausprobieren – ein Slalom entlang der Strommasten in einer 1-2 Meter breiten Schneise durch den Wald. Weiter unten geht’s dann nurmehr durch den Wald, aber im feinsten Pulver. Da machen auch die vielen Büsche, Löcher und Mulden nichts mehr aus. Ein grandioses Finale einer rassigen Skitour!











