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Im Schneeregen über den Col de la Seigne

Ja, wir dachten, es könnte nicht mehr ärger kommen als die Passage über den Col de Carro. Oder dem Regentag im Valsavarenche. Aber hinterher ist man immer schlauer. Später als üblich (gegen 7.00) verließen wir Val d’Isère (1.844 m) und fuhren rund 25 Kilometer über die D902 flott über Tignes bis nach Bourg St-Maurice (820 m) durch das Tal der Isère. Was wir sahen, konnte uns nicht gefallen: der Himmel zog sich zu.

Zunächst folgten wir der Straße nach Beaufort, bogen aber in der Hälfte beim Refuge de la Nova (1.545 m) in das kleine Seitental (Torrent des Glacier) ab. Die Straße war gut fahrbar, allerdings fing nun der Regen an, zunächst leicht, dann immer stärker werdend. Nun überholten wir auch erstmals Wanderer, die auf der bekannten Rundtour um den Mont Blanc (TMB) unterwegs waren. Dick eingehüllt in Regenponchos und Hardshells. Wir schafften es noch zum Refuge des Mottets (ca. 2.000 m), es schüttete und es wurde schön frisch. In der angenehm warmen Aufenthaltsstube wimmelte es nur so von japanischen Seniorengruppen, die sich ihren Wanderausflug auch anders vorgestellt hatten.

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Im Val des Glaciers

Unsere Pause dauerte länger als gewöhnlich, wir mussten überlegen, wie es weitergehen sollte. Aber einen Milchkaffee später war alles klar: im eiskalten Regenwetter das Rad auf den Pass schieben, dann rasend schnell durch Matsch und Geröll ins Tal flitzen und irgendwo eine warme Unterkunft für die Nacht suchen. Unangenehm wie es war, die kalten, nassen Sachen überzustreifen, das Rad zu packen und fast im Laufschritt den Hang 500 Höhenmeter hinaufzuhieven, vorbei an Wanderern und ähnlichen Gestalten, irgendwie ging es vorbei, durch den Nebel und Starkregen, durch Bäche und Matsch.

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Eiskalt und nass am Col de la Seigne

Am Col de la Seigne hatten wir alle anderen eingeholt, schossen an ihnen vorbei ins Tal, teils bewundert und teils angefeindet (tja, Wanderer), und dann kam der Moment, von dem wir zunächst selbst super überrascht waren. Hatten wir uns doch so über die Angaben in unserem Guide zur Tourenbeschreibung in Valsavarenche geärgert, und uns, höflich gesagt, über den Routenvorschlag über den Col de Cerro gewundert, trafen wir tatsächlich den Autor dieses Büchleins mit einer Großgruppe Mountainbiker aus D in Gegenrichtung auf dem Weg zum Col de la Seigne. Ein kurzer Wortaustausch folgte, Achim Zahn tritt weiter nach oben, Beate und ich konnten nur noch ungläubig lachend dem Weg am Refugio Elisabetta vorbei ins Tal folgen. Das Val Veiny wäre so schön gewesen, mit seinem Blick auf die höchsten Alpengiplfel, aber der Regen und der Nebel…

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Im Val Veiny: links erste Teile der Mont-Blanc-Gruppe in den Wolken

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am späteren Abend kurz die Sonne und der Blick auf einen Grat, der hinauf zum Mont Blanc führt

Es dauerte nicht allzu lange, kalt und durchnässt kamen wir bei Courmayeur nach Entreves (1.370 m), suchten uns eine Unterkunft, aßen, duschten, tranken Wein. Die Tour war so gut wie gelaufen. Am nächsten Tag wartete nur noch ein Bergpass, dann eine lange Abfahrt nach Martigny. Es konnte nichts mehr schief gehen. Es konnte nicht.