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Seonginbong: kleine Tour mit viel Action

Heute spielen wir wieder die Bergrettung auf Uleung. Diesmal für den älteren Bruder. Der Jüngere sitzt ja im Hotel mit dem Arm in der Schlaufe. Für den Älteren kommt es noch dicker. Der Aufstieg auf den Seonginbong (984 m) ist schon anstrengender als gedacht. Der Schnee ist schwer und besonders im unteren Teil recht durchweicht. Am Gipfel kocht Max Nudeln, der Tag ist herrlich ruhig, das Wetter passt. Die Abfahrt, die keine Stunde (wegen eines Gegenanstiegs) dauern sollte, wird zur Nachmittagsbeschäftigung.

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irgendwo im typischen Uleung-Gelände

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kurzer Fuss-Anstieg

Die Beine so weich wie Pudding ist es schwer, einen Bogen im tiefen, schweren Schnee zu ziehen. Da wird die Abfahrt im Wald unlustig, und wir nennen die Route nun „Hitparade“. Wieviele Crashes es nun waren, können wir nicht mehr nachvollziehen, aber an den Baum geraten ist Wonhyuk sicher eine ganze Handvoll. Das erste Mal so heftig, dass wir ihn schon im Spital sahen. Die anderen Male staunten wir, dass seine Beine gehalten haben. Der letzte Sturz war ausnahmsweise kein Baum die Ursache, sondern die Bindung, die nicht zuging und er mit einem Ski in der Hand über einen Abhang ausrutscht. Ein Bild für Götter – in Seemannsköpfler-Manier über ein zwei Meter Erdloch drüber gesaust, dann eine ganze Steilrinne (locker an die hundert Meter Länge) kopfvoraus hinunter gesegelt. Das muss man ihm hoch anrechnen, er hat bis zum Schluss durchgehalten. Kein Mucks, kein Herumgemaule. Aber am Abend ist er dann richtig fertig, wie nach einem Thai-Boxkampf verdroschen. Das rechte Jochbein geschwollen, der Nacken beidseitig verstaucht, die Brust ramponiert, beide Knie hochrot und verformt, … Wonhyuk nimmt noch alle Energie zusammen und lädt uns als Dankeschön zu einem Essen ein. Vom ersten bis zum letzten Sturz haben wir ihn ausgegraben, seine Ausrüstung zusammengesammelt, ihn aufgestellt und die Bindung wieder auf Vordermann gebracht.

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Schnee genug auf der Insel

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Chef Max beim Gipfel-Nudel-Koch

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Wonhyuk fährt in die “Hitparade” ein

Man sieht es immer wieder: auch bei kleinsten Touren gehören Erste Hilfe, Schaufel, Sonde, Werkzeug, Biwaksack und der Pieps zur Standardausrüstung. Denn auch Beate hat wieder einmal ein Lawinenerlebnis. Der Ausdruck ist wohl etwas übertrieben, aber der schwere, nasse Schnee ist wie Zement. Und wenn der einmal in Bewegung gerät, ist das wie eine Mure. So eine kleine Mure begräbt Beate bis zum Knie. Sie kommt nicht mehr raus, bis sie ihre Schaufel zum Einsatz bringen kann. Aber diese fünf Minuten sind kritisch, weil sie potentiell von einem Nachrutsch vollständig verschüttet werden kann. Alles geht gut und wir können einigen koreanischen Wanderern im untersten Teil ein paar alpinistische Kunststückchen (aka ‚ohne Sturz auf Skiern vorbeirasen‘) vorführen und gar eine Steiltreppe mit den Ski runterbrettern.

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frischer Fang am Kai