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Mount Adams: Föhnsturm-Biwak, dann zum späten Frühstück am Gipfel

Wir wollen drei in einer Woche: Mt. Rainier, Mt. St. Helens, und dann noch Mount Adams. Wir haben eine Schönwetterphase, die bald zu Ende geht. Wir fahren von Portland nach Trout River, schlafen am Parkplatz vor den National Forest Rangern. Permit holen, und am nächsten Tag die bucklige Straße zum Trailhead nehmen. Denkste. 9 Kilometer vor dem eigentlichen Beginn der Tour ist die Anfahrt zu Ende: Schnee (ca. auf 1.500 m). Wir haben damit gerechnet und die Tour auf zwei Tage geplant – Anmarsch und Aufstieg auf ca. 2.600 Meter, dann zum Gipfel des Mount Adams auf 3.743 m.

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ein gewohntes Bild: Vorbereiten für 9km wandern bis zum Ausgangspunkt der Skitour

Wir sind es mittlerweile gewohnt, mit schwerem Gepäck durch die Wälder zu marschieren – Mount Fuji oder Mount Baker sind solche Touren gewesen. Am Mount Adams können wir Seil und Klettergurt im Auto lassen, dafür wiegen die Trinkwasserflaschen mehr. Wir nehmen soviel wie möglich mit, es verspricht ein heisser Tag zu werden. Letztlich zieht Beate blank und läuft in Shorts zum Biwak hinauf. Der Weg zieht sich, und in der Sonne noch mehr. Dennoch: am frühen Nachmittag erreichen wir unseren vorgesehenen Lagerplatz, beginnen sofort mit dem Trocknen der Felle, dem Aufbau der Windmauer, errichten das Zelt und setzen den Kocher für’s Schneeschmelzen in Gang. Wir produzieren Wasser bis unser Gas alle ist. Wir müssen rationieren, aber es reicht. Dennoch wird die Nacht unruhig, als ein warmer Fallwind aufkommt. Ab elf Uhr nachts mache ich kein Auge zu, wir stützen das Zelt von innen, bedrohlich drückt der heftige Wind das Gestänge gegen den Boden. Die Nacht wird entsprechend lang, wir wechseln uns laufend ab – einer stützt, der andere versucht zu schlafen.

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der Zustieg zum Mt. Adams

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feines, aber stürmisches Biwak (im Hintergrund Mt. Hood)

Um 04.30 geht unser geplanter Wecker, doch wir versuchen noch ein wenig abzuwarten. Der eine isst, der andere stützt das Gestänge. Das Zelt und die Halterungen halten. Um 06.00 diskutieren wir dann (wieder einmal), ob Aufstieg oder Abstieg. Wir packen unsere Sachen, nehmen das Gestänge aus dem Zelt und hinterlassen unsere für den Aufstieg unnützen Dinge in der mit Steinen sicher beschwerte Zeltplane. Mit Sturmmaske und Skibrille geht’s in den fast wolkenlosen Morgen. Der Schnee ist hart gefroren, und wird auch bei unserer Abfahrt bis zum Biwakplatz steinhart bleiben. Den Gipfel des Mount Adams erreichen wir ohne Schwierigkeiten, aber im Kampf mit Böen, kurz vor 10 Uhr. Der mühsame Teil ist wie immer der Retourweg, diesmal vom Biwakplatz zum Auto. Nasser Schnee, langsame Spur, schneefreie Passagen. Am Auto ist alles vergessen, in der Dusche im County Park in Trout Lake der Körper wieder hergestellt. Kaffee, Erdnussbutter-Sandwiches, weiter geht’s. Wir verlassen Washington auf dem Weg nach Hood River, Oregon. Washington ist ein fantastischer Staat.

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Morgen am Biwak

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Blick vom Gipfel des Mt. Adams zum Mt. St. Helens

Impressionen aus Portland

Portland, Rad-Hauptstadt der USA und Heimat eines der irrsten Buchläden der Welt: Powell’s City of Books. Sehenswert!

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jede Menge Stahlbrücken

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Downtown Portland

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a Kaffeele & Internet

Mount St. Helens: 90 Tage unterwegs, dann am Krater

Nicht zu fassen, wir starten in den 4. Monat von Ring of Fire. Der Winter wechselt langsam in den Frühling, zumindest im Tal ist es in Washington schon frühsommerlich. Am Mount Rainier hatten wir schon teilweise schweren Schnee, und am weit niedrigeren Mt. St. Helens sollte es nicht anders sein. Am Dienstag kommen wir gegen vier am Nachmittag vom Parkplatz, dann rasch ins Tal abfahren, bei den Rangern abmelden, Duschen, und schon sind wir auf dem Highway 5 nach Süden unterwegs. Kurz vor Portland geht’s nach Cougar, die Permits für St. Helens holen. In der sehr angenehmen Lone Fir Lodge bekommen wir sie noch kurz vor Ladenschluss, dann hinauf zum Parkplatz des Parks. Die Nacht ist warm, aber wir sind vom Mt. Rainier so müde, dass wir sogleich einnicken.

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bald über der Baumgrenze, Mt. St. Helens im Hintergrund

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auf geht’s am frühen Morgen

Am nächsten Tag, prächtig wie die letzten zwei, starten wir unsere 1.700 Höhenmeter-Tour auf den berühmtesten Vulkan des Nordwesten der USA: Mount St. Helens. 1980 explodiert der Berg, die Nordhälfte wird ins Tal befördert, Lavaströme fließen durch die Gegend und der Berg ist nurmehr 2.549 m hoch. Auf seinen Kraterrand wollen wir. Der Vulkan ist immer noch aktiv, im Krater hebt sich die Erde wieder. Die Tour hingegen ist weniger dynamisch, recht gleichmäßig steigen wir entlang erkalteter Lava hoch. Wir gehen früh los, der Schnee kann nur schwerer werden. Um 10.30 stehen wir am Kraterrand, alleine. Was für ein Anblick!

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keine Moränen, sondern erkaltete Lavaströme

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im Anstieg auf der Südhang, im Hintergrund Mt. Adams

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am Kraterrand, die Nordflanke fehlt; im Hintergrund Mt. Rainier

Wir fahren ab, genießen die Wärme am Parkplatz, entschließen uns kurzfristig bereits an diesem Tag noch nach Portland zu fahren und ein “Vierteljahr auf dem Weg” zu feiern. Drei Monate, und ich bin nicht satt, habe immer noch Hunger nach neuen Routen, Gipfeln und Abenteuern. Die Beine sind locker wie nie, die Pläne für die nächsten Monate im Kopf. Es kann nur vorwärts gehen.

Mt. Rainier: Spur ziehen bis ganz nach oben

Ich starre auf das blaue Seil vor mir, wie es sich von mir wegbewegt, und ich dann aufschließe, ständig aufpasse, nicht darauf zu treten und Beate vorne einen Ruck nach Hinten zu versetzen. Das geht Schritt für Schritt so, Meter für Meter, tausende Meter. Die Sonne brennt herunter, ich habe meine Helm schon längst im Rucksack versorgt, meine Kehle schreit nach Wasser, und die Schultern sind schon vom ewigen Stützen müde. Die Höhe von über 3.500 Meter macht sich bemerkbar, ich gehe langsamer, Schritt für Schritt. Wir sind auf dem Weg zum Gipfel des Mount Rainier.

Mount Rainier ist einer DER Ski-Gipfel in den North Cascasdes. Ein Vulkan, wie einige andere auch, überragt er den Horizont, hat sein eigenes Mikroklima. Die Schönwettertage sind in der Minderheit, und so nutzen wir eine angekündigte Schönwetterphase, um rasch von British Columbia nach Washington überzusetzen. Wir übernachten am Ausgangspunkt unserer Tour in Paradise (1.560 m). Zuvor legen wir mal schnell 90US$ für die Climbing Permits bei der Ranger Station hin. Es ärgert uns schon ein wenig, für einen einzigen Gipfel ist das schon recht heftig. In dieser Nacht schüttet und schneit es, es stürmt, aber wir zweifeln nicht am Wetterbericht. Und so ist es am nächsten Morgen: leicht bewölkt im Tal, doch bald wird klar, oben ist es herrlich.

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die Wolken lichten sind, Mt. Rainier zeigt sich uns

Wir steigen mit ordentlichem Gepäck (Zelt, Schlafsack, Proviant für zwei Tage plus Gletscher- und Skitourenausrüstung) gegen Norden. Wir sind die ersten und einzigen an diesem Tag, die das Muir Snowfield erreichen werden. Schön, aber auch viel Arbeit, denn der neue Schnee ist gut 40 cm hoch, und wir können mit Hilfe von GPS und etwas Navigationsgefühl die Route selbst wählen. Wie wir später bemerken, wird die Route von fast allen angenommen und verfolgt. Wir laufen zunächst recht gemütlich über die Baumgrenze, dann kommt die Sonne, und dann viele Meter am Schneefeld bis zur Scharte, wo das Muir Camp (3.010 m) liegt. Das Biwak ist offen, also sparen wir uns den Zeltaufbau und übernachten in einem Kühlschrank. Davor können wir aber gute zwei Stunden Sonne in der Windstille genießen.

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am Muir Snowfield

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im Muir Biwak, Nudeln schlürfen

Der nächste Tag ist Gipfeltag. Über die erwähnte Scharte geht es zunächst, bereits angeseilt, über einen ersten Gletscher zur Cathedral Gap. Auf der anderen Seite aber kommt das Wilde des Mt. Rainier hervor: riesige Gletscherflüsse mit zahlreichen Seracs und Spalten. Wir folgen zunächst der Cathedral Ridge und queren an ihrem Ende über den Gletscher zu einer weiteren Felsgruppe: dem Disappointment Cleaver. Wir rätseln zunächst, wie wir da hinaufkommen können. Schaut sehr steil aus. Wir entdecken dann eine kleine Lücke, und queren da hinein. Definitiv die Crux, wenn man hier abrutscht, dann ab durch das Kliff hinab in die Spalten. Es gelingt, aber viel weiter kommen wir nicht auf Ski. Der Hang wird nach oben hin steiler, also wieder mal Ski auf den Rücken und hinauf. Der Schnee ist sehr tief, und wir rutschen mit ihm immer wieder zurück. Es kostet uns viel Arbeit und Kraft, die geschätzten 300 Meter zu erklimmen. Wir schnaufen. Aber auch mit den Ski ist der Cleaver steil und anstrengend. Wieder am Seil, immer weiter. Endlich kommen wir vom Cleaver wieder auf einen breiten Gletscher, können hier recht gut zwischen den Seracs und Spalten navigieren. Die Sicht ist prächtig, locker 50 Kilometer.

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prächtiger Gipfeltag

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Disappointment Cleaver (li)

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mühsamer Aufstieg im tiefen Schnee am Disappointment Cleaver

Die Gipfelkuppe scheint nicht mehr allzu weit, und wir reissen uns nochmals zusammen. Die Schritte sind nun verdächtig langsam, und unsere Getränke aufgebraucht. Ich stopfe mir Schnee in den Mund und über die Haare. Die Entfernungen am Mt. Rainier täuschen. Alles wirkt so zum Greifen nah, und dann entpuppt es sich als ein veritables Zwischenziel. Auf diesem Berg wirken die Kuppeln und Felsen wie eine Fatamorgana, nähert man sich ihnen, dann tauchen dahinter wieder andere auf. So geht es, und die Zeit verrinnt plötzlich sehr schnell. Um 13.30, endlich, erreichen wir auf unserer Spur das Gipfelplateau, den Kraterring (4.372 m), von Südosten. Wir liegen sofort im Schnee, schnaufen erstmal ein paar Augenblicke, bis wir etwas herausbringen. Die Pause fällt entsprechend länger aus. Auch, weil wir wissen, dass wir eine fast 2.500 m lange Abfahrt vor uns haben.

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Gipfelblick mit Mt. Adams (li), Mt. St. Helens (re) und im Hintergrund (mi) Mt. Hood

Oben versuchen wir Kraft zu sparen und den Kurs nicht zu verlieren. Als wir dann auf den Cleaver gelangen, wird es interessant. Sehr steile Hänge mit bereits durchfeuchteten Schnee. Alles geht gut, auch die Querung und Ausfahrt aus dem Cleaver. Von hier ist das Muir Biwak nur noch eine schnelle Abfahrt. Wir packen zusammen, sehen, dass nun viele Leute hinaufkommen. Wir stemmen unsere Rucksäcke hoch, wechseln noch das eine oder andere Wort mit künftigen Gipfelaspiranten, und dann geht’s nochmals 1.500 Höhenmeter herab durch teils sulzigen Schnee. Am Auto, so schnell haben wir eine Zwei-Liter-Flasche noch nie ausgetrunken, schmeißen wir alles in den Inneraum, melden uns bei den Rangern im Tal ab, und queren den Südteil Washingtons auf dem Weg zum Mt. St. Helens. Eine Dusche geht sich dazwischen aus, und dann noch etwas Pflegecreme für den Sonnenbrand an den Oberarmen und Nacken. In Cougar ist der Nachthimmel sternenklar. Um Mitternacht sind wir bettfertig, um 05.30 geht der Wecker. Mt. St. Helens ist kein Spaziergang.

Impressionen aus Ellensburg

Auf unserem Weg vom Kootenay Pass zum Mount Rainier durchqueren wir den Osten Washingtons. Das Land flacht vom Norden in den Süden merklich ab, allerdings nur in der Osthälfte. Dort ist es auch merklich trockener, große Canyons bestimmen das Landschaftsbild, der Columbia River von Kanada aus kommend ist ein riesiges Gewässer geworden.  Spokane, Ellensburg und Yakuma sind drei Orte, in denen wir kurz Halt machen. Tolle Orte, in denen wir uns gerne verweilen. Doch die Zeit drängt. Ein Wetterfenster tut sich auf, und da heißt es, alles auf den Mount Rainier zu setzen. Wir müssen zu unserem Ausgangspunkt für die nächsten zwei Tage, nach Paradise.

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schon wieder am Wettercheck…

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Ellensburg im Frühling

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im Osten Washingtons

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am Columbia River

Kootenay Pass: Tiefer Winter, dann Frühling

‚Mel Gibson ist Australier, Arnold Schwarzenegger ist Österreicher. So merke ich mir den Unterschied zwischen Australia and Austria‘, erklärt uns der Grenzbeamte an der US-Kanadischen Grenze, gibt uns wieder unsere Pässe und wünscht uns eine gute Reise. Wir sind wieder in Washington, auf dem Weg nach Spokane.

Nach unserer Tour am Vermilion Peak kehren wir bei Rob in Invermere ein. Rob ist ja ein Bergkamerad von den Wapta Icefields, und so lernen wir seine Familie kennen. Es gibt allerhand auszutauschen, und wir werden kräftig mit neuseeländischer Bergliteratur versorgt. Und mit Geschichten über Conrad Kain, der vielleicht bedeutendste Bergsteiger des frühen kanadischen Alpinismus. Bei uns sehr unbekannt, genießt der aus Nasswald stammende Bergführer und Alpinist in British Columbia Kultstatus. Sein Denkmal steht in Invermere, wo er seine letzten Jahre verbracht hat.

Nach dem Abendessen fahren wir alle in die Fairmont Hot Springs. Wir zahlen keinen Eintritt, die Dame an der Kasse lässt uns kostenlos herein – das Bad schließt in fünfzehn Minuten. Zeit genug. Eine weitere kleine Episode kanadischer Gastfreundschaft und Kundenorientiertheit. Eine kostenlose Reepschnur, weil ein Preis nicht angeschrieben ist. Zwei Dosen Bier an der Windschutzscheibe, weil wir uns im White-out auf den Mt. Hector wagen. Gratis Kaffee, weil das kostenlose (!) WiFi im Lokal nicht funktioniert. Yep!

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am Kootenay Pass

Am frühen Morgen brechen wir nach Süden auf. Es schüttet, die Straßen sind voll mit Wasser und das konzentrierte Fahren ist ermüdend. Drei Stunden und eine letzte Kaffeepause bei Tim Hortons später stehen wir am Kootenay Pass (ca. 1.700 m). Es schneit dicke Flocken, der Straßenpflug fährt die Passstraße auf und ab und wir entscheiden uns, das Auto zu verlassen und uns die Beine zu vertreten. Es wird eine Mini-Tour zu einem nahe gelegenen Pass. Tiefer Winter hier, tiefer Schnee. Auf der Fahrt nach Süden wird es dann immer frühlingshafter, und kurz vor Spokane blüht dann schon fast jeder zweite Baum.

Jetzt horten wir wieder einige Vorräte, unser Bus ist fast leer gegessen. Wir bringen uns in Stellung, die North Cascades warten auf uns. Die großen Vulkan-Gipfel, die mit den berühmten Namen. Wir wechseln nun für die nächsten Wochen definitiv in das Fach des Skibergsteigens, das Seil wird zur fixen Größe im Rucksack. Es wird nun eine Spur ernster.

Mt. Baker: Mit Ausdauer durch das Wetterfenster

Mit schwerem Rucksack machen wir uns auf den Weg in die North Cascades. Das Auto schafft es nur eine Meile die Forststraße 13 hoch (ca. 800m), dann ist Schluss: tiefe Schneefahrbahn. 7 Kilometer mehr zu gehen als geplant. Noch auf der Fähre von Juneau nach Bellingham haben wir diese Tour geplant, und mit den Wetterprognosen gespielt. An zwei Halbtagen soll es halbwegs schön sein. Den ersten Halbtag nehmen wir uns für den Aufstieg zum Sandy Camp. Und das ist nicht zu knapp kalkuliert.

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Unser Nachtplatz an der Forststraße 13

Die Forststraße macht eigentlich einen guten Eindruck. Der Schnee ist zerfahren von Motorschlitten, und auch am nicht gekennzeichneten Trailhead folgen wir einfach dieser breiten Autobahn. Die Orientierung in diesem Wald von Spuren ist schwierig, die Sommerwege sind nicht angeschrieben. Wir folgen den natürlichen Merkmalen wie Erhebungen, Lichtungen und Felsformationen. Der Rucksack fühlt sich bald lästig an. Die Sicht ist nicht besonders, aber in diesem Gelände noch nicht so wichtig. Entlang und unterhalb der Reailroad Ridge laufen wir hoch, halten für das eine oder andere Schwätzchen mit einem Skidoo-Fahrer. Angebote uns hochzufahren lehnen wir dankend ab. By fair means.

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Railroad Ridge, wolkenverhangen

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unser Biwak am Sandy Camp

Dort, wo sich Railroad Ridge in den Easton Glacier einverleibt, da liegt Sandy Camp (1.850 m). Es ist nicht gekennzeichnet, wir finden nichts ausser Schnee. Und unser Gletscher-Biwak für die Nacht. Bei Sonne bauen wir das Zelt auf, errichten eine Windmauer, machen es uns gemütlich. Gut so, denn als wir uns ins Zelt zurückziehen, dreht ein Westwind auf, und bald beginnt es zu schneien. Die Nacht wird entsprechend unruhig, die Zeltwände flattern, der Schnee prasselt auf uns nieder. Kann es morgen weiter hinauf gehen oder müssen wir unverrichteter Dinge wieder ins Tal zurückkehren? Typische Bergsteiger-Gedanken im Biwak. Die Wettervorhersage sagt ja, der misstrauische Geist sagt nein. Im warmen Schlafsack lesen und plaudern wir noch ein bißchen, dann sind wir mit unseren Gedanken an den nächsten Tag mit uns allein. Ausrüstung, Kleidung, vor allem Routenwahl. Wie werden wir uns durch die Spaltenzonen bewegen? Wird die Sicht ausreichend sein?

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Schnee schmelzen für’s Frühstück

Der nächste Morgen ist eine Enttäuschung. Es schneit immer noch. Dem Geräusch nach ist es ein Schneeregen, und die Schwere des Schnees auf unseren Zeltwänden gibt dem Verdacht recht. Alle paar Minuten drücke ich den Schnee vom Dach, blicke aus dem Zelt nach draußen, keine Sicht, schließe das Zelt und verkrieche mit wieder in den Schlafsack. Dieses Spiel wiederholt sich alle 15 Minuten. Um 08.00 hört der Schneeregen auf, der Wind gibt auf. Langsam wird die Luft klar, und damit auch die Sicht. Das Wetterfenster scheint anzukommen. Ich beginne, Schnee zu schmelzen, Tee und Porridge zu kochen, wir machen uns bereit. Beate wachst nochmals die Felle. Keine schlechte Idee bei diesem nassen Schnee. Irgendwann schleichen wir uns aus dem Zelt. Klettergurt anlegen, Pickel und Steigeisen in den Rucksack, ab in die immer noch feuchten Innenschuhe der Ski-Boots. Beate bereitet noch das Seil vor, und schon laufen wir angeseilt in den Easton Gletscher hinein. Das Wetter wird immer besser.

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noch ein paar Hundert Höhenmeter zum Giant Peak

Wir haben tatsächlich Glück. Um 09.30 ist die Sicht mehrere hundert Meter weit, später ist gar der Krater am Mount Baker zu sehen. Wir diskutieren wie immer die Routenwahl, aber am Seil ist das immer etwas schwerer: 15 Meter Abstand heißt entweder schreien oder aufeinander warten. Überhaupt ist das Skibergsteigen am Seil am Gletscher einiges mühsamer als frei zu laufen. Der Vordermann (Beate) muss die Route alleine suchen und das Tempo so wählen, dass der Hintermann (Mark) auch bei Kehren mit dem Seil mitkommt. Der Hintermann läuft eigentlich wie ein Esel hinterher und muss sich stets auf das vor ihm baumelnde Seil konzentrieren: es darf nicht schlapp sein, und nicht irgendwo festklemmen. Man hat hinten also recht wenig Freude an der Umgebung, denn eine kleine Unaufmerksamkeit und schon zieht das Seil am Vordermann. Hinten läuft man immer das Tempo vom Vordermann, man hat das Gefühl wie bei einem Intervalltraining.

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in der Roman Wall

Wir schaffen es ganz gut und recht direkt durch die Spaltenzonen – eher östlich des Gletschers hin zum Sherman Peak, dann zum Kraterrand, und dann von der Orientierung einfach durch die Roman Wall zum breiten Gipfelplateau. Von dort ist es ein Katzensprung zur Gipfelerhebung (Giant Peak, 3.286 m) des Mount Baker. Oben bläst es gewaltig, und auch wenn wir immer noch Sonne haben, es ist plötzlich eisig kalt. Ein Blick nach unten sagt, dass wir uns beeilen müssen: die Wolken aus dem Tal steigen plötzlich auf, auf dem Easton Gletscher droht ein White-out. Klar für die Abfahrt sind wir in wenigen Minuten und entscheiden uns gegen das Anbinden. Die Oberfläche beim Anstieg wirkte gefestigt. Aber auch ohne Seil wird die Abfahrt anstrengend, der Schnee ist nicht ideal (oben etwas windgepresst, weiter unten wieder sehr schwer). Wir folgen unserer Aufstiegsspur, denn die Wolken hüllen uns ein und wir sehen recht wenig. Erst beim Zelt und unter den Wolken wird die Sicht wieder deutlich besser. Hier lässt die Anspannung nach, wir gratulieren uns nochmals, essen, trinken, und werden müde.

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Abfahrt am Mt. Baker Krater vorbei

Wir dürfen nicht müde werden, denn die Anstrengungen am Mount Baker sind noch nicht vorbei. Zunächst müssen wir wieder mit dem gesamten Biwak-Gepäck bis zur Scheibers Meadow abfahren – eine sehr mühsame Angelegenheit bei diesen Schneeverhältnissen. Und dann die verschneite Forststraße bis zum Büssle mehr oder weniger zurückschieben. 7 Kilometer. Die spüren wir in den Schultern, aber mehr noch die großen Rucksäcke. Gerne werfen wir sie ab. Tauschen die nassen Socken gegen trockene. Löschen unseren Durst und versuchen Ordnung in das Ausrüstungschaos zu bringen. Ordnung ist das oberste Prinzip des Büssle-Lebens. Auch wenn es noch so klein ist, man kann Dinge für Jahre dort verlieren. Wir verlieren uns nicht, steuern auf der Baker Lake Road hinaus und zurück zur pazifischen Küste, wo wir irgendwo zwischen Seattle und Bellingham einen Nachtplatz suchen.

Impressionen aus Seattle

Die MV Kennicott hat uns in Bellingham verabschiedet, wir lenken unseren Lieferwagen entlang des Expressway 5 nach Süden. Seattle ist für uns so etwas wie um 1880 für die Goldgräber: ein Tor. Der Goldrausch in Alaska war von der Versorgung über die Westküste abhängig, und da spielte Seattle eine wesentliche Rolle. Auch wir decken uns in Seattle ein: mit Informationen von den US Forest Rangern, mit Buch- und Kartenmaterial, Proviant und Kaffee. Die Stadt selbst ist eine Perle, wir fühlen uns sehr wohl. Großzügige Straßen, geile Fahrräder und eine gepflegte Kaffeekultur. Seattle kann was!

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Downtown Seattle

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am Fischmarkt

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Totems, überall in der Stadt

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nicht unser Speiseplan in den nächsten Wochen

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offene Architektur

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