Valbellahorn: mit Vollgas vom Gipfel
Es fühlt sich wie eine Ewigkeit an, das letzte Mal im Büssle gesessen zu sein, im Dunkel des Frühmorgens, auf dem Weg zu einem Gipfel. Aber es ist alles wie beim letzten Mal, alles blinkt gleich und die gleiche Straße fährt an einem vorbei. Die Autobahnkilometer, die Baustellen, die Ausfahrten, die Tunnels und die Dörfer und Städte, die wir passieren. Kurz vor dem Ziel fahre ich zur Seite fahre und wir studieren die Karte. Ein paar hundert Meter weiter, und wir steigen in die Morgenkälte hinaus.

der Abschluss des Bärentals mit Steilstufe
Der April ist kein guter Bergmonat gewesen. Mit dem Abschluss der Haute Route hat sich auch die Großwetterlage umgestellt. Zwei mal sind wir in der Zwischenzeit in Chamonix gewesen, das Wetter blieb launisch. In Vorarlberg auch. Dann konnte der eine nicht, dann der andere. Im April beißt’s sich, aber so kann keine Saison enden. Wir stehen in Glaris (1.443 m) bei Davos, sehen in das Bärental. Von Schnee keine Spur. Wir packen die Ski auf die Rucksäcke und marschieren los.
Das Bärental zieht sich, im Wald erster Schnee, dann immer wieder längere Trassen, auf denen wir die Ski anlegen können. Wir halten die Ski einige Male in den Händen, bis wir zur Bärentaler Alpe (1.851 m) kommen. Ohne Spur, mehr auf Sicht und Gefühl setzen wir nun den Weg auf Ski fort dem Talschluss entgegen. Ab hier wird es nun steil, wir müssen eine Felswand umgehen, schaffen es in einem großen „S“. Die steilen Querungen gehen gut, wenn auch die letzte Neuschneeschicht gerne auf der alten, harten Schicht abrutscht. Durch Wannen, Rinnen und über Schultern und kleine Anhöhen setzt sich der Weg nach Südwesten fort, vorbei an der Valbellahütte (2.496 m).
Das Valbellahorn (2.763 m) baut sich nun mächtig vor uns auf, wir sind nicht sicher, ob man da mit den Ski hinauf kommt. Wir nehmen den nördlichen Kamm als Leitlinie, queren immer wieder in die großen Wannen, und sind bald direkt unter dem Gipfel. Es stürmt und bläst hier oben, die Kapuze ist längst über den Helm gezogen. Schnee ist in unseren Gesichtern, als wir die letzten Meter zum Gipfelkreuz nehmen. Platz ist nicht viel da oben, und wir fahren recht flott noch mit den Fellen wieder ein Stückchen hinab, der Wind hier oben ist zu stark.

heute konnte man es laufen lassen…
Die Abfahrt wird überraschend ein Genuß. Oben Pulver mit feinen, steilen Einlagen, ab dem Talschluss schön firnig für lange, schnelle Bögen. Da stört uns die Abfahrt und das ständige Ausziehen der Ski im Bärental wenig. Wolken kommen auf, wir sitzen am Büssle, trinken, denken. War das der Saisonabschluss?












