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Ashgabat wie ein Sumpf: warm und ruhig

Nach der recht umständlichen und mit hohen Auflagen verbundenen Art, ein Visum für Turkmenistan zu bekommen, schauten wir dem Grenzübertritt mit leichtem Kopfweh entgegen. Von Bukhara kommend erreichten wir die Grenze eineinhalb Stunden später, schrieben auf der usbekischen Seite schon wieder Formulare, und nach einer halben Stunde waren wir flott durch. Der folgende Spaziergang von zwei Kilometern durch das Niemandsland zwischen den Grenzstationen war wiedermal ein Höhepunkt. Auf turkmenischer Seite wartete bereits Elena auf uns, unsere Begleiterin für die restlichen Tage. Nicht, dass wir sie für eine spezielle Tour gebraucht hätten, aber Reisen in Turkmenistan ist für Tourist-Visa-Inhaber ohne solche Begleitung schlicht nicht erlaubt.

Merv

Das restaurierte Mausoleum im antiken Merv

Elena, ehemalige Lehrerin und nun Reisebegleiterin, spricht perfekt Deutsch und sieht gut aus, so dass einer der Grenzbeamten mich mitleidig anschaut und meint, warum ich denn mit meiner Ehefrau reise. Er schüttelt nurmehr den Kopf und kichert über die vergebene Chance. Wir grinsen auch und holen uns den Einreisestempel. Draußen wartet schon unser Fahrer Assad, und drei Stunden später landen wir in Merv, einer historischen Stätte vom Rang eines Weltkulturerbes. Merv war in seiner Blütezeit vor dem Mongolensturm eine der Metropolen der islamischen Welt, erstreckte sich über ein riesiges Stadtgebiet. Von der Stadt, in die schon Alexander der Große auf seinem Feldzug eingezogen ist, ist nur mehr der Ring der Stadtmauer als Lehmhügel übrig geblieben. Und ein Mausoleum, welches restauriert und wieder aufgebaut worden war. Der Rest ist Staub oder im Nationalmuseum in Ashgabat.

Wir verbringen die Nacht in Mary, fahren am nächsten Tag hunderte Kilometer weiter durch die Wüste nach Ashgabat. Die Landschaft ist monoton, mit Büschen versehen, durstig und staubig. Erst kurz vor Ashgabat wird die Straße besser, das Geld aus dem Gasgeschäft wird in die Hauptstadt investiert. Diese Stadt ist der glänzende Kontrast zum Rest Turkmenistans, zumindest was die Architektur und Infrastuktur betrifft. Überall neue Turm-artige Hochhäuser,  jedes der 150 Ministerien hat oder bekommt ein bombastisches Gebäude, alles ist oder wird in weißem Marmor verkleidet. Die alten Plattenbauten der Sowjets inklusive. Die Stadtplanung bestimmt letztlich ein Mann – und das ist der turkmenische Präsident, der auf den Straßen mit seinem Konterfei omnipräsent ist. Genauso wie die Statuen seines Vorgängers.

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Das neue Stadtbild von Ashgabat, geprägt von freistehenden Wohntürmen

Überhaupt erinnert die Szenerie in Ashgabat an Nordkoreanische Verhältnisse. Damit meine ich die Huldigung des Führers der Nation, das großzügig angelegte Straßennetz, das Pompöse der Parkanlagen und Gebäude, hier eine Goldkuppel, da eine 12 Kilometer lange Allee, die jeden Tag andere Farben der Straßenleuchten präsentiert. Ein künstlich angelegter Fluß quert die Stadt, riesige Moscheen verteilen sich auf das Stadtgebiet (weitere Impressionen von Ashgabat hier…). Die Straße, die zur Residenz des Präsidenten führt, ist freilich die breiteste und sauberste, und wird zwei mal täglich komplett gesperrt – wenn der Konvoi des Präsidenten zur / von der Arbeit fährt. Überhaupt wirkt die Stadt herausgeputzt, am 27. November wird der Unabhängigkeitstag gefeiert (einer von drei Nationalfeiertagen), mit vielen Fähnchen und noch mehr Paraden. Die Tribünen entstehen gerade. Auch die Feiertage werden vom Präsidenten bestimmt. So wurde der Frauentag abgeschafft, dafür gibt’s jetzt einen Tag des Hundes.

Über den Präsidenten wissen wir viel. Zumindest das, was wir im Nationalmuseum entdecken. Er hat eine eigene Halle, und er wird in allen Lebenslagen porträtiert – als Bauer, als Baumwollpflücker, als Jetpilot, als Reiter, als Wissenschaftler (der Präsident ist gelernter Zahnarzt), als Geschäftsmann, und als Staatsmann natürlich auch. Es ist spannend zu sehen, wie das Volk mit Peitsche (Staatspolizei, null Pressefreiheit, Verbot der Opposition, etc.) und Brot (120 l Benzingutschein pro Monat, kostenlose Heizung, billige Wohnungen, günstige Transportmittel etc.) an der kurzen Leine gehalten wird. Ein Sprichwort sagt, Ashgabat sei wie ein Sumpf, warm und ruhig.

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Eingang zur beliebten Moschee außerhalb von Ashgabat

Ashgabat ohne Auto ist schwierig, es ist zu weitläufig, kein Vergleich zu Bishkek, Dushanbe, Almaty oder gar Samarkand. Da aber jedes Auto de facto ein Taxi ist, kommt man sehr schnell überall hin, z.B. in den Biergarten (hier gibt’s Bier und Schaschlik) oder ins türkische Einkaufszentrum. Die Türken sind hier recht präsent, haben wie bei uns ihre Geschäfte und Lokale, sind eine Community innerhalb Turkmenistans. Nicht jedem gefällt das hier, aber das hat nunmal der Präsident so entschieden. Fast schon klassisch, dass wir unseren einzigen leichten Durchfall in der vermeintlich sauberen Kantine von Yimpas holen. Sonst haben wir oft “von der Straße” gegessen.

Am letzten Tag geht’s mit unserer zweiten Reisebegleiterin (hieß ebenfalls Elena) zu den unterirdischen Seen. Es roch nach Schwefel, das Wasser war aber mit 39° C angenehm warm. Auch der Vieh-Bazar ist auf unserer Liste, Kamele, Ziegen und Schafe sind hier die Hauptattraktionen. Sehr skurril wird es dann beim Mausoleum des ersten Präsidenten, eine nationale Monumentalstätte ersten Ranges, mit allem Pomp, den man sich nur vorstellen kann. Auf uns wirkt das dimensional überproportioniert und gleitet ins Lächerliche ab. Daneben steht eine riesige Moschee, die allerdings von den Turkmenen nicht besonders geschätzt wird – sie wurde von einer französischen Firma erbaut. Und das ist für Muslime ein Frevel: Ungläubige errichten ein Allah gewidmetes Gotteshaus.

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Im Russenmarkt

Die letzten Runden, die wir in Ashgabat ziehen, gehörem dem Russenmarkt. Ein Sammelsurium an kleinen Ständen in einer großen, offenen Halle. Alles zum Verzehr findet sich hier, für Beate Obst, für mich gigantische Sahnetorten. Letztlich kaufen wir etwas Brot und Käse, freuen uns auf’s Hotelbett, die Führungen kosten Kraft. Stunden später verabschieden wir uns von Elena am Flughafen, nach einem Dutzend Passkontrollen besteigen wir unseren Flieger. Beate schläft, und ich blicke zurück. Ashgabat mit seinen Lichteralleen liegt unter uns.

Bukhara: Mehr als nur Souvenirs

In Bukhara denken wir nicht, wir schlurfen einfach nur durch die Straßen. Es ist so fantastisch normal in diesen Gassen, und nach Marokko auch so seltsam vertraut, in verwinkelten Ecken nach dem Ausgang zu suchen. Mal ist es ein Fruchtstand, der uns neugierig macht, mal ein Ständchen mit alten Sowjet-Pins, dann ein paar Jungs, die mit ihren Rädern ihre Zeit genießen.

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Schulkinder in der Altstadt von Bukhara

Je weiter wir in die Altstadt mit seinen Sehenswürdigkeiten aus Moscheen, Mausoleen, Bazars und Badeanstalten kommen, desto mehr Busreisetouristen erscheinen in unserem Sehfeld. Wir drehen rasch ab, oder verdrücken uns in ein offenes Straßencafé. Wir haben kein Interesse an Souvenirs oder Teppichen, wir haben nur einen Rucksack und kein Busfach.

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Moschee und Badeanstalt

Die Luft ist angenehm warm, der Tee schmeckt wie immer süß und schwarz, und der Nachbartisch geht unter in einem Rausch aus Vodka und Zigaretten. Keine Eile in Bukhara, trotz einsetzender Dämmerung. Gänse lärmen im nahen Tümpel, Geruch von Schaschlik liegt über uns. Die Zeit bleibt stehen an diesem frühen Herbsttag.

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kein historisches Bauwerk, sondern unsere Unterkunft

Unser Fahrer aus Samarkand versteht nicht, warum wir nicht im billigen Hotel seines Freundes absteigen wollen. Wir haben diese Buden, die was kosten und nichts bieten, satt. Gerne gönnen wir uns ein teuereres Zimmer, von dem wir auch was haben – ein Bad, welches drei weitere Pärchen gleichzeitig vertragen hätte. Und spätestens wenn Pfannkuchen am Frühstückstisch liegen, weiss man das zu schätzen. Bukhara ist irgendwo zwischen Moderne und Geschichte, zwischen Lockerheit und Tourismus. Wir drehen ab, verlassen die Stadt im Morgenlicht, kreuzen nochmals die Wüste gegen Süden, nach Turkmenistan.

Den Orient im Namen: Samarkand

Samarkand klingt für unsere Ohren wie Zuckerwatte, feinste Seide und sattgelber Honig in einem. Ich wage nicht es als einen mystischen Ort zu bezeichnen, aber in jenen Zeiten, als der Mensch mit Kamelen sein Haus teilen musste, waren Moscheen und Paläste in Samarkand gewiss ein Weltwunder.

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So kennt man Samarkand seit Jahrhunderten

Kommt man aus der Wüste, oder wie wir von der tajikischen-uzbekischen Grenze, dann ist die Stadt eine äußerst willkommene Abwechslung. Schattig und großzügig, luftig und entspannt. Dass die alten Gebäude aus Lehm und Kacheln den Turm von Pisa mimen, beruhigt uns nicht, erstaunt aber ebensowenig. Wieviele Erdstöße mussten sie schon überstanden haben?

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das touristische Prunkstück – der Palast mit Moschee

Ja, die tajikisch-uzbekische Grenze! Dieser Übergang verdient das Wort “Grenze” zur Gänze. Wassergräben für Fahrzeuge, Sperren für Fussgänger, unentwegte Passkontrollen von Milizionären, die nur eines tun: sich die Langeweile zu vertreiben. Ansonsten herrscht hier Stillstand, mit sporadischen Anfällen von Betriebsamkeit einzelner Beamter, die dann dermaßen in Hektik verfallen, dass es nur noch kreuz und quer geht. Gerade, dass nicht das kleine Grüppchen, dem wir auch angehören, und in einer Art Blockabfertigung seit zwei Stunden am Grenzschuppen steht, sich gegenseitig niedertrampelt.

Schließlich mutiert die Zolldeklaration zur uzbekischen Parodie. Mehr schlecht als recht kämpfen wir uns durch das russisch gehaltene Formular, um später ein in Englisch gehaltenes Examplar einer Britney Spers [sic!] an der Wand zu entdecken. Es wurde wohl der jungen Frau abgenommen und – da vorbildlich leserlich ausgefüllt – exemplarisch an die Mauer geheftet. Wenige Momente später kläfft die Domina in Polizeiuniform, dass jeder “dva deklaratia, nje adin!” (zwei  Formulare)  auszufüllen hat, fix! Sie schickt mich weg, ich bleibe stehen und mache auf dumm. Sie ist genervt, und ich nerve sie weiter. Später bekomme ich keinen Blick mehr von ihr, nur noch das abgestempelte zweite Formular über den Tisch geschoben. Wir sagen nichts, greifen uns das Papier und gehen hinaus zu den wartenden Mini-Bussen, die uns nach Samarkand weiterreichen. Landgrenzen in Zentralasien sind was Tolles, da lernt man die europäische Reisefreiheit so richtig zu schätzen.

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in Samarkand gibt es viele schöne und große Plätze

In Samarkand lassen wir uns in einem privaten Innenhof über die Nacht nieder. Quittenbäume, wilde Blumen, Weinreben schenken dem Platz Schatten, und wir erfreuen uns eines grünen Tees mitten in diesem Kleinod im Herzen von Samarkand. Die Schwestern, die dieses Haus führen, sprechen mit uns Englisch, Russisch, gar Deutsch. Auch die Küchenfrauen kommunizieren auf ihre Weise mit uns, mit einem Lächeln. Am nächsten Morgen geht es weiter ins Landesinnere nach Bukhara, entlang von Baumwollplantagen und kleinen Siedlungen, entlang der Seidenstraße.

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Keramik am Palast

Fan Mountains: Mandelkerne, Tee und etwas Schnee

Die Geburtstagsparty war vorbei, der Morgen noch kalt und grau. Im Nebenzimmer lag noch das ganze Essen am Boden, die leeren Vodkaschalen, die Melonenschnitten, die zahlreichen Teller mit wenigen übrig gebliebenen Nüssen. Wir hatten aber wenig Anlass liegen zu bleiben, das Frühstück (warm und kalt) wurde serviert, und wir wollten endlich wieder in die Höhe.

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Von Arthush geht’s mäßig steil zur  “Seenplatte”

Nurmahmads Hof lag bald hinter uns, im Schatten der Felswände des enger gewordenen Tals nördlich von Artush (1.900 m) liefen wir weiter gegen den Talschluss, vorbei am Alpinlager, über Wasserfälle hinweg, und hinter uns im weiten Abstand unsere drei Tragesel, der Schäferhund, der Eselführer und unser Koch. Untertags sahen wir diesen Tross nie, am späten Nachmittag aber gesellten sie sich zu uns, bauten das Nachtlager auf, kochten.

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Rambo schützte die Esel nachts vor Wölfen

Mit Nubin hatten wir einen guten Guide gezogen. Er wußte, wann er reden sollte, und er wußte, wann wir ein zügiges Tempo gehen mochten. Die erste Tagesetappe war schon am frühen Nachmittag zu Ende, wir erreichten die Kalikulon Seen (2.800) und lagen einfach in der Sonne, lesend, schlafend. Der nächste Morgen überraschte uns mit einer leichten Ladung Schnee, die Berge waren in Wolken, und wir starteten zum Alaudin-Pass (3.850 m) in Regenmontur. Spätestens beim Übergang hatten wir schon alles ausgezogen, staunten nur mehr auf das Bergparonama von mehreren 5.000ern und auf den auf der anderen Seite des Passes schimmernden Alaudin-See.

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Am großen Kulikalon See

Bald erreichten wir diesen Bergsee, aßen an seinem Ufer, genossen das wieder schön gewordene Wetter. Im Sommer soll dieser Platz übersät sein mit Zelten, meinte Nubin, Wochenendtouristen aus Dushanbe, betrunkene Russen im See, und ein paar ambitionierte Bergsteiger seien schließlich auch hier zu finden. Nicht unweit dieser Stelle übernachteten wir, eine weitere Nacht in Zelt und Schlafsäcken, ein weiterer Abend mit Lektüre und heißem Caj, Rosinen und Mandelkernen.

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Aufstieg zu Alaudin-Pass

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Wenige Schneepassagen gab es auch – leicht für uns, schwer für die Esel

Auch der letzte Tag forderte uns körperlich nicht heraus, es ging über einen 3.700m-Pass retour zu den Kalikulon-Seen, und später weiter nach unten zum Artush Alpinlager (2.200 m), eine aus der Sowjetzeit stammende Hüttenanlage, allerdings in einem schon etwas rustikalen Stil. Ich meine nicht die Zimmer, aber die Duschen waren auch für unsere Verhältnisse schon recht außergewöhnlich. Das Abschiedsabendessen unseres Kochs, garniert mit Vodka, hatte es wieder in sich, und wir saßen noch lange genug, bevor der Strom aus dem Tal für die Nacht gekappt wurde.

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Im großen Gemeinschaftszelt: Koch Omar (li) und Guide Nubin (Mitte)

Wir träumten lange von diesen Bergen (weitere Fotos von der Gegend hier…), und es gibt definitiv Routen in diesen Höhen, die auch für uns geeignet wären (von WS bis S). Der Peak Karakol hat definitiv unsere Ambitionen angeheizt. In Penjikent versuchten wir entsprechendes Material zu bekommen, und die Leiterin des Tourismusamtes versprach uns, eine Kopie eines lokalen in Russisch erschienen Routenführers zukommen zu lassen. An der Grenze ließen wir Nubin zurück, aber wir alle drei hoffen, dass wir uns eines Tages im Pamir wiedersehen. Nun, jetzt ging es nach Samarkand.

Dushanbe und andere Überraschungen

An einem Geburtstag zu reisen ist eines. An einem Geburtstag in zwei zentralasiatischen Hauptstädten zu sein etwas anderes. Zunächst heißt das, mit Beate anonym zu trinken. Ein sehr lässiges Eels-Shirt auszufassen. Und einen Bergführer-Tag in 2011 in der Tasche zu haben. Wie schon gesagt, Vodka ist billig, und der Körper schwach. Bishkek verließen wir im Dunkeln, stiegen in eine betagte Antonow An-24, und wunderten uns über die Gepäckablage, die keine Klappen hatte. Die Stewardessen trugen lange Stiefel, und teilten zu Beginn des Fluges Plastiksäckchen als Kotztüten aus. Später gab es aber auch Getränke.

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Unsere Antonow An-24

Zwei Stunden später, und tajikische Grenzbeamte stempeln unsere Pässe. Draußen wartet schon Nubin mit Fahrer. Nubin spricht perfekt Deutsch und ist unser Guide für die nächsten Tage in den Fan Mountains. Wir verlassen den Flughafen, fahren ein paar Runden durch die Stadt. Wir sind überrascht.

Dushanbe hat im Gegensatz zu Bishkek oder Almaty etwas Südliches. Die Straßen sind erfreulich gut, die Leute geschäftig, Studenten in Anzügen, die Stadt zeigt sich in gepflegt. Nubin sagt es uns von der ersten Minute an: Dushanbe und Tajikistan, das sind zwei normale Lebensräume, fein und sauber, kein Terror, kein Krieg, alles normal. Wir wollen es glauben, sehen die Stadt, und glauben es.

Road to Arthush

Die lange Straße von Dushanbe in den Norden Tajikistans

Road to Artush

Mädels verkaufen Äpfel am Straßenrand

Auch als wir aus der Stadt hinaus fahren, verlieren wir dieses Gefühl für das Sichere nicht. Das Leben geht hier sein Gang, die LKWs rollen, das Obst wird am Straßenrand verkauft, Kinder fahren Rad, die Mütter schauen beim Essen in die Glotze. Nubin schneidet uns im Wagen die Äpfel mundgerecht, erzählt vom Land, und wir sind einfach mal happy, dass unser Guide mit uns spricht. Das ländliche Tajikistan ist sehr wohl arm. Die Häuser sind (bis auf Ausnahmen) recht dürftig, die Autos zusammengeflickt, die Straßen nun katastrophal. Aber das Leben geht auch hier weiter, Leute heiraten, Kinder gehen in die Schule, die Bauern ernten oder treiben die Kühe nach Hause.

Road to Artush

die Straße nach Artush ist nun ruppiger

Nach einem halben Tag in der tajikischen Provinz erreichen wir Artush, unser Quartier im Norden der Fan Berge. Wir treten in den Hof eines wohlhabenderen Mannes ein, dessen Familie schon auf uns wartet – Community based tourism heißt das Konzept, und uns gefällt’s. Wir sind bei einer tajikischen Familie, und wie sich herausstellt, hat auch Hausherr Nurmahmad am heutigen Tag wie ich Geburtstag. Er wird 49, ich 39. Das wird natürlich ein Festmahl, und wir sitzen im Viereck am Boden des Esszimmers, vor uns ausgebreitet das Esstuch, darauf alles, was das Tal zu bieten hat – Trockenfrüchte, Obst, Tee, Suppen, Plov, Süssigkeiten, Brot in allen Variationen, Vodka. Von allem reichlich, und da sich mittlerweile rund zehn Personen im Raum befinden und jeder mal einen Trinkspruch anbringen muss, kippen wir einige Schalen Vodka.

Artush

ein Festgelage für zwei Geburtstagskinder

Die beliebtesten Trinksprüche sind natürlich um das Thema “Wohlbefinden, langes Leben, Kinder, Glück” zentriert. Ich wünsche meinem Gast noch viele weitere Touristen, und Beate bedankt sich für die Gastfreundschaft. Beate ist tapfer – sie teilt den Raum mit 8 tajikischen Männern und einem Österreicher. Mit einem Tajiken plaudere ich Französisch, mit einem anderen auf Russisch. Wir haben Spaß, und bald dicke Bäuche. Gut, dass wir es nicht weit ins Bett haben, eine Tür weiter befand sich das Brautzimmer. Wir brauchen den Schlaf, morgen geht es in die Berge.

Sonne und Finsternis am Peak Karakol

Nach unserer Aklimatisationstour auf den Peak Prjevalsky hatten wir unseren Realitätssinn noch auf scharf gestellt. Es würde kalt werden am Peak Karakol, windig, schwierig, mühsam. Mit Sonne am Vormittag, Wolken am Nachmittag. Zurück in Karakol gab es nochmals eine heiße Dusche, aber unsere Klamotten begannen schön langsam an zu duften.

Trek Peak Karakol

Auf dem Weg ins Djeti-Oguz Tal, rechts der Heartbreak Rock

Die Anfahrt mit unserem Truck dauerte diesmal über zwei Stunden, die Straße war schwierig, da half auch der Kurort mit heißen Quellen und die schönste Landschaft nicht. Das erste Lager erreichten wir nach wenigen Kilometer Geländemarsch, das zweite (“Czech Camp”) ebenso. Ein herrlicher Ort, wir saßen barfuß auf unseren Iso-Matten, relaxen und Füße erholen (Beate hatte innerhalb einer Stunde eine riesige Fersenblase ausgefasst). Unsere Träume und Gedanken schweiften nur um ein Thema, unseren Berg der nächsten Tage, Peak Karakol und seine 5.282 Meter, wir sahen ständig hinauf, ob der Wolken und der Sonne.

Trek Peak Karakol

Das Tal hoch, in der Bildmitte der Oguz-Bashi Peak

Auch die nächsten Tage sollte das Wetter stabil schön bleiben, und wir brachen auf in die Höhe, zunächst über lange Moränen, später über Felsrücken, dann über erste Schneefelder. Den Gletscher erreichten wir ca. auf 3.500 m Seehöhe, und am frühen Nachmittag unser Lager 3 am Djeti-Oguz Pass auf 4.150 m. Ein Schneeleopard hatte in der Früh hier noch seine Spuren hinterlassen, aber keine Bergsteiger.

Trek Peak Karakol

Unser Lager 3

Von hier an wurde es ernst, wir mussten einen langen Grat begehen, im Schnee, Eis und Fels, mit vielen sehr steilen Passagen, die Steigeisen, Pickel und Seil erforderlich machten. Dazu noch ordentlich viel Gepäck am Rücken. Unser Schnaufen wurde hörbarer, anstregender. Manchmal hatte ich keine Vorstellung, wie man einen 50° steilen Schnee- und Eiscouloir hochkommen soll. Aber es geht. Frontzackentechnick. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Schritt für Schritt. Und dann erklimmt man den ersten Felsturm, auf der anderen Seite wieder hinunter, dann den zweiten, und dies geht den halben Tag so weiter. Im Camp auf 4.600 m Seehöhe lagen wir dann recht erschöpft im Schlafsack. Es war ein schöner Tag gewesen, trotz hüfttiefen Schnee, überhängenen Wechten, sich aufreißenden Spalten.

Trek Peak Karakol

Eis und Schnee entlang eines langen und mühsamen Grates

Alexander bleibt weiter wortkarg, das Wetter sonnig. Am nächsten Morgen sind meine Schuhe gefroren, ich muss sie in den Schlafsack nehmen, um sie aufzutauen. Noch im Dunkeln brechen wir zum Gipfel auf, marschieren langsam einen steilen Gletscherhang hoch, überwinden eisige Steilstufen und kaum sichtbare Spalten im Schnee. Oben am Pass auf 5.050 m sehen wir direkt zum Gipfel hoch, und zum eisigen, 100 m langen Couloir, der unser Weg hätte sein sollen. Beate schaut besorgt drein, Alexander tüffelt, wie man mit drei Eisschrauben da hinaufkommen kann. Wir müssen uns entscheiden. Für ein Fixseil ist das Material knapp, aber der Gipfel ist zum Greifen nah. In zwei Stunden wären wir durch, dann noch quer zur Spitze. Aber es macht keinen Sinn, das Risiko wäre unakzeptabel hoch, die Gipfelbesteigung muss vertagt werden. Auf nächstes Mal, auf ein anderes Jahr.

Trek Peak Karakol

In einer Gletscherwand knapp unterhalb 5.000 m

Enttäuscht kehren wir ins Hochlager zurück, wärmen unsere Füße im Schlafsack auf, sprechen kaum, packen wortlos unsere Sachen zusammen. Es geht wieder zurück, über den langen Grat mit seinen vielen Türmen und Wächten, und trotz des Abseilens geht es unendlich langsam. Erst kurz vor Abend erreichen wir Lager 3, bauen die Zelte auf, verkriechen uns, schmollen, essen. War’s das? Das Wetter dreht, am nächsten Morgen schauen wir schon in einen Wolkenhimmel. Unser Sonnenfenster hätte uns exakt genug Zeit gegeben, aber wir haben den Gipfel nicht mitgenommen. Die Stimmung bessert sich nur langsam, wir erholen uns zu Mittag auf Camp 2, bevor wir für die Nacht auf Camp 1 weiter abstiegen.

Trek Peak Karakol

Peak Karakol

Wir hatten unendlich viel gelernt, auch wenn wir den Peak Karakol so nah doch nicht erreichen konnten. Es hat uns nur bestärkt, diese Art der Touren weiterzutreiben, mehr zu lernen, technisch und psychisch stärker zu werden. Es ist soviel möglich! Am nächsten Morgen wandern wir zum Treffpunkt mit unserem LKW, vertreiben uns die lange Wartezeit mit Tee kochen und Beeren sammeln, essen alles auf, was noch in Oleg’s Rucksack zu finden ist. Es geht zurück nach Karakol, am Tag darauf mit einem shared Taxi nach Bishkek, und schließlich am darauffolgenden Tag mit einer Antonow An-24 nach Dushanbe. Das nächste Land wartet.

Weitere Impressionen vom Peak Karakol hier…

Hochtour auf den Peak Prjevalsky

Von Karakol aus ging es zu einem ersten bergsteigerischen Höhepunkt unser Zentralasien-Reise – zum Peak Prjevalsky (4.273 m). Die als Vorbereitungstour (Akklimatisation) gedachte dreitägige Tour war ein erstes Kennenlernen der Tien Shan Region, jenes mächtigen Gebirgszuges, der weite Teile Kirgistans durchzieht. Der Weg von Karakol ist recht kurz, in Kilometern, aber wir brauchten mit unserem russischen Militär-LKW mehr als eineinhalb Stunden, um die schwierige Trasse zum Ausgangspunkt auf 2.200 m zu bewältigen.

trek peak prjevalsky

Unser Transportfahrzeug

Viel Zeit hatten wir in Karakol mit Vorbereitungen nicht verbracht. Das Team um Alexander (Berführer), Oleg (Koch) und Andrej (Träger) wollte mit uns einfach hinauf, zunächst zum ersten Camp (2.900 m), dann weiter zum Hochlager (4.000 m), und schließlich wieder zum Camp retour. Alexander war ein Bergführer vom alten Schlag (nicht viel reden, dafür schnell marschieren), und Oleg gleichzeitig Koch und Übersetzer. Überhaupt hatte Oleg ein Händchen dafür, auf was wir gerade Lust hatten – an seiner Küche konnten wir uns nicht beklagen.

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Feines von Oleg

Die Welt in den Bergen Kirgistans ist für Bergfreunde in Ordnung. Kaum Wanderer, Gipfel weit und breit, und einfach Natur zum Austoben. Freudig marschierten wir mit recht schwerem Rucksack von Lager zu Lager, überwanden auch lästige Geröllhänge, krochen in die warmen Schlafsäcke, staunten über den Sternen-bedeckten Nachthimmel. Die Tagesrationen an Höhenmetern und Kilometerwegen waren spärlich, für uns ungewohnt wenig, aber die Aklimatisation wollte es so.

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Im Hochlager

Im Hochlager erblickten wir unseren Peak Prjevalsky zum ersten Mal, dachten, das ist machbar, was die Felskletterei im I. und II. Grad auch bewies. Im Schnee auf 4.000 m Höhe legten wir das Hochlager an, schaufelten den Pass eben, und krochen schon am Nachmittag wegen eines stürmischen Schneeschauers in die Schlafsäcke. Wer hier kein Buch dabei hat, der kann nur noch meditieren oder sich mit einer Schlaftablette wegbeamen. Ich träumte vom Gipfel, von einer trockenen Nase und einer schnellen Nacht.

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Blick auf den Peak Prjevalsky mit Nordgrat (Aufstiegsroute)

Am Morgen des Gipfelaufstiegs nahm uns Alexander erstmals ans Seil. Er ging sehr schnell, wir keuchten hinterher, zunächst über Schneefelder und sanfte Firnhänge, später über einen langen Felsgrat bis zum Gipfel. Mit wenig Russisch, Handzeichen und Blicken kommunizierten und koordinierten wir in der Seilschaft, um am Gipfel musste auch unser Guide ein wenig lächeln. Seine russische Bergsteigerausbildung ging streng nach der Uhr, nach jeder Stunde ca. 10 min Pause, wir lernten das sehr schnell. Der Abstieg folgte dem Südgrat (Aufstieg über Nordgrat), dann über ein steiles Firnfeld hinab auf einen Sattel und dann einen breiten, aber steilen Hang bis zum Gletscher hinunter. Über diesen kehrten wir, mit lästigem Gegenanstieg, zum Hochcamp, und später zum Ausgangslager im Tal zurück. Das Glück über diese erste gelungene Tour hinterließ noch mehr Vorfreude auf den nächsten Berg, den Peak Karakol, ließ uns die Mühen des Aufstiegs rasch vergessen.

Weitere Bilder zu diesem Trek finden sich hier…

Karakol: die besseren Jahre liegen in der Vergangenheit

Von Bishkek kommend zeigt uns Sergei die kirgisische Provinz. Der große Issy-Kül ist mehr als 100 km lang und an seiner breitesten Stelle über 60km weit. Das imponiert, genauso wie die an Geldmangel leidende Provinz – weniger Schulen, schlechte Infrastruktur, korrupte Verkehrspolizei. Ein paar Dörfer versuchen sich als Badeort, aber die letzten Unruhen im Land haben das Sommergeschäft vermasselt.

Kirgistan

In Kirgistan gibt’s auch Steppe

Kirgistan

Herbst am Land

Karakol, am östlichen Ende des Sees, ist das touristische Zentrum der Region. Aber vom Tourismus sieht man nicht allzu viel, zumindest Ende September nicht. Im Sommer, so versichert man uns, sei das anders. Wir sahen keinen anderen Touristen während unserer gesamten Zeit in Kirgistan (ca. 12 Tage). Karakol ist ein großzügig angelegte Stadt, ohne wirkliches Zentrum, mit ein-zwei größeren Verkehrsachsen, über die LKWs und Taxis rüttelnd fahren. Schlaglöcher sind in ganz Kirgistan ein Dauerthema. Hier in Karakol mag man sie ganz besonders, denn ihre Vermehrung wird nicht weiter eingeschränkt.

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Die Häuser sind keine Schönheiten

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Die russischen Kirchen trotzen den Zeiten

In Karakol ist der Herbst eingetroffen, in den Parks gelbe Blätter von Birken und Linden, und auf den Feldern ist Kartoffel- und Zwiebelernte. Am Abend wird’s schon kühl, aber wir haben mit dem Wetter stets Glück: Sonne, etwas Wolken, selten Wind, nie Regen. Die Leute haben sich schon in Mäntel gehüllt, die Alten tun das in Trachten, die Jungen in modischen Polyester-Jacken, made in China. Vieles kommt hier aus dem östlichen Nachbarstaat, Thermoskannen und Spielzeug, Haushaltswaren und Kleidung. Viel Ramsch, aber wenn das Geld knapp ist, dann siegt der, der am billigsten ist.

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Kartoffelernte

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Brotverkauf im Bazar

Geld ist auch in Karakol Mangelware. Viele Gebäude, Fabriken und Plätze verfallen, ohne das jemand einen Finger krümmt. Essentielles wird notdürftig repariert, Secondhand ist hier populär. Wir kommen uns mit unserer Ausrüstung etwas deplaziert vor, aber nicht unwohl. Karakol ist eine Stadt, in der wir frei spazieren können. Wir sind eine temporäre Erscheinung, mehr nicht. Denn uns zieht es auf den ersten Berg, zum Peak Prjevalsky, südlich der Stadt. Karakol ist sehenswert, weil es ein schönes Beispiel ist, in welcher Lage die gesamte Region sich befindet. Es gibt keine Sehenswürdigkeiten, und das ist das Sehenswürdige.

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Moschee mit dem Tien Shan Gebirge im Hintergrund

Almaty: kein Service, aber Pomp bei Hochzeiten

Nachts kamen wir an, und die Zeitverschiebung gab uns den Rest. Almaty war schon längst im Tag, als wir aus den Betten krochen, um die Reste des Frühstücksbuffets unseres ‘dem Preis nach’-Luxus-Hotels aufzuklauben. Es gab Eier, und ein bißchen Toast. Eier, das würde es noch öfters geben. Offenbar nahm man an, alle Westler essen Eier zum Frühstück. Wir lachten jedenfalls über unser Nachterlebnis – wir checkten ein, bekamen unseren Zimmerschlüssel und traten in ein Zimmer ein, das schon bewohnt war. Eine Frauenstimme aus dem Dunkeln rief “Moi Muzsch” (“Mein Mann”), und schon waren wir weg. Ich glaube, sie schlief dann später wieder ein, und wir in einem anderen Zimmer.

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X-Games à la Almaty

Almaty verändert sein Gesicht, und dennoch sind die Sowjet-Zeiten in Form der Stadtplanung und Gebäudearchitektur offen zu sehen (hier ein paar Impressionen). Am liebsten mochte ich die Bushaltestellen. Alle hatten einen Kiosk, und meist einen Blumenstand. Der Kiosk war die Versorgungsstelle mit Vodka, denn im Supermarkt gab’s das selten wenn überhaupt. Vodka ist grundsätzlich sehr billig, billiger als Bier. Und die Zigaretten erst, ein Raucherparadies.

An jeder Ecke fanden wir kleine Lebensmitteläden mit wenig Obst-, aber viel Gemüseauswahl. Dazwischen Friseure, Apotheken (eher Drogerien), und Essensstände. Gebackenes in viel Fett, meist mit Kraut- und Fleischfüllung. Das muss man mögen, verhungern kann man hier jedenfalls nicht.

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Mutig waren wir schon immer – hier beim Snack am Busbahnhof

Das Neue an Almaty wird gleich bemerkt – große Glasfassaden, und neue Sportstätten für die Asiatischen Winterspiele 2011. Auch ist es nicht mehr die Hauptstadt von Kasachstan, dafür sind die Vorberge (mit über 3.000er Gipfeln) geblieben. Die alte Seilbahn probierten wir nicht aus, wir liebten aber die schönen Alleen und den alten russischen Flair. Und die vielen Hochzeitsgesellschaften mochten besonders ausgefallene und angeberische US-Schlitten, wer sich’s für einen Halbtag leisten konnte…

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Viel Trubel, viele deutsche Secondhand-Busse am Auto-Wakzal

Aus Almaty herauszukommen war gar nicht so leicht. Die Damen am Busbahnhofschalter hatten kein Interesse an Dienstleistungen wie Auskunft oder Verkauf. Sie lösten derweil Kreuzworträtsel, pflegten ihre Fingernägel, oder schickten mich nach der Frage, wo denn die Busse nach Bishkek wegfahren, einfach mit einer schnellen Armbewegung (wohl die Einzige an diesem Nachmittag) weg von ihnen und irgendwo nach draußen. Wir fanden die Busse jedenfalls nie, dafür aber die Toiletten und einen privaten Minibus (Abfahrt wenn voll) – wie selbstverständlich für Almaty war es ein alter Mercedes.

Life in your years

Nur noch wenige Tage, und dann sind wir wieder unterwegs. Kann es gar nicht fassen, dass die monate-lange Vorbereitung nun Wirklichkeit wird und wir wieder einen Punkt auf unserer Ideen-Liste für 2010-11 realisieren können. Es fehlen nur noch ein paar US$, Schoki für Sergey und diverse Reserve-Batterien. Rucksack ist probegepackt, und für den Berg bereit gemacht. In den nächsten Tagen pushen wir den Körper noch ein wenig, damit er sich auf die kommende Woche einstellen kann, und verbringen sonst noch die eine oder andere Stunde in der Kletterwand.

Wir sind fest überzeugt, dass sich die Anstrengungen vor und während dieser Reise lohnen werden, dass wir aufregende Tage erleben und interessante Menschen treffen werden. Oder wie es schon Abraham Lincoln einmal treffend sagte: “And in the end, it’s not the years in your life that count. It’s the life in your years.” (frei übersetzt: Letztlich kommt es nicht darauf an, wielange man lebt. Es kommt auf das Leben in diesen Lebensjahren an.)

Im Web habe ich ein schönes Beispiel für diese Lebenseinstellung gefunden – Jacinda Hunter, Krankenpflegerin und vierfache Mutter, die sich in den schwierigsten Wänden kletternd bewegt. Hier das Interview:

Jacinda Hunter: Style, Grace, Power from Prana Living on Vimeo.

Intensive Erfahrung durch einfache Ausführung

Noch eine Woche bevor es nach Zentralasien geht, und  nun haben wir alle notwendigen Visa sowie das Flugticket, das uns in einer Antonow An-24 von Bishkek nach Dushanbe bringen soll. Übrigens ein Geburtstagspräsent, so zu sagen, und das mit einer Fluglinie, die in Europa nicht landen darf. Unser Kontaktmann in Bishkek, Sergey, wird uns die Tickets aushändigen.

Antonov An-24

Eine Antonov AN-24 (Foto: Dmottl)

Der Stapel an Ausrüstung wird immer größer, und ein Probepacken ist nun angesagt. Fast alles ist auf das Bergsteigen hingetrimmt, von dicken Handschuhen über Steigeisen bis zu Hardshell-Überhosen. Die Freude ist jedenfalls groß, und die letzten Tage verbringen wir wie die letzten Wochen: mit Ausdauertraining beim Laufen, Klettern und Radfahren.

Diese Reise ist in Summe die Zusammenfassung unserer sportlichen Ambitionen in diesem Jahr. Es drehte sich fast alles um den Berg – die Skitouren in Marokko, der Alpen-Cross mit den Mountainbikes, die Gipfelbesteigungen in den Berner Alpen. Die vielen Stunden, die wir in unsere Ausdauer investiert haben, hunderte Laufkilometer, und mittlerweile mehr als 130.000 Höhenmeter (2010), das sind Aktivitäten, die vor allem eines haben: sie sind einfach und unkompliziert, man tut sie. Das ist das Schöne am Berg, die Dinge einfach halten. Da las ich letztens einen treffenden Spruch von Steve House, einer der wohl besten Bergsteiger derzeit, auf seiner Webseite:

Steve House

In diesem Sinne wollen wir auch auf unserer Reise alles so einfach wie möglich halten und uns an den Landschaften und den Menschen vor Ort erfreuen. Und auf unseren Hochtouren intensive Stunden leben.

Leben im Post-Kommunismus: Tajikistan

Wie ich finde, eine sehr schöne Momentaufnahme der Probleme, die viele Ex-Sowjetrepubliken auch 20 Jahre nach dem Zerfall der SU haben: Energie, Jobs, Bedrohung der Natur. Und doch gibt dieser Beitrag auch ein bißchen Hoffnung, dass sich alles ins Gute verkehrt. In Tajikistan, noch genauer in der Gegend um Murgab (Ost-Tajikistan, Pamir-Gebirge), müssen viele die letzte verbliebene Flora vernichten, um sich ein Einkommen zu sichern.

Energy for the Pamir Mountains, Tajikistan from UNUChannel on Vimeo.

Diese Gegend werden wir leider nicht besuchen können, wir ziehen unsere Spur durch das westliche Tajikistan in den Fan Mountains. Schnee und Fels erwarten uns…

Lonely Planet: Central Asia

Diese Kolumne ist auf super-gsi.net ja fast schon eine Ankündigung – stets im Vorspann einer Reise stellen wir ein paar Facts unserer Gastländer vor, und damit auch die entsprechende Reiseliteratur, die wir verwenden. Seit Jahren nützen wir die Lonely Planet Reiseführer für unsere globalen Unternehmungen, und auch wenn manches nicht vollständig, oder noch seltener nicht aktuell ist, so sind wir stets mit den Büchern gut gefahren. Und das wollen wir auch diesmal beibehalten, wenn es nach Zentralasien geht. Mehr zur Reise in späteren Posts.

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Der Reiseguide von Lonely Planet ist wie immer übersichtlich und strukturiert, bietet recht viele Karten und Stadtpläne, Routenvorschläge, Tipps & Tricks im Umgang mit Behörden, im öffentlichen Verkehr oder bei der Kommunikation, und ist sonst auch ein feines Büchlein (einige Fotos, und rund 500 Seiten, die man während langer Wartezeiten zum x-ten Mal durchlesen kann).

Fünf Länder werden in diesem Band “bereist”: Kasachstan, Kirgistan, Usbekistan, Tajikistan und Turkmenistan. Diese Region ist eingebettet zwischen Russland (Norden), China (Osten), Kaspisches Meer (Westen) und Iran-Afghanistan (Süden). Dementsprechend bunt ist die Kultur, die ethnische Komposition, die Sprachen, die Währungen und die Rechtsauffassungen. Wie immer brauchbar sind die Hinweise, wie man mit den Öffis von A nach B kommt. Das dem Busfahrer aber auf Russisch zu erklären, da wird uns auch Lonely Planet nicht helfen. Trotzdem: eine Empfehlung für alle, die sich in diese Gegend als Reisende wagen.

Bibliographische Hinweise:
Central Asia: Kazakhstan, Tajikistan, Uzbekistan, Kyrgyzstan, Turkmenistan (Lonely Planet Central Asia)