Firnige Verhältnisse auf der Güntle Spitze
Das Bergwetter spielt mit. Ich muss meine Alpinstiefel einlaufen (das werde ich am Abend noch bereuen, also: fette Blasen), und wir entschließen uns am Vorabend für eine Hike & Climb Kombination. Letztes Jahr waren wir schon auf dem Schöneberg. Nur: wir sind der Karte nach, nicht dem Kletterguide nach. Und da die Kletterleute nicht Karten lasen, hatte sich für den Schönegg (2.260 m) die falsche Bezeichnung „Schöneberg“, der ein paar hundert Meter Luftlinie weiter nordwestlich steht, eingeschlichen. Der Unterschied ist einfach und klar: der Schönegg hat eins, der Schöneberg nicht – ein Gipfelkreuz.

Blick zum Hochtannberg

vorne die Biberacher Hütte, links davon Feuerstein, dann das Mutterwangjoch, dahinter das Gadental
Der Zugang zum Klettergipfel Schönegg ist zunächst einfach – von allen Richtungen zur Biberacher Hütte. Sollte man über die Hochkünzelspitze kommen, dann kann man schon etwas früher, also am Sattel, nach Westen abbiegen und sich über teils steile Grashänge zum Felsfuss aufmachen. Im Kletterguide „Kletterführer Vorarlberg“ ist das recht schwammig beschrieben. Wir sind aus dem Bregenzer Wald von der Bushaltestelle nach der Gallerie aufgestiegen und direkt an der Biberacher Hütte vorbeimarschiert, fast schon auf dem Weg ins Große Walsertal. Man verliert zwar etwas Höhe (etwa 60 Höhenmeter), kann aber dem markierten Weg bis zu einer Alpe auf 1820 m Seehöhe folgen, ja sogar noch weiter bis zum nächsten Wegweiser bei einem kleinen Übergang. Von dort sieht man die Schönbergkante, also den Südwestgrat des Schönegg bereits prächtig. Hier verlassen wir den Weg und steigen durch das Gemüse hoch zum ersten Stand.

noch auf dem Weg, aber am Sattel gehts dann rechts hoch

die Südwestkante des Schönegg aka „Schönebergkante“
Die fünf Seillängen zum Gipfel sind recht gemütlich. Die Schwierigkeiten belaufen sich zwischen 3 und 5 (UIAA), und an den etwas heikleren Stellen sind auch Bohrhaken angebracht. Die Stände sind eingerichtet. Trotz (oder wegen?) Topos mussten wir das eine oder andere mal etwas suchen, ob wir auf der richtigen (sprich leichten) Route sind oder schon wieder irgendwo im schwereren Gelände unser Glück versuchen. Das Schöne an dieser Tour ist, dass man selbst einiges absichern muss, und das ist bei den vielen Platten und Wasserläufen gar nicht so einfach. Also: ein paar Bandschlingen, Klemmkeile und Friends mitnehmen, dann ist diese Route eine Freude. Der Fels ist sehr griffig, und wir hatten heute die ganze Wand für uns allein.

Das Seil aufschießen, dann ab nach Hause
Am Gipfel zieht es rasch Wolken auf, Nebelbänke drücken hinein, und wir treten über ein sichtbares Grasband unterhalb des Ostgrats den Rückmarsch an. Es zieht sich, und der Weg ist nicht immer sehr gehfreundlich. Auf dem breiten Forstweg ab der Biberacher Hütte erwischt uns dann doch ein Wolkenbruch, Blitze zucken. Ein Bergtag.











