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Rolle, Cereda, Valles: mit 18% bist du dabei

Als ich die Augen öffne ist der Himmel schon blau-grau, die weit entfernte Pass-Straße zum Sellajoch aber noch ruhig. Ich überlege noch, ob ich mich schon aus dem Biwaksack zwängen soll, oder mir einfach der Tatsache verweigern soll, dass die Nacht schon vorbei ist. Die steinerne Stadt hat uns gut über die Nacht gebracht. Der Gedanke an einen heißen Kaffee überzeugt mich doch, den Reissverschluss zu öffnen. Ich bleibe im Schlafsack sitzen, während ich die Gaskartusche am Kocher montiere, Wasser eingieße und den Kochvorgang beginne. Beate schläft noch, als ich den ersten Schluck nehme. Das tut nicht nur gut, das tut so richtig gut.

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unterhalb des Passo Rolle, in den Wolken die Dolomiten

Irgendwann ist auch Beate auf, das Frühstück gemacht (Expedition Breakfast!), und die leicht feuchten Biwaksäcke verräumt. Etwas wortkarg marschieren wir zwischen Felsen zur Straße und weiter zum Wagen, schließen auf und fahren über das Sellajoch nach Predazza. Ein Örtchen südlich der Sella-Gruppe. Wir folgen der Straße noch ein bißchen weiter hinauf Richtung Passo Rolle, und nach einer Umziehaktion klicken wir mit unseren Radschuhen wieder in die Pedale. Es geht hoch zum Passo Rolle, der sich noch recht eingehüllt zeigt. Der Aufstieg fällt leicht, aber die Abfahrt ist lang und kalt, und uns schlottern schon wieder die Arme, als wir durch San Martino de Castrozza fahren. Es geht noch weiter steil abwärts, die Talsohle erreichen wir Fiera di Primiero. Wir freuen uns schon auf den nächsten Aufstieg, auch wenn er im Radführer als saftig steil beschrieben wird.

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auch der Passo Cereda ist geknackt

Der Anstieg zum Passo Cereda ist nicht lang, aber wie versprochen hochprozentig, mit 18% über längere Abschnitte. Dennoch fühlen wir uns am Pass nicht ausgeblutet, fahren ohne viel Aufhebens wieder ab Richtung St. Andrea, wo nochmals ein kleiner Anstieg bevorsteht. Es ist bald Mittag, ich hab Hunger und stopfe mir unterwegs Schokoriegel, Brot und Roulade in den Mund. Das ist okay, denn auch in Agordo gibt’s keine Pause. Ab hier empfinde ich die Strecke als lästig, eine Schnellstraße mit einem langen Tunnel bis nach Cencenighe. Der Ort kommt uns bekannt vor, und tatsächlich erinnern wir uns einmal an eine vergangene Tour: vom Passo S. Pelligrino kommend passierten wir diesen Ort auf dem Weg zum Passo de Fedaia.

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das letzte Stückchen eines langen Anstiegs zum Passo Valles

Der Aufstieg nach Falcade ist unangenehm, weil er durch ein Tunnelstück hinauf führt. Dementsprechend lange ist man in dieser lauten Röhre. Die Strecke beginnt sich zu ziehen, und in Falcade machen wir endlich mal Rast. Käsebrot. Fruchtriegel. Wasser. Yeah. Und dann wieder der Sattel, den Beate schon nicht mehr sehen möchte. Der Anstieg bleibt hart, aber wenigstens ohne Verkehr, und ab und zu kommen wieder ein paar 18%ige Rampen hinzu. Das Tempo verringert sich dementsprechend, doch das Wetter hält, und der letzte Pass des Tages, Passo Valles, kann sich unsereins nicht erwehren: wir kommen hinauf, klatschen ab, ziehen Jacke, Handschuhe und Brillen auf, und schon geht’s abwärts ins Tal, zum Auto, in das wir uns müde und zufrieden setzen. Was nun, nach Penser Joch und Passo Rolle? Gemächlich fahre ich die Landstraße hinaus aus den Dolomiten, währen Beate über noch mögliche Rennrad-Varianten hier in der Gegend grübelt. Viel ist nicht mehr über. In der Brenta? Oder weiter südöstlich in Richtung Cortina? Wie auch immer die Antwort ausfällt, nur Beate kennt sie. Sie bleibt unausgesprochen, denn meine Mitfahrerin schläft prächtig, nach einem Besuch in Bozen und einem Abendessen in Steinach am Brenner.

Transalp 2010 – Tag 5: Mestriago – Trento

Nun hatten wir die wildesten Pässe und längsten Tage hinter uns gelassen (Tag 3 und Tag 4), ein prima Frühstück genossen und nun saßen wir auf den Sätteln unserer Räder schon am letzten Abschnitt unserer Transalp 2010. So schnell kam das Ende, dass wir es gar nicht realisieren wollten.

Von Dimaro (788 m) ging es gleich hoch über kleine Alpen (Malga di Mondifra, 1.646 m) zum touristischen Prestigeort der Region Brenta, Madonna di Campiglio (1.536 m). Die Strecke war ein Genuss ruhiger Wälder, Madonna di Campiglio eher ein Ort massentouristischer Grausamkeiten. Wie auch immer, der Ort war voll von Leuten, und wir konnten nicht schnell genug das Weite suchen. Das fiel zunächst auch nicht schwer, denn es ging hinab ins Val d’Agola (1.234 m).

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Berge der Brenta in Wolken

Nun folgte der zweite Anstieg des Tages, vorbei am Lago d’Agola (1.601 m) zum Passo Bregn de l’Ors (Bärenpass, 1.848 m), wo wir uns im Schieben mit ein paar verbissenen Bikern messen “mußten”. Das Ergebnis (2:0 Vorarlberg – Deutschland) sagt eh schon alles, und wir hatten am Bärenpass eine feine Vor-Mittagspause.

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Am Lago d’Agola

Ein schneller Trail und eine grobe Schotterpiste führten uns das Val d’ Algona hinunter, und mit leichten Aufstiegen bis nach Stenico, einer schön gelegenen Ortschaft über dem Torrente Arno. Von dort war es auch schon nicht mehr weit – über dicht befahrene Straßen und durch zahlreiche Tunnel über Vezzano nach Trento. So schnell die Abfahrt, so rasch das Ende der Tour. Kaum in Trento angekommen, suchten wir den Bahnhof, den nächsten Zug und erwischten in Landeck einen netten Busfahrer, der uns mit den Rädern nach St. Anton mitnahm. Ein schöner, flotter letzter Tag, wir hatten viel erlebt und werden Ähnliches wieder machen wollen. Caio Trentino, alegro Engadin!

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Schön gelegen: Stenico

Transalp 2010 – Tag 4: La Baita – Mestriago

Nach der Monster-Etappe von Tag 3 hatten wir einen wahrlich erholsamen Tag vor uns – drei Pässe mit etwas mehr als 2.000 Höhenmetern. Nach einem sehr ausgiebigen Frühstück auf La Baita (1.884m) bei Alessandro starteten wir durch das Valle di Rezzalo hinauf zum Passo dell’ Alpe (2.463 m), über steinerne Römerwege, vorbei an schläfrigen Schafherden und munteren Schafhirtehunden. Die Sonne kam uns entgegen, als wir die letzten Meter zum Pass hinaufschoben, es sollte ein feiner Tag werden.

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So schön können frühe Morgenstunden sein

Die Abfahrt war ein Trail auf einem etwas breiteren Grobschotterweg, rucklig aber ob des Panorama um den Monte Cevedale unglaublich schön. Schon bald stießen wir auf die Passstraße (2.305m) zum Passo Gavia, und schon hieß es wieder ordentlich in die Pedale treten. Glücklicherweise hatten wir wenig Verkehr, und so hielt sich der Stress in Grenzen. Die Straße verlief ruhig und gleichmäßig sanft steigend bis zur Passhöhe (2.637 m), ein Klassiker des Giro d’Italia. Auf der Passhöhe kamen uns schon die ersten Rennradfahrer entgegen, die von Pezzo kommend schon mehr als 1.000 Höhenmeter in den Beinen hatten. Wir genossen die Aussicht, zogen unsere winddichten Jacken über und schoßen in die enge Abfahrt hinunter. Mehrere Dutzend Kehren kamen uns entgegen, und dann ein völlig dunkler Tunnel, wir fuhren einfach auf “Verdacht”. Alles ging gut, manchmal erahnte man andere Radfahrer auf der anderen Seite durch ihr Schnaufen.

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Nahe des Passo Gavia

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Abfahrt vom Passo Gavia

Immer weiter bohrte sich die Straße ins Valle delle Messi, und in Pezzo (1.573 m) bogen wir dann endgültig ab, um wieder Höhenmeter zu gewinnen. Jetzt wurde es richtig spannend. Noch schnell eine Stärkung eingekauft, und schon mussten wir die steilen Straßen durch das Dorf passieren, später eine schmale Piste zum Case di Viso (1.751 m). Dort wurden wir vom August-Rummel der Italienischen Urlauber überrascht, alles fuhr und lieft den Berg hinauf, zum Refugio Bozzi, einem unserer Zwischenziele. Die Straße hatte es in sich, war holprig, hart zu fahren, staubig, und wie erwähnt mit viel Verkehr. Manchmal mussten wir schieben, aber bis zum Refugio hatten wir das meiste doch fahren können. Beate erwies sich hier als unermüdliche Alpencrosserin.

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Montozzo-Scharte

Bei der Hütte Bozzi (2.489 m) schlug dann das Wetter kurz um, es wurde dunkel, Gewitter drohte, Nebel zog ein und es fing an zu regnen. Mit Regenmontur schoben wir dann den steilen Schlusshang die Räder hoch zu den Stellungen auf der Montozzo-Scharte (2.613 m). Kaum oben angelangt schien schon die Sonne, und wir waren schon auf dem Trail nach unten. Zuerst etwas flacher und holpriger, dann steiler und immer noch holprig. Bei einem kleinen Sprung verfing sich mein Vorderrad an einem Block und ich machte eine Hechtrolle seitwärts über die Schulter. Alles bestens, Rad ok, Radler ok, und weiter ging es. Leider wurde der Weg für uns nun zu steil, mit unseren Rädern kaum zu bewältigen. Also schieben und fahren, schieben und fahren, dann endlich durch einen Föhrenwald eine wilde Single-Trail Gaudi ohne Sturz bis zum Lago di Pian Palu (1.818 m).

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Abfahrt zum Lago di Pian Palu

Die Schlussabfahrt des Tages folgte den Ferienorten Peio (1.430 m), Fucine (998 m) und Pellizano (956 m), bis wir auf guter Asphaltpiste und feinen 50km/h Durchschnitt unsere Übernachtungsmöglichkeit in Mestriago unweit von Dimaro fanden. Zur Belohnung gab’s heiße Dusche, ein Spar-Buffet im Zimmer und einen Fernseher mit einem Sender auf italienisch. Gut erholt fielen wir schon gegen 21.00 ins Bett…

Radtour um den Rosengarten

Am ersten gemeinsamen Tag starteten wir folgerichtig mit den Rennrädern eine Explorationsrundfahrt um die Rosengartengruppe. Von Bozen (260 m) ging es zunächst über viele Tunnels ins Eggental, ein einziger langer Aufstieg mit mäßiger Steigung bis Welschnofen (ca. 1.200 m). Der Weg wurde ab hier ein wenig steiler, das Tal enger und die Serpentinen häufiger, bis man beim Karersee (ca. 1.560 m) schon den kommenden Pass ein wenig riechen kann. Doch es zieht sich, und da nun der Wald weg ist, empfängt uns die Sonne mit Hitze.

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Im Eggental

Es sind noch gute 200 Höhenmeter zur Passhöhe Karerpass (1.745 m), aber dann ist die erste Pause fällig. Wir haben ordentlich Energie verbraucht, und verputzen unsere Jause zur Gänze. Hier sind wir an der südlichen Spitze der berühmten Rosengartengruppe, einer Ansammlung faszinierender Gipfel und Felswände.

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super gsi!

Auf dem Weg zum Sellajoch

Auf dem Weg zum Sellajoch

Die Abfahrt ins Trentino geht über Vigo di Fassa nach Pozza di Fassa (1.325 m, wo wir uns mit einer großen Jause eindecken). Nun steigen wir wieder langsam hoch nach Canazei. Jetzt wird’s wieder steil, viele Kehren warten auf uns, denn es geht auf das Sellajoch (2.244 m). Die Aussicht auf die umliegenden Berge ist grandios, umfahren nun die Rosegartengruppe vom Westen und erblicken im Nordwesten den Langkofel (3.181 m). Im Osten baut sich die Sellagruppe auf.

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Das Sellajoch

Nun folgt eine einzige Abfahrt – zunächst Wolkenstein, St. Christina und St. Ulrich bis nach Waidbruck an der Eisack. Der Radweg führt uns dann recht flach bis nach Bozen zurück. Apropos Radwege: da kann sich das Land Vorarlberg einiges an einer durchgängigen Kennzeichnung bzw. Aufbau eines Radwegenetzes ordentlich was von den Südtirolern abschauen!

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Die Grohmannspitze am Sellajoch

Landschaftlich eine unglaubliche Runde mit machbaren 115 km und rund 2.700 Höhenmetern. Aber schon eine Stufe schwieriger als die Tour Chur-Lenzerheide-Davos-Chur. Am nächsten Tag stand die nächste Prüfung auf dem Programm – das Martelltal.

Radrunde Rosengarten

Überblick über die Radrunde