Stelli oder wie gut die Lawinenschaufel dabei zu haben


Perfekt! Sonne, Temperatur und Schnee am Vorabend. Die Lawinenwarnstufe „3“ in unseren Breiten ist zur Kenntnis genommen. Und das kostet uns ein paar Schlafminuten, weil wir extra früh raus müssen: nach Langwies (1.377 m, Nähe Arosa), in eine Gegend, die unsere Skispitzen noch nicht kennen und wir sie explorativ in unsere Ski-Landkarte aufnehmen wollen. Und weil es dort einen Hang gibt, der recht sicher ist – am Stelli (2.622 m).

Die frische Morgenluft weckt meine Geister, wir laufen die Forststrasse von Langwies zum Alpengasthof „Heimeli“ (1.831 m) hinauf. Eher flach, breit, sogar für Rodler präpariert. Wir schweigen und staunen im „Bergdorf“ Sapün. Die Siedlung stammt aus dem 13. Jahrhundert, hatte eine Post, ein Wirtshaus und eine Schule. Um 09.00 liegt immer noch Schatten am Alpengasthof. Noch eine Weile genießen wir die Spur, ab der Inner Haupt Alp (2.047 m) müssen wir sie selbst legen. Es ist heute eine mühsame Arbeit, denn der Schnee ist tief und schwer.

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im schattigen Tal

Wir machen uns also auf den Weg in die Höhe, wo die Sonne die Hänge bestrahlt. Wir navigieren zwischen Kuppeln, Bachbetten, Hangrücken und Mulden. Ich kann nicht sagen, dass dies keinen Spass machen würde, trotz der Schinderei in der prallen Sonne. Wir wechseln uns vorne ab, die Beine werden etwas schwerer.

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Blick vom Gipfel in Richtung Weissfluh

Der Blick vom Gipfel ist grandios – ins Prättigau, aber auch ins Tal nach Davos. Irgendwo im Nordwesten vermuten wir den Glattwang. Schnee ist genug hier oben, lediglich an den Rücken abgeblasen. Keine großen Wechten zu entdecken. Nach drei Minuten sind wir für die Abfahrt fertig. Sie fährt vor, holt sich gleich eine Riesenschramme am Ski. Der Bergrücken ist weiss, aber das täuscht. Sie fährt ab, ich warte bis sie aus dem Hang ist. Ich setze die ersten Schwünge, merke wie wenig Schnee unter den Ski ist. Drehe nach rechts in den steileren Hang, der Ski fängt an zu tragen, doch dann hakt er ein, der Rucksack kommt vom harten Bremsmanöver nach vorne, und der Rest ist wieder mal die Geschichte des Tages.

Der rechte Ski taucht in die Tiefe, die Bindung löst sich, ich mach‘ ’nen Salto, und weiss sofort, der Ski will nun gefunden werden. Ich denke nicht lange nach, schnalle ab und hole meine Lawinenschaufel heraus. Es wird gegraben. Der Ski will nicht gefunden werden. Ich male mir eine „einbeinige“ Abfahrt aus. Ohne Ski kommt man da nicht hinunter. Und muss auch nicht, denn nachdem ich einen Schlafplatz ausgegraben habe, bekomme ich die Spitze zu fassen. So wird die Abfahrt trotz etwas schwerem Schnee im oberen Teil freudig, und im schattigen Teilstück bis zum Heimeli sogar noch riesig pulvrig.

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vor dem Heimeli

Wir trinken eine Milchkaffee in der gemütlichen Stube. Unserer Gesichter sind leicht rot von der Sonne, und von der kalten Luft. Wir grinsen, zahlen und fahren ab nach Langwies. Wieder ein Tag in den Bergen.



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