Firnige Verhältnisse auf der Güntle Spitze


Brav steige ich um halb vier aus dem Bett. Der Wecker läutet nicht mal, ich hab schon um 03.00 auf die Uhr gesehen, ob ich nicht verschlafen habe. Trotz allem, irgendwie hängt mir das Müsli noch im Magen, als ich im feinen Regen in die noch dunkle Nacht hinausfahre. Hab ich schon erwähnt, dass Müsli eigentlich schwer verdaulich ist?

salamander
Dieser Bursche stellte mich schon um 05.30

In Gortipohl (906 m) gehe ich dann zu Fuß. Ein Alkohol-Zombie kommt mir entgegen, grüßt nicht, ist zu sehr auf den geradlinigen Gang konzentriert. Ich biege ab ins Valschavieltal, es regnet immer noch. In Wien würde man Schnürl-Regen dazu sagen, mit Betonung auf die letzten zwei Buchstaben. Die Straße ist breit, gewinnt nur langsam an Höhe. Ich treffe bis auf einen Hirten niemand, und ich sehe auch niemand. Die Wolkendecke schließt nun zu mir auf, ich wandle durch Dampf. Gegen Ende des Tales wird es etwas steiler, erste Felsen tauchen auf. Es ist rutschig, die nassen Flechten auf dem Stein sind nicht gut. Es fließt auch viel Wasser, nicht nur von oben. Die Bäche sind übervoll, Querungen danke meiner Stöcke aber gut machbar.

woermser-hoehenweg
hin und wieder konnte man weit sehen

woermser-hoehenweg
bei der Feuchtigkeit kein Wunder, dass alles so gedeiht!

Im Nebel des Gaschurner Winterjöchle (2.320 m) ist die Orientierung nicht einfach. Trotz zahlreicher Wegmarkierungen muss ich sehr genau schauen und oft im Kreis gehen. Schneefelder verstecken den Weg, und die Sicht beträgt keine zehn Meter. Ich bleibe am Weg, aber Gipfelbesuche abseits sind so nicht machbar. Ich entschließe mich, auf dem Wörmser Höhenweg zurückzukehren. Dort treffe ich zum ersten und einzigen Mal Wanderer. Eine 5-köpfige Gruppe, wohl von der Heilbronner Hütte kommend. Es ist so neblig, dass ich nicht einmal die Notunterkunft auf Punkt 2201 entdecke, vom Madererkamm ganz zu schweigen. Er ist irgendwo da rechts von mir, aber ich sehe nur, was direkt neben meinen Füßen ist.

woermser-hoehenweg
am Grat etwas bessere Sichtverhältnisse

Die Stunden vergehen, und ich gelange zum Madererjöchle. Hier wird gekocht, Kafi. Mein neuer sehr kleiner und sehr leichter Kocher muss herhalten. Ruck-zuck ist das Wasser heiss, dann schnell in den Trinkbecher und Kaffee dazu. So muss ich den Kocher nicht putzen, und der Kafi bleibt heiss. Mein Appetit kommt. Riegel, Brot, Landjäger. Schoki. Es geht bald weiter, jetzt eigentlich nur mehr flach oder leicht abwärts. Ich versuche doch noch einen Gipfel. Der Zapfkopf (2.288 m) liegt auf dem Weg, ich folge einfach einer Steigung. Es wird steiler, bald bauen sich große Blöcke auf. Ich bin oben, eine Rutschpartie. Einfachste Kletterei kann auch heikel sein. Etwas später, am Grappeskopf (2.206 m), ist das kein Thema. Dort führt der Wanderweg direkt vorbei. Ein Blick zurück zum Madererkamm. Die Wolkendecke öffnet sich kurz, ich sehe die Felswände. Gefällt mir. Und dann ist wieder alles eingehüllt.

Zapfkopf
zum Zapfkopf

Der Marsch hinunter ist wie immer kein Vergnügen. Ich staune jedoch über die Dimension der Lawinenverbauungen. Das Valschaviertal ist voller Energie. Schnee, Wind, Wasser, Erde, Felsen, alles ist in Bewegung. Ich auch, und bald in Gortipohl.

Valschavieltal-Runde
Die Runde: 30 km, ca. 1.800 Hm



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