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Cathedral Mountain: Fußwaschung zuerst

Das wechselhafte Aprilwetter hält an. In der Nacht schneit es, am Morgen ist es recht warm, die Sicht aber sehr trüb. Wir entschließen uns dennoch für eine ordentliche Tour – zum Cathedral Mountain (3.189 m). Das sind 14 Kilometer Weg und 1.600 Höhenmeter. Wie am Vortag zum Mount Niblock, starten wir am selben Parkplatz an der alten Trasse der Trans-Canada Route. Die ersten drei Kilometer sind wieder flach entlang einer Loipe, dann beginnt das Wegesuchen im dichten Wald.

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Wegsuche im Yoho National Park

Die Herausforderung des Tages kommt mit einem Bach: er ist offen, zu breit und manchmal ordentlich tief. Wir suchen eine passable Stelle zum Forden (da kommen isländische Erinnerungen hoch), Ski auf den Rucksack, Schuhe um die Schulter und barfuss durch das erfrischende Gewässer. Dieses Kneippen ist gar nicht schlecht, nur das Durchbrechen durch den Schnee an den Ufern ist gar nicht fein.

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einmal ‘forden’, auf dem Rückweg nochmals

Die Orientierung ist in der Anfangsphase etwas schwierig: es ist im sehr dichten Wald nicht einfach, eine schöne Spur zu ziehen, und überhaupt die Richtung zu halten. Wie so oft kommen wir am richtigen Platz heraus, durchqueren Lichtungen und überschreiten kleine Steilstufen und stehen irgendwann vor einer felsigen Sackgasse. Der Blick nach rechts offenbart einen Ausgang: ein steiles Couloir, welches wir zunächst mit Spitzkehren angehen und irgendwann mit den Skiern am Rücken hinauflaufen. Weiter oben ist die Sicht recht schlecht, wir wühlen uns durch den Nebel und die dunklen Wolken zur Cathedral Crest, und später über den recht flachen Gletscher zum Gipfel des Cathedral Mountain.

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die Schlüsselstelle der Tour,  ein langer, steiler Couloir

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fast schon am Gletscher, ein White-out droht

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Spaziergang am Gipfel des Cathedral Mountain

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die Abfahrt durch das Couloir war etwas hart

Die Abfahrt birgt wieder alles: Pulver oben, Pulver mit Eisgeröll im Couloir, Firn im Wald, Wasser im Bach, und Sulz auf den letzten Kilometern zum Parkplatz. Nun beginnt wieder die Routine: Schuhe, Socken und Felle trocknen, essen machen, planen für den nächsten Tag…

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Cathedral Mountain (re hinten)

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weite Hänge über dem Kicking Horse Pass

Mt. Niblock: kanadische Herausforderungen

Es schneit, als wir etwas verschlafen aus unserem Büssle schauen. Die schlechte Sicht ist die erste Herausforderung, derer wir uns für die Tour zum Mt. Niblock bewusst werden. Zwei Hundert Meter, schon auf den Ski, kommt die zweite: ein Warnschild – Grizzly unterwegs. Diesmal können wir uns nicht irren – wie am Mt. Decoeli wo wir eine Wolverine-Spur für einen Bären gehalten haben.

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am Continental Divide

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bald sind wir durch den Wald…

Die Tour haben wir bewußt als Schlechtwettertour ausgewählt, weil die Orientierung recht einfach scheint. Aber im Nebel ist alles anders. Den Pfefferspray am Gürtel, die Bärenglocke am Skistock marschieren wir einige Kilometer bis zur Continental Divide, jener Wasserscheide, die Flüsse in den Pazifik, in das Polarmeer, in den Atlantik oder in den Golf von Mexiko schickt. Und es bildet auch die Grenze zwischen Alberta und British Columbia (z.B. gestern noch in BC am Mount Field). Ab hier geht’s im dichten Wald nach Süden, immer einem Bachverlauf folgend. Oberhalb der Bäume tauchen links und rechts hohe Felswände auf, der Eingang in ein enges, kurzes Tal, welches durch eine hohe Moräne wie abgeschlossen erscheint. Wir überwinden diese, marschieren flach, dann wieder steil gegen den Sattel zwischen Mt. Niblock und Mt. Whyte. Der Nebel ist nun sehr dicht, und ein Fortkommen schwierig. Etwas südlich des Sattels drehen wir um, ich sehe kaum noch unsere Spur hinter mir, der Schneefall wird recht stark.

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ein Lichtblick im baldigen White-out

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wenn’s mal hell wird, dann genügt es für die Navigation

Die Abfahrt ist entsprechend defensiv. Wir müssen unserer Spur auf den Meter genau folgen, um den Rückweg zu finden. Sturmfest eingepackt fahren wir die Moräne ab, und kurz vor dem Wald hole ich den Pfefferspray wieder heraus. Dann geht’s recht lässig durch das eingeschneite Bachbett im frischen Pulver durch den Wald. Für einen „Schlechtwettertag“ eine feine Tour von 1.200 Höhenmetern.

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ab nach unten im Bachverlauf

Mount Field: Dunkle Wolken über uns

Rogers Pass liegt nun hinter uns, und am späten Nachmittag machen wir in Golden Duschpause, Einkauf und Internet. Im Dunkeln geht die Fahrt noch eine gute Stunde gegen Osten, der Vollmond geht auf, und wir biegen auf den Parkplatz des Yoho Nationalpark ein (1.300 m).

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im Yoho National Park, Field Mountain in den Wolken

Der Himmel ist bewölkt, als wir uns aus den Schlafsäcken faulenzen. Es ist sogar warm, kein Frost an den Scheiben, gerade mal 4°C. Uns kommt es fast wie in einer Sauna vor, im T-Shirt packen wir alles zusammen und frühstücken im Bus. Alles geht flott. Außer der Zustieg, denn wir laufen fast 5 Kilometer flach ins Yoho Tal hinein. Wir wissen jetzt schon, dass auf dem Retourweg wieder die Felle notwendig sein werden.

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am Gipfel, rechts Wapta Mountain

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dunkle Wolken rollen über den Field Mountain

Der Aufstieg zum Mount Field ist recht geradlinig, hat man einmal erkannt, welchen Gipfel man ansteuert. In vielen sanften Kehren geht es einsam hoch. Licht und Dunkelheit, Sonne und Wolken wechseln sich andauernd ab, hin und wieder fällt etwas Schnee. Am Gipfel des Mount Field (2.635 m) stürmt es etwas, und dunkle Wolken brausen geradewegs über unsere Köpfe. Wir warten ein kurzes Lichtfenster ab, bevor wir uns in den steilen, aber pulvrigen NO-Gipfelhang stürzen.

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da machen wir uns über Pulverhänge davon