Navigieren in den Straßen Ostafrikas


Wie bewegt man sich in einer Stadt, deren Sprache man nicht versteht, deren Zeichen nicht lesbar sind und deren Einwohner mit unseren Navigationskonzepten wie einer Stadtkarte nichts anzufangen wissen? Wir wollten weder wie Pfadfinder mit einem Kompass durch Addis Abeba laufen noch verfügten wir über ein GPS-unterstützes System, um die Straße von Hergeisa gezielt abzulaufen. Wir sind in Ostafrika

djibouti
Straßenszene in Djibouti

Addis Abeba (Addis Ababa) ist für afrikanische Verhältnisse (ich nehme jetzt mal Südafrika und den Mahgreb aus) eine halbwegs geordnete Großstadt mit befestigten und nicht befestigten Straßen, einigen Durchzugsrouten, vielen Baustellen, einer Smoghaube und enorm viel Leben in seinen Vierteln, welches sich im öffentlichen Raum zelebriert. Das bietet uns oftmals Gelegenheit, den Nächstbesten nach einer Straße zu fragen. Es ist fast weniger das Sprachproblem (wir sprechen nicht Amharic, und unser Gegenüber meist kein Englisch), sondern die Kenntnis der Straßennamen. Wenige wissen, wie die Straßen überhaupt heißen. Wir lernen schnell, fragen nur noch Leute aus dem unmittelbaren Viertel – Tankstellenmitarbeiter, Shopbesitzer, Restaurantkellner. Die offiziellen Namen der Straßen scheinen öfters zu wechseln, zumindest sind sie so auch den wenigsten Minibus-Chauffeuren bekannt. Taxifahrern geben wir oft die Richtung vor, oder sie fragen an jeder Ecke.

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Gassengewirr in Harar, Äthiopien

Mit der Stadtkarte ist es also nicht einfach, zumal wenn die Leute hier und auch in Shashemene, Nazret oder Harar kaum eine Karte lesen können. Das Konzept der abstrakten Darstellung einer Siedlung von oben löst immer wieder Erstaunen aus. Und dann auch bei uns. Dabei ist eine solche Karte oft nicht notwendig, denn die meisten Ortschaften und Kleinstädte sind städtebaulich einfach organisiert: alles entlang der Hauptstraße, und alle Straßen gehen von dieser wie Äste weg. Die Hauptstraße erkennt man daran, dass sie die einzige asphaltierte Straße ist und bei weiten die größten Massen an Menschen und Tieren zu bewältigen hat. Somit hat eine vorhandene Karte nur für uns einen Wert, wenn wir unseren Standort festlegen wollen.

hargeisa
Hargeisa, Somaliland, (über 1 Mio Einwohner) hat eine Asphaltstraße. Diese ist es nicht.

Mit der Zeit beginnen wir uns mit Hilfe von weit erkennbaren Objekten (meist Moscheen, hohe Häuser, Türme, Mauern etc.) zu orientieren. Diese sichtbare Architektur wird für uns zu einer visuellen Referenz, und bald gewöhnen wir uns auch daran, uns für den Retourweg wichtige Orientierungspunkte einzuprägen. In Hargeisa ist das das MIG-Flieger-Denkmal,in Harar die Gates, in Djibouti die weiss-blaue Moschee im arabisch-europäischen Viertel und in Addis die in Arbeit befindliche Bole Road. Überhaupt ist in Addis Abeba ein Bauboom zu sehen. Es werden viele mehrstöckige Geschäfts- und Bürohäuser hochgezogen. Die Gerüste aus krummen Baustämmen sind überall, und woher das Geld kommt, darauf antwortet man mit „private Business“. Die Methoden des Häuserbaus sind, wie in allen armen Ländern, auf die vielen billigen Arbeitshände ausgelegt. Die Mischmaschine wird von zwanzig Leuten bedient, die in einer Reihe Zement und Wasser schöpfen. Sand wird per Hinaufschaufeln zum nächsten Stock gebracht. Was die Straßen betrifft, so sind hier meist Chinesen am Werk. Als Baustellen-Chefs.

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Bau-Boom in Addis Abeba

Eine hilfreiche Methode der Orientierung in einer solchen Stadt ist das Mobiltelefon. Nein, nicht mit Google Maps oder TomTom, sondern einer Telefonnummer, wo man hin will. Der Taxifahrer ist froh über einen Ansprechpartner, der ihn zum Ziel lotst, um dann auch noch mehr vom Kunden verlangen zu dürfen. Wer sein eigenes Mobiltelefon gebrauchen will, der benötigt meist eine äthiopische SIM-Karte. Unsere Telefone konnten sich nicht in vorhanden einloggen. Bei einem langen Aufenthalt mag das Prozedere gerechtfertigt sein: 2 Passfotos, Kopie des Passes, ausgefülltes Antragsformular, 20 US$ und nach einer guten Stunde ist die Karte aktiviert.

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diese Telefone funktionieren – in Jijiga, Äthiopien

Die allerbeste Methode ist allerdings die eines Führers. Nicht diejenigen, die sich einem aufzwängen und ungefragt nach zehn Metern schon Geld für diese Führung fordern, sondern Leute von der Straße die uns verloren Dreiblickende an der Hand nehmen. Im Morgenverkehr von Addis, im Chaos des Autobus-Bahnhofs von Dadalo, am Taxistand in Hargeisa oder an der Hauptverkehrsroute in Nazret. Diese Hilfe kann soweit gehen, dass unsere Helfer für uns bessere Hotel-Preise aushandeln und für uns mit Taxi-Keilern in verbal heftige Duelle einlassen.


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