Yerewan sagt ja, Aragats nein


Nun wieder aus dem Kaukasus retour, gibt es einiges zu berichten. Zunächst einmal aus Armenien, ein Land, das uns sehr positiv überrascht hat. Die Stimmung im Land ist optimistisch, wenn auch die (wirtschaftliche) Lage noch trist. Da wir mit unseren Skitouren am Aragats aufgrund sehr schlechter Wetterverhältnisse nicht einmal in die Skier kamen (siehe unten), verlegten wir unsere Aktivitäten auf das Erkunden der armenischen Hauptstadt und seiner Umgebung.

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Am Platz des Nationalmuseums in Yerewan

Stellvertretend für Yerewan stehen zum einen zwei ältere Damen, bei denen wir zuhause sein durften. Bei der einen schliefen wir wie in einem Museum (alle Zimmer waren vom Boden bis zur Decke mit Bildern dekoriert), bei der anderen aßen und tranken wir (die Großmutter eines Freundes). Beide leben in bescheidenen Verhältnissen in eher ärmlichen Wohnblöcken mit einer niedrigen Pension, die sie mit zusätzlichen Einkünften deutlich aufbessern müssen. Von außen sehen die Häuser desolat aus, innen ist es aber gemütlich eingerichtet, meist mit Möbeln aus den 60ern. Beide denken gerne an die „alten“ Zeiten zurück, als noch das sowjetische System gewisse soziale Sicherheiten bot. Das gibt es alles im modernen Armenien nicht.

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Kein Museum, aber unser Privatzimmer

Das andere Yerewan ist das moderne und westliche. Das bedeutet meist lange Einkaufsstraßen mit Edelmarken, fette SUVs in den Straßen und eine recht hippe, optimistische Jugendszene. Die Stadt präsentiert sich im Aufbruch und möchte sein altes Image loswerden. Das geht vielleicht architektonisch (mit viel Aufwand wohl gemerkt), aber wirtschaftlich?

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klassische Häuserfront

Am Land schaut die Sache nochmals anders aus. Männer am Straßenrand, Zigaretten rauchend. Taxis und Marschrutkas prägen das Straßenbild. Schulkinder. Frauen verkaufen Kleinigkeiten. Das Leben geht langsam, die Straßen haben viele Schlaglöcher. Die Landschaft ist wild und ungezähmt, und doch stellenweise um industrielle Ruinen aus der Sowjetzeit angereichert. Der erste Blick: nichts funktioniert hier. Doch er trügt. Die Menschen machen das Beste daraus, irgendwie geht’s weiter. In kalten Wohnungen, desolaten hygienischen Verhältnissen. Für uns eine unvorstellbare Welt. Zu Besuch, ja; zum Leben, gewiss nicht.

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Kloster in Echmiadzin

Am Aragats werden wir immer wieder daran erinnert. Straßen sind nicht geräumt, Schnee versperrt uns den Weg zur Basisstation unserer Tour. In den näheren Dörfern findet sich kein einziges Privatzimmer, bis auf eine Garage, die weder Heizung noch Bett hat. Wir lehnen dankend ab. Es schüttet am ersten Tag, und auch am zweiten Tag, als wir in der Dunkelheit wieder mit dem Taxi aus Yerewan die 60 km zum Berg fahren. Kein Bergwetter für uns am Aragats, wir müssen unverrichteter Dinge und enttäuscht nach Yerewan umdrehen. Das Land ist grau, kalt und nass. Es ist eigentlich noch Winter hier, die Berge sind in dichten Wolken und bis am Fuß angezuckert. Wir verabschieden uns von unseren beiden Damen, brechen auf nach Georgien, auf der Suche nach besseren Wetter und weiteren Berg-Abenteuern im Kaukasus.

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Straße von Yerewan nach Vanadzor


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