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Transalp 2012: Tragen, Eisjöchl, was sonst noch?

Von der Schneebergscharte hatten wir uns gut erholt. Zumindest kamen wir früh aus dem Bett, bedienten uns am Frühstücksbuffet der Schneeberghütte (2.355 m), zusammen mit den hier am Berg Arbeitenden. Der Rest der hier Freiwilligen schlief noch fest. Im Morgengrau geht’s also hinaus, zu den Rädern, und gleich auf eine feine Downhillstrecke, die uns über Karrenwege zur Bundesstraße, die vom Timmelsjoch herunter kommt, bringt. Sogar die Kühe schauen uns verschlafen an, als wir vorbei sausen. Auch ist die Bundesstraße fast frei von Verkehr, so dass uns auf den gut 10 Kilometern Abfahrt nicht ein mal ein Dutzend Autos entgegenkommt, neben zwei Kühen.

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Morgen oberhalb von Moos in Passeier

In Moos in Passeier (1.007 m) decken wir uns erstmal mit einer ordentlichen Jause für den Weg ein. Es wird steil werden, und lang. Wir folgen den Serpentinen ins Pfelderer Tal, zunächst am nördlichen Rand, und später auf einer etwas breiteren Asphaltstraße über Pfelders (1.628 m) zur Lazinser Hütte (1.782 m). Ab der Alm beginnt der antizipierte Schiebeweg. Doch zum Unterschied der vorigen Tage sind wir hier nicht allein. Eine Busladung Senioren, dazu Urlauber aus Pfelders, versuchen sich im Bergwandern. Da muss man sich als Biker einiges anhören. Warum wir denn nicht fahren, sondern schieben (haha). Warum wir keinen Motor haben (hehe). Warum wir überhaupt hier sind (hoho). Als der Regen einsetzt und die meisten letztlich umkehren, wir aber mit Regenmontur die Räder weiter gegen die Schwerkraft nach oben stemmen, sind wir kopfschüttelnd dann doch und schließlich “wilde Hund'”.

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Beginn der Schiebestrecke zum Eisjöchl

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Stettiner Hütte oder türkisches Bad?

Über zwei Stunden geht das so. Regen, Wind, Kurve um Kurve das Rad schieben und tragen, das linke Pedal aus der Wade entfernen, kurz fluchen, Nase putzen, nächster Schritt. Das klingt nach Monotonie, und es ist eine. In einer Wolke gibt’s nichts zu sehen, ausser Gestrandete, Überholte und Überholende, oder Entgegenkommende. Bei Wind und Wetter ist auf dieser Höhe bald jeder mit sich selbst beschäftigt, die tiefschürfenden Sprüche bleiben nunmehr aus. Mag auch daran liegen, dass jeder am Eisjöchl (2.908 m) nur noch in die Stettiner Hütte will, dass mit seiner eng bemessenen Stube aber dem deutlichen Andrang wegen einem Hennenhaus gleicht. Die Scheiben laufen an, denn die Besucher dampfen, und die heißen Suppen tun ihr Übriges. Wir bleiben gerade mal fünfzehn Minuten, zum Erstaunen unserer Tischnachbarn.

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vom Eisjöchl hinunter

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auch im Regen kann’s lustig sein

Wieder in Regenmontur passieren wir das Eisjöchl und müssen wieder einmal in kaum fahrbares Gelände blicken. Zumindest am Anfang, dann wird’s von Meter zu Meter besser, bis heraufkommende Wanderer schon zur Seite treten müssen. Uns hält jetzt nichts mehr auf, wir wollen ins Tal. Und das heißt letztlich über groben Schotter zum Eishof im Pfossental (2.069 m), später auf Asphalt durch das Schnalstal raus ins Vinschgau nach Naturns (554 m). Die Abfahrt ist rasant, und plötzlich schießen wir aus einem Tunnel wie die Kanonenkugeln aus den Bergen ins tropisch-warme Tal der Äpfel und Schwimmbäder, raus aus der Transalp 2012. In Naturns wird ausgiebig regeneriert, im Schwimmbad, im Supermarkt, und etwas später auch im Büssle, das aber schon in Ayers, unser Sprungbrett für eine Hochtour zum Monte Cevedale. Ja, so schnell vergehen auch vier harte Tage.

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das Eisjöchl schon weit weg, nun bald im Schnalstal

Transalp 2012: Ein Schicksalsberg? Nein, die Schneebergscharte.

In den ersten Tagen unserer Transalp hatte ich stets das Gefühl, von einem tiefen Tal in ein noch tieferes zu gelangen, und über einen hohen Pass noch einen höheren zu erklimmen. Das Wetter wirkte bedrohlich, und so hatten Tag 1 und Tag 2 etwas von einer Reise ins Ungewisse. Auch als wir von der Sattelalm (1.637 m) aufbrechen, fahren wir in den Morgennebel, der sich in den Berghängen des Grenzkammes am Brenner festsetzt. Wie Frodo und Sam auf ihrem Weg zum Schicksalsberg suchen wir unseren Weg im dichten Wald hinauf zum Sattelberg (2.115 m), hören Glocken, sehen Weiden, und irgendwann das Gipfelkreuz. Für Momente, denn es verschwindet wieder und wieder, bis wir auf der Südtiroler Seite dem Kamm folgen, auf breiten, aber abschüssigen Militärstraßen.

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am Brenner Grenzkamm

Diese Momente sind eigentlich die Schönsten. Wir sind hier oben ganz allein, der Wind spielt mit den Nebelbänken, und wir gleiten über das hügelige Gelände vorbei an alten Kasernen, Stellungen und Schießscharten. Eine alte, vergessene Welt, an der wir vorbei fahren und sie im Nebel zurück lassen. Später, als wir das Steinjoch, das Kreuzjoch, den Lorenzenberg und schließlich das Sandjöchl passiert haben, nach einer langen Abfahrt nach Gossensaß (1.100 m), da ist die Zivilisation und die Wärme, das Vertraute und das Laute. Über die Bundesstraße kommen wir nach Sterzing (945 m), und biegen ab ins Ridnauntal.

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ausrangierte Erzwaggons

Die Fahrt verläuft zunächst gemächlich, vorbei am Liftbauer Leitner, und schön langsam hoch – Dorf für Dorf. Erst in Mareit (1.070 m) verschaffen wir uns Zugang zu einem kleinen Markt, halten eine kurze Mittagsrast am Gehsteig, fühlen uns bereit für einen langen Anstieg über Ridnaun (1.357 m) bis nach St. Lorenzen und seinem Bergbaumuseum. Hier beginnt das Reich der Knappen und der Schienen, des Eisens und der Stollen. Und die der Vergangenheit. Die Bergwerke sind alle schon längst still gelegt, nach Jahrhunderten reger Grabtätigkeit. Im Zick-Zack geht es hinauf, sehr steil, später flach ins Lazzacher Tal, der Himmel dunkelgrau und bedrohlich, und wieder niemand außer uns auf diesem langen Weg zu einer Scharte, von der wir nicht wissen, ob und wie sie begehbar ist. Das lange Tal hört dann irgendwann mal auf, zumindest für uns, als wir das verfallene Poschhaus erreichen, wieder so ein markanter Punkt dieser Bergbauvergangenheit.

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aus den Stollen …

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… hinauf zur Schneebergscharte

Bald beginnt das Schieben und Tragen, denn es ist so unfahrbar steil und steinig, dass selbst der Gehweg mühsam wird. Wir stoßen die Räder im Nebel hinauf, können die Scharte nicht ausmachen, also schieben wir auf Verdacht. Es ist nass, aber es regnet nicht, und der Schnee zeigt sich ebenso wenig. Überall Stollen, rostige Schienen, verfaulende Holzbalken, historische Momente. Unter uns im Berg der Poschhausstollen, über uns auf 2.700 m Seehöhe die Schneebergscharte, die wir dann schließlich nehmen. Auch auf der anderen Seite tragen wir die Räder, der Weg ist hier nicht anders. Aber diese Scharte haben wir passiert, und damit ist die Transalp 2012 auf einem guten Weg. Diese Wendepunkte sind eindeutig, und man bemerkt sie in jenem Moment, in dem sie überschritten werden.

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unser Paradies für eine Nacht: die Schneeberghütte

Wie in einem schlechten Film öffnet sich der Himmel, und wir fahren die letzten Kilometer auf holprigem Trail zur Schneeberghütte, dem ehemaligen Schutzhaus der Bergbauarbeiter, ab. Wir trauen unseren Augen nicht. Diese Hütte ist eine kleine Siedlung, und wir auf einem paradiesischen Eiland innerhalb einer bedrohlichen See. Schnell sind wir in der Hütte, schnell haben wir geduscht, verbringen die nächsten fünf Stunden brav am Tisch in der Stube beim Studium diverser Alpen-Magazine, essen uns wieder einmal durch die Speisekarte und trinken reichlich. Bald träumen wir von der kommenden Nacht, und wissen, dass wir am nächsten Tag schon wieder im Büssle zu nächsten Zielen aufbrechen werden. Die Ungewissheit des Weges war die Voraussetzung für eine befriedigte Seele.

Transalp 2012: Durch die Tuxer Alpen

Das Wetter bessert sich nicht, Tag 2 der Transalp 2012 schaut aus wie Tag 1. Wir schauen aus dem kleinen Zimmerfenster hinaus, Wolken liegen auf den Bergen, die Wege sind nass, die Hänge weiterhin Schnee-bedeckt. Nach einem Frühstück, bei dem ich ordentlich zulangen kann, pushen wir unsere Räder sogleich über die ersten Steilstufen des Karrenweges. Der Puls schießt hoch, und wir sind froh, dass der Weg bald wieder moderater ansteigt. Unterhalb des Geiseljochs (2.291 m) kommen wir in den Schnee, müssen schieben, und sehen vom Joch nach Süden: die gesamte Flanke ist schneebedeckt. Also: mehrere hundert Höhenmeter das Rad nach unten tragen, durch nass-glitschigen Schnee. Die ersten Tättowierungen unserer Waden durch die Pedale der Mountainbikes folgen prompt.

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im Norden (Nordkette über Innsbruck) reißt die Wolkendecke auf, …

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aber im Süden zum Geiseljoch schaut’s trüb aus

Mühsam geht’s abwärts. Wir haben ja nicht die leichtesten Räder. Ich staune immer wieder, was da an High-Tech-Material unterwegs ist. Mein’s ist ja richtig nostalgisch (nett formuliert), mit Backenbremsen, 14kg Gesamtgewicht, 2mm Federweg vorne, hinten steif, Pedale ohne Klickverschluss. So ist das, und wir nennen es “Training unter erschwerten Bedingungen”. Und so ist auch die weitere Route. Zunächst prächtig von einer Alm im Hobarbachtal auf gutem Weg bis ins hintere Zillertal hinunter blasen, bei Vorderlanersbach (1.257 m) auf die Tuxerstraße wieder langsam hoch aber gemütlich nach Hintertux. Wir staunen ob der alpinen, Tiroler Tourismusarchitektur.

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das hintere Zillertal

Ab Hintertux (1.532 m) folgen wir einem Karrenweg, ich mache zwei Fotos, Beate fährt weiter, und schon haben wir uns aus den Augen verloren. Ein paar Abzweigungen später und jeder sitzt irgendwo. Gut, dass es Mobiltelefone und Empfang gibt, und dass der andere auch abnimmt. Irgendwie finden wir wieder zueinander, und merklich mühsamer geht es zur Sommerbergalm (1.986 m). Endlich mal eine Pause, die auch der Blick auf schneebedeckte Strecken nicht trüben kann. Zum Tuxer Jochhaus (2.310 m) müssen wir dann hin und wieder schieben, aber das ist auch wurst. Denn oben geht’s sich ein kurzer Abstecher zum Gipfel des Pfannköpfl (2.388 m) aus.

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Ausflug zum Pfannköpfl

Die Fahrt übers Tuxer Joch (2.339 m) ist wenig spektakulär, oben lauert ein Speichersee für die künstliche Beschneiung der Tuxer Skigebiete. Das Üble kommt erst: lange 600 Höhenmeter die Bikes hinuntertragen, teils auf rutschigem Schnee, in engen Windungen, auf nassen Pfaden. Sehr lästig, mühsam, unlustig. So stellt man sich keine Abfahrt vor. Erst beim Kaserer Bach können wir wieder auf den Sattel und heizen durch Kasern (1.625 m) vorbei ins Schmirntal nach St. Jodok am Brenner (1.129 m). Der Himmel ist nun fast wolkenlos, als wir ein kurzes Stück entlang der Brenner Bundesstraße bis Gries am Brenner (1.160 m) hochfahren.

Der Tag ist nun schon lang, aber noch nicht fertig. Das Wasser geht uns aus. Zunächst steigen wir nach Vinaders (1.269 m) hoch, und dann über eine steile Piste hinter der Kirche auf einen Karrenweg. Dieser schlängelt sich steil über dem Wipptal und dem Brennersee, und recht ausgelaugt kommen wir endlich zur Sattelalm (1.637 m). Fahrrad abstellen, duschen, und essen was das Zeug hält. Ich esse mich fast durch die ganze Menükarte durch, Beate zählt schon mal vorsichtshalber unser Geld. Das war ein anstrengender, toller Tag, auch wenn der Hintern ein wenig schmerzt. Tag 3 wird eh härter.

Transalp 2012: zur Weidener Hütte

Eine Mountainbike-Transalp ist auch immer eine logistische Angelegenheit. Hütten organisieren, Pläne ausdrucken, Karten besorgen und nicht zuletzt den Transport der Räder zum Ausgangspunkt und von der Zielankunft weg organisieren. Wie in 2011 haben wir auf unser Büssle als Basislager gesetzt:

  • als Transportmittel für unsere Räder
  • als Übernachtungsmöglichkeit vor dem Start
  • als schneller Transfer nach der Tour nach Sulden zur anschließenden Hochtour in den Ortler Alpen

Da derzeit die Brennerbahn auf der österreichischen Seite aufgrund von Modernisierungsarbeiten nicht fährt und der Schienenersatzverkehr nur eingeschränkt Bikes mitnimmt, fahren wir am Vorabend nach Schwaz in Tirol und laden dort am Bahnhof unsere Räder ab. Wir queren dann den Brenner und übernachten in Naturns/Vinschgau im Büssle. Am nächsten Morgen geht’s per Bahn wieder über den Brenner retour nach Schwaz (545 m), wo unsere Räder für die erste, nachmittägliche Etappe auf der Transalp 2012 warten.

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nebelig und regnerisch

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nicht mehr weit zum Tagesziel…

Das Wetter ist erwartungsgemäß schlecht. Kalt, regnerisch, wolkenverhangen der Himmel. Dick eingehüllt in regenfeste Kleidung strampeln wir nach Pill, und dann über eine vielbefahrene Straße hinauf nach Mitterweerberg (882 m). Noch macht es keinen Spaß, und wir versuchen so gut wie möglich trocken zu bleiben. Die Straße wird schmäler, die Autos weniger, als wir mit einigen Kühen Innerst/Rieder (1.191 m) erreichen. Endlich, der erste Forstweg, und dieser schlängelt sich immer höher und immer weiter in den Süden bis zur Weidener Hütte (1.800 m). Für einen Nachmittag bei diesem Wetter eine gut kalkulierte, kurze Etappe, denn in der Weidener Hütte ist der Rad-Tag zunächst zu Ende. In der Stube wärmen wir uns auf, die heiße Dusche gibt was her, und auch der Trockenraum hält, was er verspricht. Wir sind gerüstet für Tag 2.

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…, die Weidener Hütte

Mini-Transalp 2012

Wie in den letzten Jahren wollen wir auch dieses Jahr mit den Mountainbikes über die Berge. Die diesjährige Transalp ist etwas kürzer als 2010 und 2011: 4 Tage, 215 km, 8.100 Höhenmeter. Die Strecke führt im Wesentlichen von Schwaz im Tiroler Inntal über die Tuxer Alpen zum Brenner, und weiter in den Stubaier Alpen ins Passeiertal übers Eisjöchl nach Naturns im Südtiroler Vinschgau.

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Der Routenverlauf

Die Route im Detail:

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Wettersituation in den Tuxer Alpen

Insgesamt eine sehr schöne Tour, wenn auch zeitweilig mit einigen sehr lästigen Tragepassagen und längeren Asphaltwegen. Auch das Wetter war zeitweise etwas widerspenstig – Schnee und Kälte in der Höhe machte das Passieren der Pässe oft zu einer Rutschpartie, und das zweite Paar Handschuhe im Rucksack war keine schlechte Idee – wir hatten aus 2011 gelernt…

MTB Classico: Martigny ins Aosta-Tal

Als einer der schönsten Alpenüberquerungen mit dem Mountainbike ist in der Szene der Hochgebirgsweg von Martigny über das Val de Gagnes ins italienische Aosta bekannt. Dieser Weg diente uns als Einstiegsetappe für eine 5-tägige MTB-Schleife in der Region Wallis-Gran Paradiso-Mont Blanc. Im Wesentlichen hielten wir uns an einen Titel von Achim Zahn (“Alpencross: Mit dem Mountainbike über die Ost- und Westalpen“). Wir hatten ja schon mit anderen Titeln des Autors zu tun gehabt und waren recht zufrieden damit (“Mountainbike Trails“).

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Das Val de Bagnes

Der Tag begann mit wolkenlosem Himmel (fast so wie am Vortag im Klettersteig bei Champéry) aber einer lauten Straße, die uns von Martigny (471 m) bis nach Sembrancher brachte. In Lourtier (1.074 m) machten wir mal Kaffee-Pause, bevor es immer noch auf Asphalt weiter durch das Val de Bagnes nach Fionnay (1.491 m) und später auf die Dammkrone des Lac de Mauvoisin (1.975 m) ging. Hunderte Meter ging es zunächst durch kleiner Tunnels entlang und oberhalb des mehrere Kilometer langen Sees, bis man auf einem schönen Karrenweg den See entlang fahren konnte. Hier schoben wir bei Sonnenschein eine kurze, aber feine Mittagspause ein.

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Der Lac de Mauvoisin von Süden aus

Der Weg zur Cabane de Chanrion (2.462 m) wurde nun ruppiger, war aber immer noch fahrbar. Vor der Hütte bogen wir aber ‘rechtzeitig’ zur Alpe Grand Charmotane nach Süden ab. Nun ging es nurmehr im Schiebeverfahren weiter, ganze 500 Höhenmeter hinauf. Am Ende wartete das Fenetre de Durand (2.797 m) auf uns, eine breiter Grenzsattel zwischen der Schweiz und Italien.

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Hinten: Glacier du Brenay

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Nur noch wenige Meter vor dem Fenetre de Durand

Das Geschiebe hatte aber noch keine Ende, auf dem Weg ins italienische Valpeline mussten noch zahlreiche Blockstein-Passagen überwunden werden. Der Trail abwärts war aber größtenteils ein Fahrspaß. Über Valpeline (960 m) fuhren wir im Eiltempo nach Aosta (580 m) ab, quer durch die Fußgängerzone bis zu einem Bäcker, und wenig später und schon ein wenig ausgelaugt, über eine Landstraße nochmals gute 15 km bis nach Villeneuve zu unserer Unterkunft “Edelweiss“. Diese erwies sich mit ihrem Wirt als ein Glückgriff (fairer Preis, ausgiebiges Abendessen, sehr frühes Frühstück und auch noch die guten Englisch-Kenntnisse des Wirten!).

Insgesamt hatte diese Etappe rund 105 Kilometer und ca. 2.700 Höhenmeter. Am nächsten Tag ging es ins Valsavarenche.

Transalp 2010 – Tag 5: Mestriago – Trento

Nun hatten wir die wildesten Pässe und längsten Tage hinter uns gelassen (Tag 3 und Tag 4), ein prima Frühstück genossen und nun saßen wir auf den Sätteln unserer Räder schon am letzten Abschnitt unserer Transalp 2010. So schnell kam das Ende, dass wir es gar nicht realisieren wollten.

Von Dimaro (788 m) ging es gleich hoch über kleine Alpen (Malga di Mondifra, 1.646 m) zum touristischen Prestigeort der Region Brenta, Madonna di Campiglio (1.536 m). Die Strecke war ein Genuss ruhiger Wälder, Madonna di Campiglio eher ein Ort massentouristischer Grausamkeiten. Wie auch immer, der Ort war voll von Leuten, und wir konnten nicht schnell genug das Weite suchen. Das fiel zunächst auch nicht schwer, denn es ging hinab ins Val d’Agola (1.234 m).

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Berge der Brenta in Wolken

Nun folgte der zweite Anstieg des Tages, vorbei am Lago d’Agola (1.601 m) zum Passo Bregn de l’Ors (Bärenpass, 1.848 m), wo wir uns im Schieben mit ein paar verbissenen Bikern messen “mußten”. Das Ergebnis (2:0 Vorarlberg – Deutschland) sagt eh schon alles, und wir hatten am Bärenpass eine feine Vor-Mittagspause.

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Am Lago d’Agola

Ein schneller Trail und eine grobe Schotterpiste führten uns das Val d’ Algona hinunter, und mit leichten Aufstiegen bis nach Stenico, einer schön gelegenen Ortschaft über dem Torrente Arno. Von dort war es auch schon nicht mehr weit – über dicht befahrene Straßen und durch zahlreiche Tunnel über Vezzano nach Trento. So schnell die Abfahrt, so rasch das Ende der Tour. Kaum in Trento angekommen, suchten wir den Bahnhof, den nächsten Zug und erwischten in Landeck einen netten Busfahrer, der uns mit den Rädern nach St. Anton mitnahm. Ein schöner, flotter letzter Tag, wir hatten viel erlebt und werden Ähnliches wieder machen wollen. Caio Trentino, alegro Engadin!

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Schön gelegen: Stenico

Transalp 2010 – Tag 4: La Baita – Mestriago

Nach der Monster-Etappe von Tag 3 hatten wir einen wahrlich erholsamen Tag vor uns – drei Pässe mit etwas mehr als 2.000 Höhenmetern. Nach einem sehr ausgiebigen Frühstück auf La Baita (1.884m) bei Alessandro starteten wir durch das Valle di Rezzalo hinauf zum Passo dell’ Alpe (2.463 m), über steinerne Römerwege, vorbei an schläfrigen Schafherden und munteren Schafhirtehunden. Die Sonne kam uns entgegen, als wir die letzten Meter zum Pass hinaufschoben, es sollte ein feiner Tag werden.

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So schön können frühe Morgenstunden sein

Die Abfahrt war ein Trail auf einem etwas breiteren Grobschotterweg, rucklig aber ob des Panorama um den Monte Cevedale unglaublich schön. Schon bald stießen wir auf die Passstraße (2.305m) zum Passo Gavia, und schon hieß es wieder ordentlich in die Pedale treten. Glücklicherweise hatten wir wenig Verkehr, und so hielt sich der Stress in Grenzen. Die Straße verlief ruhig und gleichmäßig sanft steigend bis zur Passhöhe (2.637 m), ein Klassiker des Giro d’Italia. Auf der Passhöhe kamen uns schon die ersten Rennradfahrer entgegen, die von Pezzo kommend schon mehr als 1.000 Höhenmeter in den Beinen hatten. Wir genossen die Aussicht, zogen unsere winddichten Jacken über und schoßen in die enge Abfahrt hinunter. Mehrere Dutzend Kehren kamen uns entgegen, und dann ein völlig dunkler Tunnel, wir fuhren einfach auf “Verdacht”. Alles ging gut, manchmal erahnte man andere Radfahrer auf der anderen Seite durch ihr Schnaufen.

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Nahe des Passo Gavia

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Abfahrt vom Passo Gavia

Immer weiter bohrte sich die Straße ins Valle delle Messi, und in Pezzo (1.573 m) bogen wir dann endgültig ab, um wieder Höhenmeter zu gewinnen. Jetzt wurde es richtig spannend. Noch schnell eine Stärkung eingekauft, und schon mussten wir die steilen Straßen durch das Dorf passieren, später eine schmale Piste zum Case di Viso (1.751 m). Dort wurden wir vom August-Rummel der Italienischen Urlauber überrascht, alles fuhr und lieft den Berg hinauf, zum Refugio Bozzi, einem unserer Zwischenziele. Die Straße hatte es in sich, war holprig, hart zu fahren, staubig, und wie erwähnt mit viel Verkehr. Manchmal mussten wir schieben, aber bis zum Refugio hatten wir das meiste doch fahren können. Beate erwies sich hier als unermüdliche Alpencrosserin.

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Montozzo-Scharte

Bei der Hütte Bozzi (2.489 m) schlug dann das Wetter kurz um, es wurde dunkel, Gewitter drohte, Nebel zog ein und es fing an zu regnen. Mit Regenmontur schoben wir dann den steilen Schlusshang die Räder hoch zu den Stellungen auf der Montozzo-Scharte (2.613 m). Kaum oben angelangt schien schon die Sonne, und wir waren schon auf dem Trail nach unten. Zuerst etwas flacher und holpriger, dann steiler und immer noch holprig. Bei einem kleinen Sprung verfing sich mein Vorderrad an einem Block und ich machte eine Hechtrolle seitwärts über die Schulter. Alles bestens, Rad ok, Radler ok, und weiter ging es. Leider wurde der Weg für uns nun zu steil, mit unseren Rädern kaum zu bewältigen. Also schieben und fahren, schieben und fahren, dann endlich durch einen Föhrenwald eine wilde Single-Trail Gaudi ohne Sturz bis zum Lago di Pian Palu (1.818 m).

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Abfahrt zum Lago di Pian Palu

Die Schlussabfahrt des Tages folgte den Ferienorten Peio (1.430 m), Fucine (998 m) und Pellizano (956 m), bis wir auf guter Asphaltpiste und feinen 50km/h Durchschnitt unsere Übernachtungsmöglichkeit in Mestriago unweit von Dimaro fanden. Zur Belohnung gab’s heiße Dusche, ein Spar-Buffet im Zimmer und einen Fernseher mit einem Sender auf italienisch. Gut erholt fielen wir schon gegen 21.00 ins Bett…

Transalp 2010 – Tag 3: St. Maria i. Münstertal – La Baita

Nun hatten wir die große Etappe vor uns – nach zwei guten Einstiegsetappen (Tag 1, Tag 2) unserer Transalp 2010 Tour: Von St. Maria über zwei größere Pässe und dann noch einen netten Schlussanstieg ins Valle di Rezzalo. Aber nun mal der Reihe nach.

Von St. Maria im Münstertal (1.375 m) brachen wir recht früh auf – um 6.15 saßen wir schon im Sattel und fuhren die ersten Kehren zum Umbrailpass (2.503 m) hinauf. Die Strecke lag noch im Schatten der umliegenden Berge, es war kalt und bald froren unsere Zehen und Finger. Macht nichts, Kehre für Kehre ging es auf der Asphaltpiste hinauf. Irgendwann wechselte der Belag in feine Naturpiste, aber zum Schluss gab es wieder Asphalt. Wie auch immer, es zog sich, und erst auf den letzten Metern genossen wir so etwas wie Morgensonne mit Blick auf das Stilfserjoch.

Umbrail Pass

Die letzten Kehren zum Umbrailpass

Rasch umgezogen schossen wir schon die vielen Kehren vom Umbrailpass hinab ins Tal, durch Galerien und unbeleuchtete Tunnels, die so schmal waren, dass wir mit unserem Büssle wohl schwer durchgekommen wären. Manchmal musste man einfach ins Stockdunkle einfahren, keine angenehme Sache. Egal, nach unten ging’s, nach Bormio (1.217 m), wo schon das Tal wach war und der Verkehr sich auf der Hauptroute nach Livigno hochquälte.

Umbrail Pass

Steile Abfahrt nach Bormio

Unser Weg führte zunächst über diese lästige, ansteigende Straße nach Valdidentro und dann weiter, aber friedlicher nach Arnoga (1.891 m), eine kleine Alpe im Val Viola. Auf und ab, steil und flach musste wir weiter hinein ins Tal, bevor es scharf bergauf ging zur Alpe Verva (2.156 m). Auf grobem Schotter folgten wir dem Weg unter heißer Sonne zum Passo Verva (2.302 m), unserem zweiten Pass an diesem Tag.

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Auf Schotter Richtung Passo Verva

Die Abfahrt war eine Rüttlerei ohne Ende, erst ab Eita fanden wir feinen Schotter bzw. Asphalt. Die lange Abfahrt hatte Erholendes, und bis Grosio (668 m) fuhren wir 20 km nur abwärts und Vollgas. Leider hatte alles im Tal geschlossen, und so mussten wir doch schon reichlich ausgehungert zunächst dem Tal folgend bis Sandalo (845 m) und später unendlich viele Kehren hoch nach Frontale (1.140 m). Dort, endlich, fanden wir einen kleinen Laden, der geöffnet hatte, und die alte Dame im Geschäft hatte ihre Freude mit uns. Wir mussten aber weiter, auch wenn sie uns noch so gerne auf ein Gespräch bei sich behalten hätte, denn weitere Kehren warteten auf uns bis Fumero (1.499 m).

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Schon im Valle di Rezzalo

Eine Pause, und dann der Schlussangriff im Valle di Rezzalo zu unserer Übernachtungsmöglichkeit – Refugio La Baita. Auf 1.884 m gelegen war es eine Perle – großartiges Essen, viel Ruhe und ein sehr sympathischer Hüttenwirt Alessandro, der perfekt Deutsch sprach. Wir können dieses Refugio nur empfehlen, und wer mal dort übernachten möchte, sollte unbedingt vorreservieren, denn die Bettenanzahl ist begrenzt. Von dieser langen Etappe (rund 3.500 Höhenmeter und ca. 100 km in Summe) erholten wir uns auf La Baita bestens, und träumten schon vom Tag 4 unserer Tour.

Transalp 2010 – Tag 2: Bodenalpe – St. Maria i. Münstertal

Nach der ersten Passüberquerung im Verwall am Tag 1 der Transalp 2010 hatten wir am 2. Tag einiges mehr vor: der Fimberpass und den Pass Costainas. Eine Strecke von der Bodenalpe bis zu St. Maria im Münstertal (welches wir im Rahmen der Grabündentour 2010 schon mal besucht haben) mit 2.000 Höhenmetern und 67 Kilometern.

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Blick vom Fimberpass nach Süden

Recht zeitig ging es von der Bodenalpe (1.848m) hoch zur Heidelberger Hütte (2.264 m), die zwar noch im Fimbertal liegt, aber schon auf Schweizer Gebiet. Von der Heidelberger Hütte zog sich ein teils steiler Pfad zum Fimberpass (2.608 m) hoch, abwechselnd im Schieben und im Fahren kamen wir eher langsam vorwärts. Auch hier erwies sich die Passhöhe als schneefrei, doch Wolken zogen ins Tal hinein und ein kurzer Schauer mahnte zur raschen Abfahrt ins Tal.

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Waldtrail bei Vna

Die Trailabfahrt war größtenteils möglich, wechselte nach der Alp Chöglias (2.054 m) auf Schotterbelag und schon ließ man es ordentlich bis nach Vna (1.659 m) krachen. Es folgte eine schöne Waldtrailpassage ins Sinestratal, und bald erreichten wir auch schon Sent und später Scuol (1.254 m). Hier gab’s mal kurze Rast beim lokalen Volg-Geschäft (ja, es hatte am Sonntag um 11.00 geöffnet!), und unter dunklen Wolken brachen wir zum langen Anstieg ins Val S-charl auf. Zunächst über eine serpentinenreiche Asphaltstrecke, später über eine schöne Naturpiste gelangten wir ins stark frequentierte S-charl auf 1.810 m Seehöhe. Eine wirklich hübsche Alpe, die vom Wander- und Biketourismus lebt.

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Fenster in S-charl

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Trail hinauf zum Pass da Costainas

S-charl diente uns lediglich zur Wiederauffüllen unserer Wasserflaschen, wir wollten den Trubel hier rasch hinter uns lassen und fuhren nun weiter gegen den Talschluss. Kurz vor der Alp Astras gab es dann einen Snack, um kurze Zeit später auf dem Pass da Costainas (2.252 m) anzukommen. Die gesamte Strecke war sehr gut fahrbar, genauso auch die folgende Abfahrt – zunächst auf eher grobem Schotter, später auf einer feinen Naturpiste, und vor Lü ging es dann endgültig wieder auf Asphalt über. Noch flotter passierten wir die wenigen Kehren nach St. Maria im Münstertal, wo wir in der örtlichen Jugendherberge eine Bleibe für die Nacht fanden. Es ging sich noch ein Sonnennachmittag aus, bevor ein Gewitter uns frühzeitig ins Bett begleitete. Tag 3 sollte eine Marathonetappe werden, also waren wir um ein bißchen mehr Schlaf nicht undankbar.

Transalp 2010 – Tag 1: St.Anton – Bodenalpe

Der Start in unsere Transalp 2010 war in den ersten Stunden von einer meteorologischen Ungewissheit begleitet. Wir hatten aufgrund der tiefen Schneefallgrenze den Beginn der Tour ja um einen Tag nach hinten verschoben – es regnete in Strömen, und auf den Pässen lag überall Schnee. Am Samstag allerdings hatten wir zwar dichte Bewölkung, aber keinen Regen, also ideales Bike-Wetter. Auch der Schnee zog sich etwas zurück, so dass unsere erste Teilstrecke von St. Anton (1.440 m) durch das Verwalltal wunderbare Landschaften im dramatischen Licht präsentierte.

Verwall

Durch das Verwalltal

Die erste Schiebestrecke kam nach der Schönverwallhütte (die kannten wir schon von unserer Silbertal-Partenen-Runde), durch Moore und Matsch hinauf zur Heilbronner Hütte (2.320 m). Am Tag zuvor lag hier noch rund 15 cm Schnee, aber heute hatten wir freie Fahrt – über eine flotte Schotterpiste hinunter zum Kops-Stausee, dann auf Asphalt am Zeinisjoch vorbei und hinunter ins Paznauntal nach Galtür – von der Bieler Höhe kommend ist das Paznauntal auch eine wunderbare Rennradstrecke.

Verwall Blick zur Silvretta

gute Schotterpiste bis zum Kops-Stausee

Von Ischgl (1.376 m) mussten wir wieder sehr steil hinauf – ins Fimbertal. Ober uns schwebten Touristen mit der Seilbahn hinauf, wir strampelten uns nun doch in der prallen Sonne bis zur Mittelstation der Fimba-Bahn hinauf, und dann nochmals weiter bis zur Bodenalpe (1.848 m). Dieses kleine Berghotel war unser heutiges Nachtlager, und wie sich herausstellte, mit feinem Essen und einer sehr netten Bedienung. Das braucht es an einem ersten Tag! Reservierung empfohlen…

Am Zeinisjoch

Flott in der Abfahrt am Zeinisjoch

Transalp St.Anton nach Trento

Gestern Abend zurückgekehrt, hatten wir fünf Tage Mountainbike-Spaß an unserer Transalp von St. Anton (Österreich) nach Trento (Italien). Es war nun unsere 3. Tour dieser Art – nach Graubünden 2008 und Wallis 2009. Unsere Route folgte im wesentlichen Verlauf dem Vorschlag von Andreas Albrecht (Transalp Roadbook 1 – Die Albrecht-Route), mit einigen Alternativen und Verlängerungen aus Gründen der Neugier, der Einzigartigkeit und unserem Zeitbudget.

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St.Anton nach Trento per MTB in 5 Tagen

Die Überquerung der Alpen hatten wir in 5 Tagesetappen eingeteilt:

Die einzelnen Etappen schildern wir hier im Blog in den nächsten Tagen. Es war insgesamt eine recht anspruchsvolle Tour (für’s Kreuz – wir hatten ja alles im Rucksack, und für den Hintern): ca. 360 km und 11.700 Höhenmeter. Mit den Rädern hatten wir keine Panne, Unfälle gab’s auch keine, und mit den Unterkünften hatten wir einfach immer ein prima Los gezogen – mehr dazu auch in den Berichten der nächsten Tagen. Wie immer trifft man unterwegs auch interessante Leute, die ein ähnliches Projekt versuchen, und auch Leute, die einfach nur seltsam sind (nicht grüßen, doof schauen wenn man grüßt, Super-Profis halt, deren Laktatwerte und Carbonräder wichtiger sind als ein freundschaftliches “Hallo”). Beeindruckt hat uns auch das Trentino, das wir uns für’s Bergsteigen und Kletterteig-Gehen vorgemerkt haben; und die Tiroler-Schweizer Silvretta, die für Skitouren ein recht nahes Ziel abgeben könnte.

Eine weitere Auswahl an Fotos, die wir nicht in den Posts der nächsten Tage inkludieren, gibt es auch auf unserer Facebook-Page zu sehen.