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Mount Decoeli: Trapper John und Meister Petz

Yukon ist ein weites Land, und die Heimat von Trapper John. Das Gefühl für die Weite bekommt man nicht nur auf dem Alaska Highway, sondern auch bei einer zünftigen Skitour. Typischerweise ist der Zustieg lang und flach und führt durch dichten Wald und Gestrüpp. So auch von Kilometer 1600 (950 m), 25km nordwestlich von Haines Junction. Unser Parkplatz liegt idealerweise an einer Schneise, der wir gerne folgen. Bald müssen wir einem zugefrorenen Bachlauf folgend. Das ständige Überfließen von Gefrorenen bildet riesige Eisflächen, denen aber mit Fellen gut beizukommen ist.

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langer Zustieg durch die Tundra Yukons

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immer noch ein Stückchen zu gehen, Mt. Decoeli re im Bild

Den Bachlauf verlassen wir zu einer leichten Anhöhe und laufen teils über unbedeckte Tundra in einen Taleingang, der einem Amphitheater gleich abschließt. Nördlich davon steilt sich Mount Decoeli auf. Auf seiner Südseite bereits aper, aber von Westen, also Talinnerem, finden wir eine machbare, wenn auch steile und eisige Aufstiegsvariante. Interessanterweise entdecken wir hier recht frische Grizzly-Spuren im Schnee. Ich dachte, die schlafen noch. Update: es sind Wolverines, und keine Bärenspuren, wie uns Leser und letztlich Park Ranger bestätigt haben! Nach bald 3,5 Stunden stehen wir am Wintergipfel, ca. 100 Höhenmeter unterhalb des eigentlichen Gipfel des Mount Decoeli (2.300 m).

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Ende März, und die Wolverines Bären sind schon los

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südseitig ist schon einiges aper

Die Abfahrt wird abenteuerlich. Um der dünnen Schneedecke ein Schnippchen zu schlagen und möglichst wenig Steinkontakt zu haben, wechseln wir in ein recht schmales Couloir und fahren dieses bis zum Talausgang ab. Perfekt! Die Fahrt entlang des Flusslaufs ist etwas aufreibend, weil soviel Gebüsch niederzudrücken und das glatte Eis zu vermeiden ist. Das ist nicht immer möglich. Ziel anvisieren, wegdrücken, und dann was auch immer das eigene Glaubensbekenntnis empfiehl, vollziehen. Eine Richtungsänderung ist nicht möglich. Beate findet einen guten Weg durch das Gewirr, und bald jausnen wir im Büssle. Es geht nach Haines Junction, Diesel und Dusche finden. Es wird Zeit, für beides.

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Blick zum Auto, mittig rechts

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ab durch den Couloir

Bisons & Hot Springs: Erinnerungen an einen Road Trip

Es sind einige Wochen her, dass wir in München aus dem Flugzeug gestiegen sind. Zurück in den Alltag, zurück aus dem hohen Norden Alaska’s, den unendlichen Weiten Kanadas und der bezaubernden Mondlandschaft Islands. Es gibt da so Momente, da träumt von diesen Tagen, und wünscht sich nichts mehr als zu zweit wieder unterwegs zu sein. Eine lange Reise, ein Road Trip, ein Weg in das Abenteuer. Das sind unsere Erinnerungen, das ist, was wir sind.

Road Trip from Mark Buzinkay on Vimeo.

Auf Grizzly’s Spuren im Kluane Nationalpark

Whitehorse ist die erste größere Stadt seit Tagen. Eisenbahn, Geschichte, Kunst an den Häuserwänden. Wirkt geschäftig aber auch etwas leger. Hat was, sogar einen internationalen Flughafen. Haines Junction, 150 Kilometer westlich, ist ein kleines Nest, aber das Tor zum Kluane Nationalpark. Wirkt Mitte September allerdings, als wäre die Saison schon gelaufen – viele Geschäfte, Lodges und Campingplätze sind bereits geschlossen. Es sind auch nicht mehr viele Trailer unterwegs, die meisten auf dem Weg in den Süden. Nicht viele in die Gegenrichtung, so wie wir.

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im Kluane Nationalpark

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super gsi!

Die Nacht verbringen wir an einem ruhigen Platz unweit des Information Centers des Nationalparks. Der Wind nimmt etwas zu, es wird wieder deutlich kühler, und auch als am Morgen Regen einsetzt, finden wir uns damit ab, in Regenklamotten à la Island den Nationalpark etwas zu erkunden. Der Park selbst ist riesig und man bräuchte Wochen, um diesen zu durchkämmen. Wir begnügen uns mit einem kurzen Trail, der zum Sheep Creek Mountain hinaufführt. Wir drehen allerdings nach mehr als zwei Drittel der Distanz um, der Weg ist extrem buschig und die Bärenwarnung am Eingang macht Beate keine rechte Freude. Wir sind es nicht gewohnt, lärmend durch die Gegend zu laufen, aber das ist hier die beste Versicherung gegen unerwünschte Begegnungen. Einen Ghettoblaster hätten wir jetzt gern. Den Bärenspray testen wir schon mal auf seine Funktionsweise.

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viel Wind, viel Stimmung

Wieder im Flussdelta wenige Kilometer vom Visitor Center entfernt entdecken wir dann im Schlamm Grizzly-Spuren. Hier ist das Gelände allerdings sehr übersichtlich und so lässt es sich ohne große Bedenken herumwandern. Letztlich zerstreut der Stationswart die Bärenbedenken, er meint, um diese Jahreszeit sind sie meist gut genährt und nicht angriffslustig. Na dann!

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es bleibt trocken

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Grizzly links, ich rechts

Die Fahrt über den sehr holprigen Alaska Highway bis Beaver Creak zieht sich. Immer wieder Baustellen und immense Schlaglöcher. Die kanadische Grenze, die problemlose Einreise in die USA (bis auf die Äpfel, die wir abgeben mussten), und schon sind wir auf der Fernstraße in Alaska Richtung Glennhalen unterwegs. Unseren Stellplatz teilen wir mit zwei Burschen aus Schweden, die per Fahrrad in die Gegenrichtung unterwegs sind. Ihr Projekt heißt “Von Anchorage nach Miami” und wird grob fünf Monate in Anspruch nehmen. Wer sich für Kenneth und Magnus interessiert, sollte mal hier vorbeischauen: AdventureAid (www.adventureaid.se). Wir hatten auf jeden Fall einen unterhaltsamen Abend im Bus bei Kaffee, Keks und Reis-Bohnen. Endlosen Tipps-Austausch inklusive. Ein guter Start in Alaska, ein guter Start auf unserer letzten Etappe.

Auf dem Alaska Highway

Hätte ich gedacht, dass die große Ebene zwischen den Großen Seen und den Rocky Mountains “Weite” bedeutet, so fühle ich mich auf dem Weg von Jasper nach Anchorage erst recht in der Endlos-Landschaft aus Bäumen verloren. Wälder, soweit das Auge reicht. Hinein führen einige unbefestigte Stichstraßen, entweder für die Holzwirtschaft oder für das Fracking-Geschäft. Beides ist mir auf der Reise unangenehm, den der Highway ist voller Schmutz und Steinen, die auf uns niederprasseln und auf dem Wagen kleben. Die Distanzen sind so groß, dass wir Tankstopps und Mobilfunk-Erreichbarkeit planen müssen.

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super gsi!

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in den Stone Mountains

Der Herbst zieht hier langsam ein. Bäume verfärben sich, die Luft ist klar, die Mogen mit wenigen Grad Celsius bereits angenehm kühl. Der Winter hier ist schwer vorstellbar – extrem kalt und trocken? Aufgeregt schaue ich auf die Straße vor mir. Noch 300 Kilometer bis Stone Mountains, noch über 1.000 Kilometer bis Whitehorse. Dann taucht ein Schwarzbär aus dem Gebüsch, stellt sich auf die Hinterbeine, schaut, und läuft davon.

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Schilderwald in Watson Lake

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Whitehorse

Über die Stone Mountains und den Summit Pass kommen wir in einen bergigen Teile des Alaska Highway. Hier laufen die Bergziegen auf der Straße, die Bisons grasen daneben und die Karibu sammeln sich im Busch. Die Tage sind schön, herbstlich, die Straße wird ruhiger, und irgendwann erreichen wir auch Whitehorse, nach einem feinen Morgen in den heißen Quellen am Laird Lake.

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Alaska Highway, irgendwo Kilometer 1398