Posts

Ben Lomond: es geht nach Norden

Nach vielen Touren verlassen wir Salt Lake City, es geht langsam nach Norden. Ogden ist die nächste Station, oder jener Berg, der die Stadt überstrahlt: Ben Lomond (2.960 m). Russell, unser Couch-Host in Salt Lake City, steht extra früh auf um uns Frühstück zu machen, dann sind wir schon auf der I-15 unterwegs, nehmen noch unterwegs einen Kaffee vom SevenEleven mit. Die Sonne kommt langsam raus, und als Erste stehen wir an einem Nordischen Zentrum unweit von Liberty.

ben-lomond

Blick auf Huntsville und das Pineview Reservoir

ben-lomond

Ben Lomond im Visier

Die Tour geht ein paar Stunden, meist über gemäßigt geneigte Rücken. Erst am Gipfelhang kommt etwas Wind auf, und der windharsche Schnee ist ein bißchen lästig, so dass Harscheisen für den Anstieg notwendig werden. Vom Gipfel haben wir großartige Blicke auf Ogden und den Great Salt Lake, und bevor die heranstürmenden Wolken alles in ein dichtes Weiss einpacken, sind wir schon nach unten unterwegs. Die Schneedecke ist meist ein Mix aus Windharsch und wenigen soften Passagen, wie am Vortag am Chipman Peak, meist hart und abgeblasen, in den kleinen Wäldern überraschend pulvrig, aber das ist eher die Ausnahme. Die letzten Kilometer zum Büssle fetzen wir über eine Schilanglaufpiste, rechtzeitig zum späten Mittagessen um drei am Nachmittag.

ben-lomond

der Himmel wird dunkler

ben-lomond

die Wolkendecke senkt sich über uns am Gipfel

Chipman Peak: Coyotes und viel Bruchharsch

Salt Lake City braucht demnächst wieder ein ordentliches Wettertief, welches Schnee auf die Wasatch Mountains ablädt. Die Westhänge sind schon langsam aper, und die nordseitig gelegenen haben wir schon viele abgefahren. Heute wollen wir auch Beate’s Tagesleistung etwas strecken und entscheiden uns für den Dry Creek südlich von Salt Lake City – ich kenne die Gegend von meiner Tour auf die Wishbone Ridge. An diesem Tag sind wir die Einzigen, die sich in dieses Labyrinth aus Wäldern, Bächen und Canyons wagen. Bis auf einen Coyoten, der um uns herum streift.

chipman-peak

im Anstieg auf den Chipman Peak

chipman-peak

Blick auf die Wishbone Ridge

Die Route führt uns entlang des Wanderweges zum North Mountain, den wir allerdings nur zur Überquerung zahlreicher Bäche nutzen. Endlich auf der richtigen Seite des Tals suchen wir nun den Weg durch Gebüsch und lichte Wälder gegen Nordosten, und letztlich zum Chipman Peak (3.339 m). Der Anstieg ist recht schnörkellos und der Gipfelhang ordentlich und am Ende gar steil, so dass die Ski wiedermal auf den Rucksack müssen.

chipman-peak

noch ein paar Meter zum Gipfelplateau

chipman-peak

Blick vom Chipman Peak über den Utah Lake

Der meist südseitig gelegene Hang bietet viel Bruchharsch. Beate ist nicht erfreut. Auch im unteren Teil, speziell der lange Wanderweg zurück zum Auto, ist eher eine Eispiste, und daher eine Herausforderung an Fahrkönnen und Stehvermögen. Wieder ein Tag mehr in den Rockies, eine 7-Stunden Tour mit viel Sonne.

Auf dem No Name Peak, aber große Namen am Parkplatz

Das Hoch über Salt Lake City hält an und die Tourenauswahl ist immer noch beträchtlich. Beate unternimmt ihre zweite Skitour, wir gehen nicht wie gestern in den Big Cottonwood Canyon, sondern in den kleineren Bruder – den Little Cottonwood. Wir sind etwas spät dran – unser Büssle muss mal zur Getriebepflege, aber dann sind wir rasch auf dem Weg und mit meinem Insiderwissen finden wir auch ohne Probleme die richtigen Abzweigungen bis hin zum White Pine Lake.

no-name-peak

durch den White Pine Creek Canyon

no-name-peak

und hinauf zum No Name Peak 10718′

Von hier wird der Aufstieg gegen Westen etwas steiler, und die letzten 50 Höhenmeter nehmen wir mit den Ski am Buckel. Über einen leichten Grat geht es zum No Name Peak (Peak 10718, 3.267 m), von wo wir wieder in die nächste Scharte einige Meter absteigen. Gipfelrast, Skiumbau, Bergheil. Und schon geht’s im mittelsteilen Couloir abwärts. Die Ausfahrt wird pulvriger, und unser Slalom durch die lichten Wälder ein Vergnügen. Wir sind also rasch wieder am Ausgangspunkt unserer Tour ohne Wolken und milden Temperaturen, essen eine Kleinigkeit und begrüßen wenige Minuten später Eva aus Klagenfurt neben unserem Büssle. Ihr ist natürlich unser Kennzeichen aufgefallen. Mit dabei ist ihr Mann, Steve House, vielleicht der interessanteste Alpinist der letzten Jahre, und Vorwort-Verfasser seines Titels “Training for the New Alpinism: A Manual for the Climber as Athlete, Mark Twight, ebenso ein wilder Hund des Alpinismus. Wir plaudern ein bißchen über Steve’s Alpin Coaching Programm und unsere Reise. Das nenn’ ich eine Skitour – das Beste kommt am Parkplatz!

no-name-peak

Blick in den Red Pine Creek Canyon

no-name-peak

super gsi!

no-name-peak

und los geht’s durch den ersten Couloir

Cardiac Ridge: Beate, Dynafit und Black Diamond

Gut, dass ich schon einige Touren in den Beinen hatte und ich die Canyons um Salt Lake City halbwegs einschätzen kann. Denn an diesem Tag sind wir zu zweit unterwegs und ich kann Beate in die schöne Welt der Cottonwood Skitouren einführen. Wir haben einen prächtigen Tag erwischt. Es läuft sich rund, wir sind die Einzigen im Mill D South Fork und haben uns nach fünf Wochen getrennten Wegen viel zu erzählen.

cardiac-ridge-0

prächtiger Tag im Big Cottonwood Canyon

Am Vortag – ich mache mal eine Pause nach sieben Tagen am Berg – treffen wir uns am Flughafen und gehen erstmal in die Stadt essen. Am Abend kommen wir bei Russell unter. Großes Haus, große Gastlichkeit. Bin, ein chinesischer Dokumentarfilmer, ist auch als Couchsurfer bei Russell für die nächsten Tage zu Hause. Seine Couchsurfing-Geschichten bringen alle zum Lachen – vom nackten Vortänzer über Dumpster Diving in Edinburgh. Wir haben eine gute Zeit, und eine feine Nacht, die um 06.30 endet. Zeit für die erste Skitour.

cardiac-ridge-1

Cardiac Ridge

cardiac-ridge-2

Geht’s noch prächtiger ?

Als wir tiefer in den Mill D South Fork Canyon eindringen, öffnet sich uns das Tal und wir haben alle Hänge frei zur Auswahl, nur für uns. Wir entscheiden uns für einen der Osthänge, klettern rasch zu einem der höher gelegenen Punkte an der Cardiac Ridge. Der Ausblick ist überwältigend, und für Beate, das erste Mal seit vier Monaten wieder auf Ski, ein spezieller Moment in einer Welt des Schnees und der Kälte und der Bewegung. Die Abfahrt, ein Mix aus Pulver, Harsch und gut “präparierten” Forstwegen, macht Spaß und wir sind schnell zurück am Büssle, wo wir während unserer kurzen Siesta auf Benedikt Böhm treffen, Extremskibergsteiger und Geschäftsführer von Dynafit. Wir plaudern über unsere Reise und seinen Besuch in Utah. Dann macht er sich auf zu einem kurzen Ausflug auf Ski in die Berge des Cottonwood Canyons. Sympathischer Bursche.

cardiac-ridge-3

super gsi!

cardiac-ridge

einsam am Grat

Später am Nachmittag schauen wir uns noch die Produktion und die Qualitätssicherung bei Black Diamond an. Wir bekommen eine Führung bei meinem Lieblingsausrüster. Die Stresstests des Materials sind besonders interessant. Es wird ein langer Tag für uns – Büchertausch, Einkäufe, Filmvorführung  bei Russell.

Wishbone Ridge: die Touren werden länger

Es war Zeit, die Touren etwas zu strecken, den Beinen einen Extra-Reiz zu verpassen. Vom Dry Creek Trailhead in Alpine (1.767 m) starte ich als erster vom Parkplatz, und bis auf wenige Spaziergänger auf den Weg um den Parkplatz werde ich den ganzen Tag niemanden sehen. Und es war auch keiner da, seit dem letzten Schneefall vor einer Woche. Entweder ist die Route zu lang oder zu fad für die meist abfahrtsorientierten Back country Skier hier. Zunächst kann ich einer fetten Spur von allem möglichen folgen. Und wie immer, plötzlich ist da nur mehr ein einziger Schneeschuhwanderer übrig, der nach Osten einen Trek gezogen hat. Ich folge, und bin gespannt.

wishbone-ridge

die erste Erhebung der Wishbone Ridge

Zu meiner Rechten (Süden) steigen die Wälder steil auf, in verschiedenen kleinen Canyons und Graten zum Box Elder Peak. Eigentlich ein Tourenziel, aber durch diesen dichten Wald mit tiefen Schnee wage ich mich nicht – zu sehr sind die Erinnerungen von gestern am North Peak präsent. Die Route führt nach einigen Sackgassen schließlich auf eine kleine Hochebene nordöstlich des Box Elder Peak, und hört hier abrupt auf. Ich stehe vor der Wishbone Ridge, die sich weiter nach Osten zieht. Die Nordwestflanke macht einen passablen Eindruck. Nach Stunden des Aufstiegs, der Wegsuche, des Spurens kommt mir das gerade recht. Ein Gipfel, eine Abfahrt, mehr will ich gar nicht. So steige ich also diesen Hang hoch, ziehe mir noch die Windjacke gegen den starken Westwind über, und kann die Ski am ersten, höchsten Punkt der Wishbone Ridge (ca. 3.290 m) abschnallen.

wishbone-ridge

meine Spur, dahinter das Tal weit weg

wishbone-ridge

Box Elder Peak von Nordosten aus

Am Gipfel geht der Ski-Umbau schnell. Es ist kalt und windig, und ich habe eine lange Abfahrt mit vielen Schiebestellen vor mir. Überraschend gut ist der Schnee auch heute, besonders im lichten Wald geht’s in Slalommanier gut voran. Einige Bachbrücken (aka Holzstamm) nehme ich risikoreich mit Schwung, verschone meine Ski vor Felskontakt und überstehe auch querliegende Tannen in Stunt-Manier. Sieben Stunden auf Ski, mein Tag ist ausgefüllt.

North Peak: uneinnehmbar, heute

Das hatte ich mir anders ausgedacht – eine lange Tour bei bestem Wetter. Daraus geworden ist Spurarbeit im Wald und ein abgebrochener Aufstieg aufgrund prekärer Schneeverhältnisse im Hang. Der North Peak, ein Nebengipfel des Mt. Timpanagos in den südlichen Wasatch-Mountains, schaut schon vom Tal sehr beeindruckend aus. Nähert man sich ihm dann vom Norden, fragt man sich, wie da überhaupt eine Skitour hinaufführen kann. Hat mein Tourenbuch etwa eine ungenaue Karte?

north-peak

North Peak – wo ist die Skiroute?

north-peak

sehr offenes Waldgelände nördlich des North Peak

Meinen Trailhead finde ich ohne Probleme, und auch eine frische Skispur, die durch den Bear Canyon führt. Alles läuft nach Plan, ich erreiche die vorgesehenen Punkte, und laufe dann einer Forststrasse um den Berg nach. Nach drei Stunden kommen mir zwei Skitourengeher entgegen: Sie haben ihren Aufstieg über die NW-Flanke zu einem Couloir abgebrochen – viel Triebschnee, Schollen, windgepresster Schnee. Genau wie gestern am Red Stack in westlicher Hanglage. Das ist keine gute Idee, diese steile Wand zu probieren, wenn auch die Lawinengefahr allgemein für diese Region mit niedrigen “2” bewertet  wird. Ich mache mit den zwei Burschen kehrt, und versuche es zwei Meilen weiter nochmals, diesmal über einen flachen Nordgrat. Dieser führt durch Wald, und ich muss meine Spur selbst ziehen. Es geht eine Weile gut, bis ich etwas über die Bäume sehen kann. Die Route hört hier mehr oder weniger auf, denn darüber wird es sehr steil, und dann nur noch Klippen. So mache ich auch hier kehrt, fahre mit meinen Fellen an den Ski und einer offenen Bindung ab. Die Abfahrt durch den Bear Canyon auf meiner Aufstiegsspur ist kaum kontrollierbar – der Weg ist so eng, dass kein Schwung oder irgendeine andere Art kontrollierten Bremsens möglich ist. Da helfen mir die Felle, heil zum Auto zurückzukommen. Ein prächtiger Tag, viel frische Luft, und wieder einmal die Erkenntnis, dass ein Gipfel nur dann möglich ist, wenn es die Natur auch will.

Red Stack: im Wind rauf, im Pulver runter

Wieder einmal stehe ich vor einer Abzweigung. Alle fünfzig Meter kommt eine, ohne Schild oder Hinweis wohin, und so folge ich meinem Gefühl mal links, mal rechts, der weissen Spur. Nach zwei Stunden wird klar, wohin ich gehe: hinauf auf den Red Stack (3.450 m). Ist das Leben nicht seltsam? Manchmal entscheidet es sich einfach vor dir, an einer Skispur. Rechts oder links? Da fällt mir ein wunderbares Zitat von Yogi Berra ein: “When you come to a fork in the road, take it”. Brilliant. Denn es ist die Essenz eines Road-Trips, wie der meinige. Der Unsere. 12 Monate Weggabelungen. Einfach treiben lassen, und ginge die Skispur abwärts, würde ich in Sekundenbruchteilen aus dem Bauch heraus die Richtung bestimmen. So habe ich Zeit, mich umzusehen, durchzuatmen, das Gelände zu sondieren, und dem Reflex der Beine nachzugeben.

red-stake

dunkler Himmel im Anstieg, im Hintergrund das Pfeifferhorn

Der Parkplatz am White Pine Trailhead (2.346 m) im Little Cottonwood Canyon ist um 7.30 bereits gut gefüllt. Wieder einmal gibt’s Corn Flakes mit Rosinen und Kakao und Mandelmilch, der Rucksack ist schon seit dem Vorabend gepackt. Es geht also flott weg vom Auto in das Tal des White Pine Creek. Ich muss nicht nachdenken, meine Beine laufen von selbst. Alles bleibt im Tal zurück, bis auf die Gedanken. Die Welt da unten brodelt, der Friede dort ist eine Illusion. Ideologien, die final nur eines wollen – deinen Kopf. Weil du anders bist, weil du nachdenkst und weil du sprichst. Aber hier oben in den Hängen und auf den Gipfeln ist noch alles in Ordnung. Der Himmel, schon bewölkt, verdichtet sich, und in der Ferne kann man meterhohe Windfahnen auf den Berggraten sehen. Einsam laufe ich gegen Südosten, und als ich dann am Gipfelgrat ankomme, wird’s windig. Kapuze drüber, und gut ist. Die Spur am Grat ist verblasen, sowie die Südseite, und ich muss mich ein wenig zwischen Steinen, Wechten und Fichten durchschlängeln. Erst 50m unter dem Gipfel des Red Stack nehme ich die Ski ab – kein Schnee mehr, nur mehr große, scharfe Boulder. Der Blick schweift über die kleine Senke am White Pine Lake, die Gipfel dort sind schroff, abgeblasen, manche Hänge aber noch voller Schnee – Triebschnee im Osten. Salt Lake City schimmert im Hintergrund, darüber die grau-gelbe Smog-Schicht. Inversionswetterlage. Auf der anderen Talseite des Little Cottonwood Canyon sehe ich hinüber zum Flagstaff Mountain und dem Peak 11.050′.

red-stake

Red Baldy in der Bildmitte

red-stake

noch wenige Meter zum felsigen Gipfel des Red Stack

Vorsichtig fahre ich die ersten Schwünge. Beim Aufstieg sind schon einige 10cm dicke, windgepresste Schollen angerissen und abgerutscht. Dann, endlich, kann ich über den Grat in den leicht eingeblasenen Nordhang einfahren und es rauschen lassen. Knie-tiefer Pulver von der trockenen Sorte. Der beste Schnee bis jetzt in Utah. Ich folge anderen Abfahrtsspuren entlang freier, steiler Hänge und durch offene Wälder. Hier hat sich ein sehr dünner Eis-Karton gebildet, der beim Durchfahren keinen Widerstand leistet, nur kratzend ächtzt. Ich ziehe meine Spur, die Oberschenkel brennen. Perfekt!

red-stake

Salt Lake City unter einer Smog-Decke

Höhe 11050’: Gratwanderung über den Cottonwood Canyons

Routiniert fahre ich in der Dunkelheit des frühen Morgens aus Salt Lake City in den Big Cottonwood Canyon. Die Route habe ich ja in groben Zügen schon gestern auf dem Weg vom Flagstaff Mountain einstudiert, dann den Nachmittag in der sehr sympathischen Bibliothek der Stadt verbracht und abends bei Kai und Emilie an die Tür geklopft. Couchsurfing. Wir plaudern und essen bis spät Abends, dann muss ich die Hauskatze aus meinem Zimmer werfen und schlafe durch.

superior

Peak 11.050 in der Bildmitte

superior

mein Anmarschweg aus dem Big Cottonwood Canyon

Am Parkplatz am Mill D South Fork Trailhead (ca. 2.200 m) mache ich erstmal Frühstück. Ich wollte meine beiden Gastgeber nicht so früh wecken, also bin ich aus dem Haus geschlichen. Die Routenführung scheint klar, und ich freue mich wieder über einen wolkenlosen Tag mit viel Schnee. Wie gelegentlich, nehme ich eine falsche Spur, und lande eine halbe Stunde später in einer Sackgasse: die Spur hört plötzlich auf, und ich stehe vor einem Wasserfall. Die Ski in den Händen kraxle ich seitlich dutzende Meter hoch, dann spure ich erstmal, bevor ich wieder auf die richtige Linie stoße. Das passiert mir in diesem Tal gleich nochmals und nochmals. Wie ich später feststelle: die Spuren sind oft nur „Bruchstücke“ – Hubschrauber bringen Skifahrer in das Tal, die spuren dann etwas, fahren ab, und werden wieder abgeholt.

superior

der schmale Grat zum Peak 11.050

superior

Blick zum Nachbarn: Mt. Superior

superior

meine Abfahrtslinie

Als ich endlich aus dem Wald trete, bekomme ich einen besseren Überblick über das Gelände und lege meine Spur möglichst ökonomisch an, um bereits vorhandene Trassen zu verbinden und zum Cardiff Pass zu gelangen. Ab hier folge ich dem Grat zum Cardiff Peak (3.132 m), später wird es ausgesetzter und ich packe die Ski auf den Rucksack. Über Felsen und einen schmalen Schneesteig steige ich weiter hinauf – zu meinem Tagesziel, Peak 11050 (3.368 m). Von hier führen steile Couloirs wieder zurück in mein Tälchen. Ein Blick zum Nachbarn, Mount Superior (3.393 m), zeigt leider einen stark überwechteten Grat. Das lasse ich bleiben, die Ski sind abfahrtsbereit und ich fahre direkt vom Gipfel nordwärts ab. Der Schnee ist immer noch pulvrig, wenn auch schwerer, besonders weiter unten, wo die Sonne seit Stunden wirken kann. Das Mittelstück ist deswegen unendlich mühsam, ein Schieben ohne Ende, bevor ich wieder die breite Skispur auf einem alten Forstweg nutzen kann.

Flagstaff Mountain: Powder und Sonne

Die Nacht im Büssle war kalt, denn alles ist gefroren. Die Innenscheiben, das Wasser, die Türen, sogar die Teleskop-Skistöcke lassen sich nur nach etwas Gewalt öffnen. Meine Morgenroutine unter solchen Umständen ist noch nicht rund, und ich brauche eineinhalb Stunden, bis ich endlich am Start stehe. Aber die kalte Nacht hat etwas Gutes: der Himmel ist wolkenlos, die Sicht prächtig.

flagstaff-mountain

im Big Cottonwood Canyon

flagstaff-mountain

eine dicke Spur weist mir den Weg

Eine andere feine Neuheit ist, dass ich vom Parkplatz mit dem Ski am Bein loslaufen kann. Da habe ich meine Ausflüge in Tahoe fast schon vergessen. Zügig marschiere ich vom Spruces Trailhead (ca. 2150 m, Big Cottonwood Canyon) über eine bereits vorhandene Skispur entlang des Dry Creek nach Süden. Der Wald ist frisch mit Schnee bedeckt und noch nicht in der Sonne. Gute vier Kilometer schlängele ich mich langsam zum Talende hin, als die Spur dann steiler gegen Westen in den Hang abbiegt. Es geht auf die Reed and Benson Ridge, in steilen Rampen und einigen Spitzkehren, durch einen immer lichter werdenden Wald. Der Schnee fällt nun unter der starken Sonne von den Bäumen, und ich bin schon bald auf einem Nebengipfel des Flagstaff Mountain (3.209 m) – einige hundert Meter nördlich, fast auf der gleichen Höhe, aber durch einen bei diesen Schneeverhältnissen kaum begehbaren Grat getrennt. Die Aussicht ist prächtig, und ich sehe schon meine Touren für die nächsten Tage.

flagstaff-mountain

hier gibt es Touren für locker zwei Wochen

Die Abfahrt ist etwas kurz, auch weil es so viel Spaß macht. Gute 30 cm Pulverschnee und passabel steil. Erst im Bachbett des Dry Creek wird’s wieder etwas mühsam im Schnee, bis ich zur Spur zurückfinde – fast schon wie gestern im Middle Canyon bei Tooele. Eine schöne Vormittagstour, aber morgen möchte ich mehr. Ich koche Pasta, räume das Büssle auf (ja, Ordnung ist das A und O im Campern!) und mache mich auf den Weg zurück ins Tal. Salt Lake City liegt unter einer dichten Wolkendecke.