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Monti Sibillini: die letzte Runde

Unsere Zeit in Umbrien neigt sich ihrem Ende zu. Gestern noch am Abend wieder fein ein paar Längen in Ferentillo geklettert, dann im Shirt draußen um neun Uhr abends gegessen. Dolce vita.

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Norcia

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gute 85 km, 1.700 Hm

Das Aufstehen fällt uns etwas schwer, aber wir wollen früh raus. Heute wird’s heiß, und wir wollen über die Baumgrenze. Wir starten in Norcia (604 m), der Trüffelstadt Umbriens, und führen die Räder hinauf zum Fuorca d’Ancarano (1.008 m). Von hier ist es ein leichtes Rollen an Preci vorbei bis ins obere Valnerina (ca. 456 m). Hier führt uns die Straße schließlich eher flach bis nach Visso (607 m).

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Preci

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super gsi!

Die Sonne ist draußen, wir trinken viel. Wir sind nicht die einzigen Rennradler, aber Beate die einzige Frau. Schon die ganze Woche. Über Castelangelo (780 m) erklimmen wir den nächsten Pass, Passo di Gualdo (1.496 m) und fahren ab und wieder hinauf nach Castelluccio (1.452 m), welches einen sehr netten Eindruck macht.

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Monte Vettoretto

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Piano Grande

Über die große Hochfläche des Piano Grande geht’s flott zur nächsten Anhöhe, Valico, bevor wir eine angenehm lange Abfahrt bis nach Norcia in Angriff nehmen. Das war’s, die letzte Runde in Umbrien, diesmal quer durch den Nationalpark Monti Sibillini.

Vom Trasimenischen See

Der Tag fängt gut an. Assisi gesehen, Perugia besucht. Das Wetter warm, der Himmel blau. Die Rennräder im Kofferraum. Wir stehen bei Passignano am Trasimensischen See und werfen uns in Radmontur.

Die Runde am Trasimenischen See

knappe 70 km, 1.400 Höhenmeter

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Blick auf den Trasimenischen See

Wir treten in die Pedale und folgen zunächst dem Ufer dieses erfrischend anmutenden Sees. In Tuoro geht’s dann auf die erste Anhöhe, die nach 10 Kilometer in eine flotten Abfahrt mündet. Von Lasciano weg ist es eher flach, aber nicht umso fader. Wir wechseln in die Toskana und erreichen das Tal der Tavere.

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Der Mohn blüht derzeit in Umbrien überall

In Umbertide ist der Umkerpunkt der 70 km – Runde. Es geht also wieder hinauf, diesmal über Riomeggio, Valico und mit dem Colle Campana als höchsten Punkt. Die Sonne ist recht heiß, Beate verlangt nach einer Wasserpause in einer Schenke. Das recht nette Castel Rigone ist der letzte Anstieg, bevor es mit einer feinen Abfahrt zum Lago Trasimeno wieder zum Auto zurück geht. Erst am Abend sitzen wir wieder vor unseren Büchern und PC, wundern uns, wie schnell die Zeit hier vergeht.

Impressionen aus Perugia

In der Früh noch in Assisi, eine halbe Stunde später in Perugia. Die historische Stadt ist in seinem Ausmaß enorm, wir sind einiges abgelaufen, und hatten nicht das Gefühl, die Dimensionen der Stadt richtig zu begreifen. Die historische Stadt lebt, ist kein Freilichtmuseum wie vielleicht das antike Rom. Es hat vielleicht nicht die weltberühmten Denkmäler und Museen, die Florenz zu bieten hat. Aber die Atmosphäre ist sehr lebendig, viele kleine Gassen wollen entdeckt werden. Definitiv eine Empfehlung von uns, wenn auch nicht gerade im Hochsommer. Das könnte sehr heiß werden.

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Gassen über Gassen in Perugia

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kein Kommentar dazu

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klassisch umbrisch

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die mittelalterliche Stadt ist lebendig

Es war noch nicht Mittag, als ich Beate aus einer Kleiderboutique zerre. Das ablaufende Parkticket hilft mir dabei. Und außerdem wollen wir ja noch mit den Rennrädern an den Trasimenischen See.

Impressionen aus Assisi

Heute haben wir mal arbeitsfrei und nutzen den wolkenlosen Tag, um die Gegend nördlich von Spoleto zu erkunden. Als erstes ist Assisi auf dem Programm. Wir sind zeitig dran, die Touristenbusse haben ihre Fracht noch nicht ausgeladen. Wir schlendern also fast allein durch die mittelalterlichen Straßen. Die ganze Stadt ist in einem hervorragenden Zustand, eine Pracht und zu Recht Weltkulturerbe.

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eine der vielen Kirchen in Assisi

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ein müder Löwe

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der westliche Teil von Assisi

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musste im Mittelalter mächtig Eindruck gemacht haben

Etwas später sitzen wir im Auto und suchen nach einer Parkgelegenheit in Perugia.

Klettern in Ferentillo

Wir haben unser Berghäuschen in Ferentillo auch deshalb ausgesucht, weil gerade mal 20 Minuten Fußweg entfernt eine ganze Reihe an Klettergärten auch für Mittelklasse-Kletterer wie uns bereit steht (selbstverständlich gibt es hier auch Routen für den oberen Schwierigkeitsbereich).

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Blick über den ersten Abschnitt des Sektors L’Isola

Wenn wir also nach einem langen Lern- und Arbeitstag etwas körperliche Entspannung brauchen, dann geht’s bergab ins Tal und dann über die Nera ins Nachbardorf. Dort wartet 200 m weiter schon die erste Route im Sektor “L’isola”. Der Kalkstein ist angenehm zu klettern, mit feinen Griffen, teils aber auch schon etwas abgegriffen.

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feiner Kalk mit ein bißchen Vegetation

Der entsprechende Guide zum weiten Klettergebiet um Ferentillo lautet: “Vuoto Compreso. 830 VIE. Ferentillo e dintorni. Valnerina – Grotti – Pale”, verfasst von Simona Bartolucci und Andrea di Bari. Der Inhalt ist meist in italienisch gehalten, die Anfahrtswege und Zustiege sind auch in Englisch. Die Topos sind mit Fotos und Routen, Schwierigkeitsgraden (französisch), Seillänge und technische Anforderungen. Das Buch ist in Ferentillo im Kletterladen zu beziehen. Dieser hat allerdings nur am Samstag offen. Dürfte auch in Terni im Kletterladen (werktags offen) zu bekommen sein. Wer sich wie wir im Guesthouse Runcini einquartiert hat, der kann sich das Buch ausborgen. Ein prima Gebiet, dass man auch schon im Frühjahr sehr auskosten kann. Im Sommer ist es untertags aber wahrscheinlich viel zu heiß, am Abend mit Licht aber umso genialer.

Im Hinterland von Perugia

Die Gelegenheiten muss man wahrnehmen. Ist man in Umbrien, so gilt es sich das Umland anzuschauen, die Apenninen, die Bergdörfer. Am besten mit dem Rennrad, da lassen sich schöne Distanzen überbrücken und dennoch alles auch am Straßenrand mitzubekommen, manchmal mehr, als einem lieb ist.

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Streckenprofil – 90km, rund 1.700 Hm

Die jüngste Runde führt uns von San Anatolia die Narco über Gavelli nach Monteleone, eine echte Bergstrecke mit rund 1.000 Höhenmeter Anstieg. Kurz vor Monteleone knallt es wiedermal, ein Platten an Beates Vorderreifen. Bald sind wir in Cascia, einer sehr netten Kleinstadt mit viel Charme und Historie. In der Entfernung sehen wir die Sella di Leonessa.

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Monteleon in der Bildmitte

Noch einmal geht es über eine längere Anhöhe, bevor wir zur langen Abfahrt ausholen. Zunächst nach Norcia, und dann durch das enge Tal des Sordo ins Valnerina, schließlich wieder zum Ausgangspunkt. Diesmal hatten wir öfters einen ruppigen Straßenbelag, das eine Auge schaut immer aufmerksam zum Boden. Viel Sonne und wenig Wind, jede zehn Meter ein anderer Geruch der Flora. Das ist Umbrien, besonders hier im Hinterland von Perugia.

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Cascia

Impressionen aus Ferentillo, Umbrien

Es wird Zeit, unseren selbst gewählten Isolationsort in den umbrischen Bergen vorzustellen: Ferentillo. Das kleine Dorf in der Valnerina liegt rund 20 Kilometer von Treni, der nächst größeren Stadt, entfernt. Von dort sind es noch gut 100 Kilometer südwestwärts nach Rom. Ferentillo schmiegt sich an die steilen Wände des Taldurchschlupfes westlich des Flusses und hatte aufgrund seiner strategischen Lage früher etwas mehr Bedeutung als heute. Ferentillo ist in den letzten dreißig Jahren zu einem recht bekannten Kletterort geworden.

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Ferentillo, Umbrien

Unsere Unterkunft liegt oberhalb von Ferentillo. Das Guesthouse Runcini liegt gut 2 Kilometer und rund 250 Höhenmeter über dem Dorf und ist über eine einfache, nur teils betonierte Straße zu erreichen. Dafür haben wir es hier umso ruhiger. Der Ausblick ist genial, das Haus für uns großzügig, mit viel Platz im Garten oder überall, wo wir verweilen wollen. Diese ehemalige Bergsiedlung ist komplett verlassen, nur wenige Gebäude wurden wieder restauriert und stehen Besuchern offen. Und wir sind die Einzigen hier.

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alles fein restauriert…

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… und großzügig angelegt

Doda, unsere Gastgeberin, ist Künstlerin und kocht für ihr Leben gern. Bei Trüffel-Pasta und Limoncella haben wir uns selbst davon überzeugen können. Wir können das Haus nur empfehlen, und zwar für jene, die ein paar Tage mal in das umbrische Hinterland “verschwinden” wollen. Für uns gibt es in der Nähe reichlich Abwechslung. Ein Klettergarten rund 20 Minuten zu Fuß entfernt, und einige Trailrunning-Strecken gleich vom Haus weg. Mit dem Rennrad (Spoleto, Sella di Leonessa) starten wir dann unten vom Dorf.

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Unser kleines Haus

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auf dem Weg vom Klettern zum Guesthouse Runcini (oben links)

Sella di Leonessa: fast schon eine alpine Runde

Waren wir auf unserer Einstiegsrunde über Spoleta überzeugt, in Umbrien dem Schnee für die Dauer des Aufenthalts nur in Erinnerungen zu begegnen, so wurden wir heute aufgerüttelt. Ja, in Umbrien gibt es tatsächlich Pässe, die diese Tage noch von Schneefräsen geräumt werden.

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auf schattigen, fast autofreien Wegen nach Leonessa

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Beate ante portas bei Leonessa

Die Runde, die uns in der Nähe von Rieti zuerst durch eine lange, bewaldete Schlucht bis nach Leonessa bringt, beginnt unerwartet spät (Reifenpanne schon vor der Abfahrt) und wird recht warm. Erst auf dem Weg zurück um die Monti Rieti kommt etwas frischer Wind auf. Wir staunen nicht schlecht, als wir uns langsam Schneefeldern nähern, dann gar auf der Straße darüber fahren. Kurz unterhalb des Passes Sella di Leonessa (1.900 m) sind die Schneewände gute 1,5 Meter hoch. Wir staunen und begeben uns auf eine unendlich lange Abfahrt bis fast vor die Tore Rietis.

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Sella di Leonessa

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das historische Cantalice

Die letzten zwanzig Kilometer einer gut 90km-langen Runde mit etwa 2.150 m Anstieg fahren wir durch historische Dörfer und Städtchen, teils auf dem Weg des Franz von Assisi. Aber das sehen wir vielleicht ein ander mal.

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empfehlenswerte Runde

Erste Ausfahrt Umbrien

Wir beginnen uns nun einzuleben, in unserem Bergdorf in Umbrien, es ist das völlige Gegenteil von Florenz. Neben der Arbeit und dem Studium schauen wir auch kurz aus dem Haus nach draußen. Es ist sehr, sehr ruhig hier, wir überschauen von unseren Olivenhainen die Valnerina, das Tal welches von Terni nach Norden zieht. In einer ersten kurzen Rundtour (66 km, 1.250 Höhenmeter) haben wir dieses Tal, sein paralleles Gegenüber und die historische Stadt Spoleto erkundet. Die Straßen sind etwas ruppig, aber recht ruhig.

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die erste Radrunde in Umbrien

Die Runde fällt uns leicht, wir trotten so dahin. 15 km vor Spoleto dann der erste Sprühregen, der uns in Spoleto in eine Trattoria zwingt. Kaffeepause, trocknen. Bald geht es über die Fuorca di Cerro wieder in die Valnerina, die Räder laufen gut. Es ist Mai, wir sind in Umbrien, alles ist gut.

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wie in antiken Zeiten, aber mit Asphalt

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mit dem Rad durch das Weltkulturerbe Spoleto