Blockklettereien am Monte Antelao
Nach unseren Klettereien am Sellaturm und der Kleinen Zinne ist es Zeit, ein wenig ruhiger zu treten. Bei uns heißt das 500 Höhenmeter mit dem Rad hinauf, dann 1.700 Höhenmeter per pedes auf den Gipfel. Und so machen wir’s. Das Büssle bleibt in San Vito di Cadore (1.019 m), wir fahren mit den Mountainbikes über eine teils asphaltierte, teils übel schottrige Piste zum Rifugio Scotter-Palatini (1.580 m). Obwohl es früh morgens ist, sind schon viele unterwegs. Sonntag. Prachtwetter. Und was weiss ich.
Vom Rifugio Scotter geht es in steilen Serpentinen durch Latschenhänge, dann schon auf die Forcola Piccola (2.120 m). Wir fühlen uns fit, gehen leicht und locker an den einzelnen Wanderern und Gruppen vorbei. Der Weg wird nun sehr schmal, viel Geröll liegt im Hang, ein Schotter, der ständig nachgibt. Die Sonnencreme ist drauf, die Sonnenbrille ebenso, und so steigen wir über die ersten Blöcke und Platten, und wundern uns, dass im Land der Eisensteige keine Drahtseile angebracht sind. Die Szenerie des Weges ist beeindruckend, die Wände fallen steil ab, und der Pfad ist schmal. Immer wieder überholen wir ältere Wanderer und staunen, wie die hier hinauf gekommen sind. Aber es kommt noch besser.
Auf dem Bergrücken, so karg und felsig, ohne eine Spur von Leben, durchzogen von scharfen, tiefen Furchen, folgen wir bald keinem Weg mehr. Die Neigung ist so groß, dass wir nur noch in kleinen Schritten auf den Fußballen gehen. Überraschend weit führt der Rücken, dann hangeln wir wieder an einer Wand, spreizen über Spalten, kraxeln über größere Blöcke. Von oben kommen schon Gruppen herunter, wir weichen aus dem Weg, und klettern über deren Köpfe hinweg. Am Gipfel des Monte Antelao (3.264 m) ist dann doch recht wenig los. Wolken ziehen auf, die Spitze hüllt sich schnell in Nebel. Wir essen eine Kleinigkeit, ein Schnappschuss, und dann sich wir schon wieder auf dem Weg ins Tal.

Vom Gipfel des M. Antelao Blick nach Norden: links der Großvenediger, rechts der Großglockner
Auch der Abstieg zieht sich hin. Auf den stark geneigten Platten treten wir sauber auf, meiden kleine und große Steine. Andere mögen es nicht, wenn man sie überholt. Ob beim Laufen oder Klettern. Wir wollen hinunter, beeilen uns zum großen Schotterfeld, hinunter zur Furcola, und dann etwas mühsam und schon im heißen Wetter des Nachmittags zum Rifugio Scotter. Aber das Beste sollte erst noch kommen. Beim Büssle wissen wir sofort, wir müssen zum wilden Bach im Tal. Unweit eines Fischteichs finden wir einen privaten Strand am wilden Boite. Perfekt. Eiskaltes, schnell fließendes Wasser von milchiger Farbe. Nur wir zwei. Sonne und Sand. Und Zeit.
Irgendwann wachen wir auf, packen unsere Sachen und gehen in Cortina d’Ampezzo auf einen Kaffee. Die Stadt ist nett. Wir fühlen uns wohl, und fahren etwas später hinauf zum Passo di Valparola. Der Platz für unsere letzte Nacht. Die Sonne geht unter, wir starren in die uns umgebenden Wände, trinken Sekt, essen, freuen uns auf einen letzten, schönen Tag. Wir wollen auf den Hexenstein.
















