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Crash in der Kletterhalle

Aufgrund des schlechten Bergwetters waren wir vorzeitig aus dem Wallis vom Col Ferret wieder nach Vorarlberg zurückgekommen und hatten die letzten drei Tage unseres Sommerkurzurlaubes beim Trailrunning und beim Klettern in der lokalen Kletterhalle verbracht. Beate und ich waren schon eine kleine Ewigkeit nicht mehr gemeinsam in der Halle am Seil gewesen, umso mehr hatten wir drei tolle Tage und einige Erfolgserlebnisse, die Limits unserer bescheidenen Kletterkünste wieder ein wenig nach oben zu schrauben.

Das miese Wetter lockte neben uns auch eine Vielzahl anderer Kletterfreunde in die Halle. Am Freitag und Samstag hatten wir am frühen Nachmittag noch genug “Luft” für entspanntes Klettern, am Sonntag dagegen war die Halle zum Bersten voll. Der Lärmpegel durch die Kindergruppen war recht hoch, und die Bahnen waren stark belegt. Öfters musste man an einer Bahn warten, damit andere Kletterer auf der Nebenbahn ihre Tritte und Griffe erreichen konnten. Stress, vor allem für jene, die als Anfänger die Kletterwand nutzten.

Ich hatte gerade unser Seil im Vorstieg eingehängt, Beate ließ mich herunter, ich hängte mich aus, schaute kurz nach oben zu unseren “Nachbarn” auf der Nebenbahn, der so eben die obersten Karabiner erreichte und sich einhängte. Als er die ersten Meter abgelassen wurde, stieg ich zu Beates rechten Seite um das Seil in mein Sicherungsgerät einzubinden, damit Beate dieselbe Route top rope klettern konnte. Im Augenwinkel sah ich den Kletterer auf mich herabfallen, unkontrolliert knallte der Mann, mein Shirt streifend, auf den Boden neben mir auf, krümmte sich vor Schmerzen.

Im ersten Moment realisierte keiner, was passiert war. Der Kletterer wurde grün im Gesicht, blieb am Boden liegen, sein Sicherer stand geschockt da, und mehrere Personen eilten zur Unfallstelle. Beate schob dem Burschen, den andere in eine Seitenlage gebracht hatten, meinen Pulli unter den Kopf. Er war ansprechbar, und hatte offensichtlich keine offenen Brüche. Mit dem Becken und Rücken war er auf eine mehrere Zentimeter dicke Filzmatte ungebremst aus (x) Metern geprallt. Der junge, offensichtlich noch sehr unerfahrene Sicherer aus einer Gruppe von Erwachsenen, hatte wohl in einem kurzen Moment die Hand von der Sicherung (Tube) genommen, und das Seil war sofort durchgerutscht. Hätte ich einen Moment früher zum am Boden liegenden Seil gegriffen, der fallende Körper hätte mich de facto erschlagen.

Ich hoffe, dem Verletzten geht es einigermaßen wieder und er kann bald wieder die Wände hochklettern. Dem Sicherer wünsche ich dasselbe, auch wenn ich nicht weiss, wer sich noch von ihm sichern lassen möchte. Ein-zwei Dinge möchte ich aus diesem Unfall ziehen:

  • Beim Sichern immer zwei Hände am Seil haben!
  • Immer nach oben schauen, was sich da links und rechts von einem tut! Im Freien tut man dies “intuitiv” aus Furcht vor Steinschlag u.ä., in der Halle glaubt man sich aber sicher. Irrtum.
  • Ein Sturzopfer sollte am Boden liegend nicht gedreht oder irgendwo hinbewegt werden (außer es besteht unmittelbare Gefahr – z.B. Steinschlag)! Gerade beim Sturz aus großen Höhen sind Rückenverletzungen wahrscheinlich, eine Fixierung vor dem Transport deshalb notwendig. Sonst könnten durch den Transport des Verletzten mehr Schaden angerichtet werden als durch den Unfall selbst.
  • Viele Kletterunfälle passieren, weil Erfahrene Unerfahrenen ihre Sicherung anvertrauen (habe ich mal in der Innsbrucker Tivoli Kletterhalle gelesen) – also: wenn schon Unerfahrene sichern (um das Handling zu lernen), dann auch diese durch einen Dritten sichern. Redundanz auch hier.

Und nun, auf in die Wände und sicheres Klettern!