Sehr frostig zum Vernagtjoch


Zu Beginn einer interessanten Woche im Ötztal starteten wir mit einer Tour von Vent aus. Es ist nicht das erste Mal, das wir hier sind, aber jedes Mal sind wir mit einer Pleite wieder abgefahren – aufgrund von Schnee- oder Wetterverhältnissen. Diesmal hatten wir prima Wetterprognosen und Schneeverhältnisse, die Lawinenwarnstufe auf einer guten „2“. Was im Winter mit einem „Hoch“ oft daher kommt, wenn der Wind aus Nordosten bläst: tiefe Temperaturen.

Am frühen Nachmittag steigen wir sehr locker von Vent (1.845 m) zur Breslauer Hütte (2.844 m) auf. Die kalte Luft macht das Schnaufen ein bißchen schwerer, ansonsten haben wir nur kalte Hände und Füße, und ich einen schneeweißen Bart. In der Hütte sind wir fast allein. Benjamin und Bettina, Studenten aus Innsbruck, heizen den Holzofen schon ein, und wir freunden uns gleich an. Es wird gekocht, getrocknet, die Pläne für den nächsten Tag besprochen. Bald ist klar, wir gehen gemeinsam. Der gemütliche Abend in der mittlerweile warmen Stube wird irgendwie in die Nacht fortgesetzt, als wir alle zwei Stunden den Ofen wieder anwerfen.

vernagtjoch
Blick zur Vernagtjoch (Bildmitte)

Die Wetterprognosen stimmen, es ist klar und mit -23° C recht frisch. Ein Blick auf die gegenüberliegenden Kämme zeigt uns, dass wir doch mit mehr Wind zu rechnen haben. Da haben wir bald einen Windchill von -30° C und weniger. Das Expeditionsfrühstück von Adventure Foods ist schnell fertig (heißes Wasser in den Beutel und löffeln). Dick vermummt kommen wir aus der Hütte, und beginnen langsam unseren Aufstieg in Richtung Mittelkarferner. Der Schnee ist teils verblasen, teils locker flockig. Am Ende des Kars entscheiden wir uns für das Vernagtjoch und nicht für das Mittelkarjoch (welches dann einen Weg weiter Richtung Wildspitze bieten würde). Aber das Mittelkarjoch zeigt Spuren von Lockerschneelawinen, wir wissen also nicht, wieviel Triebschnee da noch zwischen den Felsen liegt. Das Vernagtjoch hingegen scheint eine stabile Schneedecke zu haben, und die ersten Spitzkehren bestätigen dies.

vernagtjoch
bald wird’s noch steiler

Der Hang wird nun steiler, wir nehmen die Ski ab, schnallen sie auf den Rucksack und gehen in einer Geraden direkt in den Couloir. Es ist bei diesen Temperaturen sehr anstrengend, ich keuche durch meine Sturmmaske. Die Skibrille ist innen teils angefroren. Jeder Schritt wird in den Schnee „gestossen“, der Oberkörper schleift am Schnee entlang nach oben. Irgendwann ist das Vernagtjoch (3.400 m) erreicht, und nach einer kurzen Pause geht’s in die Abfahrt. Es ist schön steil. Das erste Drittel sind wir feig, rutschen seitlich hinab, drehen erst später die ersten Kurven in den harschigen Schnee. Die Abfahrt bis Vent bietet alle Schneeverhältnisse. Mit viel Gepäck am Rücken ist dies aber immer eine etwas andere Herausforderung. Bei einem Radler und Glühwein verabschieden wir uns noch von Benjamin und Bettina, mit denen wir die eine oder andere Tour machen möchten. Die zwei haben was drauf. Und wir düsen weiter nach Obergurgl.

Weisskugel
Blick zur Weisskugel vom Vernagtjoch



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