Türkische Riviera: Massentourismus versus Gastfreundschaft


Sommersplash, All-in Urlaube, Partymeile. Schlagworte, die man bei uns vor allem von Mallorca gewohnt ist, oder von der italienischen Adriaküste. Und seit Jahren auch von der türkischen Riviera, die sich von Antalya südwärts zieht. Großhotel auf Großhotel reiht sich entlang der D-400, und welche Touristenmassen sich hier bewegen, kann auch in der Nebensaison an einem Wochenende in Side erleben. Da ist nichts mit Beschaulichkeit, und schon gar nicht viel Türkei zu erleben, außer ein paar roten Flaggen mit weißem Halbmond. Die Szene beherrscht der Urlauber aus dem Westen und der Keiler, der aus diesem Strom von Geldbörsen so viele wie es geht in sein Geschäft umleiten will.

Avsalar
Symbolisch für die Riviera: Natur und Infrastruktur

Freilich, der Tourismus bringt Einnahmen, und der Massentourismus ein Vielfaches. Die Infrastruktur wird aufgewertet, Jobs geschaffen, der Immobilienmarkt boomt (manche sagen eher: er bläst sich auf). Es ist eine Goldgräberstimmung, die an der türkischen Riviera herrscht. Solange der Strom der Touristen nicht versiegt, läuft dieses Geschäftsmodell recht gut. Aber was haben wir schon an anderen Orten gesehen, nachdem der Tross der Touristen weitergezogen ist? Leere Viertel, hohe Preise, keine Beschäftigung.

Alanya
Alanya ist nicht nur Touristenhochburg

Die beste Vorsorge gegen eine solche Entwicklung ist sich selbst treu zu bleiben. Manche Städte wie Alanya, aber noch mehr Antalya, scheinen dies zu beherzigen. Direkt und indirekt leben sie zum Großteil vom Motor des Fremdenverkehrs, aber es gibt noch so etwas wie ein Stadtleben auch außerhalb des Tourismus. Das ist in beiden Städten schön zu beobachten. Es wird zumindest interessant zu sehen sein, wie groß die Gier nach noch mehr Tourismus-Euros sein wird. Die Ressourcenkapazität ist irgendwann erreicht, und dann kippt das Ambiente endgültig. Aber noch ist es möglich, mit dem Auto die eine oder andere etwas ruhigere oder gar einsame Bucht aufzusuchen, gemütlich ein Strandrestaurant anzusteuern und zuvorkommenden Menschen zu begegnen.

türkische Riviera
es gibt sie noch, die ruhigen Flecken an der Riviera

Angst und Bange wird einem, wenn man diverse Großprojekte an dieser Küste erblickt. Ganze Siedlungen, Riesenhotels, Festungs-artige Anlagen werden aus dem Boden gestampft. Verdienen tun hier viele, um den Preis ihrer Zukunft. Schade, dass man viele Fehler aus Europa übernimmt anstatt sie zu vermeiden. Ich maße mir hier keine objektive Kritik an, sehe aber aus meinem Blickwinkel, wie diese herrliche Gegend in ein touristisches Ödland verwandelt wird. Die wenigen Tage unseres Aufenthalts haben uns erlaubt, verschiedene Perspektiven auf diese Entwicklung werfen dürfen, und es gab durchaus positive Beispiele. Die Motive der Einheimischen will ich nicht kommentieren, aber was den westlichen Urlauber betrifft, so eine Empfehlung: wer seinen jährlichen, unkomplizierten Badeurlaub genießen möchte, der ist an der türkischen Riviera sicher nicht an der falschen Adresse. Und wer hier den Leuten entsprechend Respekt entgegenbringt (z.b. in Form der Straßenkleidung, und damit meine ich kein Kopftuch!), der wird auch etwas zutiefst Türkisches erfahren: Gastfreundschaft.


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