Haute Route: langer Tag bis nach Bourg St. Pierre


Vorsichtig und langsam kriechen wir aus unseren Schlafplätzen, in wenigen Handgriffen haben wir alles, um das Lager zu verlassen, ohne die anderen Schlafenden zu stören. Das Frühstück passiert schnell, wir wollen hinaus in die Dunkelheit, eine sehr lange Etappe wartet, und wir fürchten die Wirkung der Nachmittagssonne auf diverse Südhänge etwas.

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von rechts kommend unterhalb des Mont Avril ins Hochtal des Glacier du Mont Durand

Im Dunkeln fahren wir also zurück, von wo wir gestern gekommen sind (Charmotane, 2.236 m), und steigen auf der gegenüberliegenden Talseite hoch. Hier haben wir letztes Jahr unsere Mountainbikes hochgezogen, hinüber zum Fenetre du Durand und dann weiter nach Aosta. An diesem heutigen Tag biegen wir auf rund 2.700 m Seehöhe nach Nordosten auf eine Schulter des Mont Avril ab, umrunden den Felsriegel und gleiten langsam auf den Glacier Durand hinab.

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Bivouac Musso

Nun geht die Sonne auf und wir folgen dem flachen Gletscher gegen Westen. Die Überwindung von Steilstufen ist mühsam, da die Quergänge oft steil und der Schnee sehr glatt ist. Wir brechen trotz Spur oft ein, nähern uns dem Col du Sanadon (3.505 m), wo uns nun wieder größere Skitourengruppen entgegen kommen. Am Sattel ruhen wir uns nicht aus, es herrscht hier Hektik, wir ziehen weiter über eine etwas flache Ebene steil hinauf zum Plateau du Couloir (3.650 m), dem letzten hohen Sattel dieser Haute Route Variante. Oberhalb des Sattels steht einsam und ausgesetzt das Biwak Musso, welches wir an diesem Tag nicht in Anspruch nehmen müssen. Nun wechseln wir von den Ski auf unsere Steigeisen, und machen uns mit dem Pickel in der Hand in den rund 42° steilen Westhang.

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steil hinab zur Cabane de Valsorey, zunächst auf allen Vieren…

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… und ein wenig später auf den Ski

Nach gut einhundert Metern abwärts stellen wir fest, dass diese Art der Fortbewegung (rückwärts) zu lange dauert, zu mühsam ist für die restliche Länge. Irgendwie montieren wir unsere Ski in diesem Steilgelände, und fahren in großen Bögen ab. Der Schnee ist fest, schon bald richtiger Firn. Wir passieren die Cabane de Valsorey (3.030 m), stürzen uns weiter über den Gletscher ins Tal, unterbrochen von zahlreichen kurzen Tragepassagen. Hier hat es einfach nicht mehr genug Schnee.

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Abfahrt am grauen Moränenrücken

Am Ende der Gletschermoräne kraxeln wir nochmals auf einen Gegenhang, um Schwung für die Talabfahrt mitzunehmen. Wir reihen uns in die Spuren, die vom Mont Velan kommen, ein, und folgen dem Bach in einer wilden Geländeralley zwischen Sträuchern, Wasserläufen, Felsriegeln und Bachquerungen. Nicht selten tragen und ziehen wir die Ski, manchmal aus dem Wasser, über Brücken, klettern über Steinwände, versinken mit den Skischuhen im sulzigen Tiefschnee.

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der schwerste Abschnitt der Etappe: dem Bach über Kilometer wild folgend nach Bourg St. Pierre

Diese abwechslungsreiche Bachroute bleibt uns für eine Weile erhalten. Erst auf Höhe der Alpe Cordonne (1.834 m) ist mit dem Schnee Schluss, wir schnallen die Ski ab und marschieren ins Tal nach Bourg St. Pierre. Hier haben wir etwas Pause, warten auf den Bus bei einer Rivella, sind in guter einer Stunde schon in Martigny-Croix, direkt beim Büssle. Dankbar nehmen wir unsere Skischuhe ab, schlüpfen in etwas Frischeres, gönnen uns eine Pizza, bevor es über den Col de Forclaz nach Chamonix geht. Ein langer 10-Stunden-Tag geht zu Ende, Schönbiel und das Rifugio Nacamuli scheinen schon eine Ewigkeit her zu sein. Unsere Gedanken kreisen um den Mont Blanc, als wir in die Schlafsäcke schlüpfen.

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Abschnitt 4 der Haute Route: 19km, 1.550 Hm



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