Ohne Sicherheit – Ecuador V


Wir standen da, in Angesicht zu Angesicht, aber jeder blickte auf die Geldtasche, die wie ausgebreitet da lag, um ausgenommen zu werden. Ich hätte den armen Schlucker spielen können, aber der Große mit dem Schnauzer und den Reiterstiefeln wußte ganz genau, wieviel Bares ich hier hatte. Er hatte ja sogar meinen Geldgürtel auseinander genommen!
Erste Frage: wie gebe ich das, was er will: Dolares. Zweite Frage: wie komme ich möglichst billig davon? Ich nahm also die Geldtasche in die Hand, und wir sahen uns dabei nicht an. Ich sagte ihm „Danke, für die Familie“ und nahm einen 10er heraus. Er fasste den Schein nicht an und lachte sich eins. Que pasa? Der Hotel-Manager kam nun ins Spiel. Er nickte in einer Art und Weise, als wäre noch mehr für den Großen drin. Ich blätterte nicht mehr in der Geldtasche herum, sondern nahm einfach ein Büschel heraus und gab es dem Manager. Der fächerte das Geld in seiner Hand auf, blickte zum Reiterstiefel-Typen, der nickte zurück und sah mich an: Das Messer nehme er mit und ich könne es wieder abholen, wenn ich das Land verlasse. Den Teufel werd ich tun und sagte ihm, dass ich die Adresse brauche.
Den Zettel mit der Adresse habe ich sofort weggeschmissen, als der Typ zur Tür draussen war. Das Hotel kotzte mich an, die spielten irgendwie zusammen, und ich war wie viele andere offenbar einer mehr, denn man locker abzocken konnte.
Die 50 Dollar oder so waren mir ziemlich egal. Doch das Gefühl, nicht einmal in den ‚eigenen‘ vier Wänden sicher zu sein, das nahm mich doch irgendwie mit. Fortan fühlte ich mich beobachtet, verfolgt, schlug Haken und spielte Verstecken mit imaginären Agenten der Polizei und der Staatssicherheit. I felt in into a 007-Classics.

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