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Stoss: Piazen am Nachmittag

Vor wenigen Tagen sind wir mit den Bikes daran vorbei gefahren. Und da kam der Gedanke, dort mal etwas zu verweilen. Oder noch besser: die Kalkwände auszutesten. Von der Alp Laui (1.072 m) geht’s erstmal gemächlich ins Talende Richtung Schafberg / Säntis. Die Sonne brennt schon herunter, wir sind spät dran, weil Beate von der Nachtschicht zurück kommt. Wie sie das macht, ist mir sowieso ein Rätsel. Aber wenn wir mal unterwegs sind, dann zählt das nicht. Ich will nach oben.

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Blick auf die Alpe Laui

Nun schlängelt sich die Straße in die Höhe. Die Alpe Troosen (1.327 m) erreichen wir schon recht verschwitzt. Hier tummeln sich Wanderer und Älpler. Wir steigen weiter, gehen über Schotter zum Wandfuss des Stoss (2.111 m). Der Einstieg zu unserer Route (“Familienroute” nennt sich das, wenn man im schwachen 6. UIAA Grad hinauf möchte) finden wir leicht (1.590 m).

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in der zweiten Länge

Wie im Schlaf legen wir Klettergurt, Helm, Kletterschuhe an. Beate wird die erste Länge machen, dann wechseln wir im Vorstieg ab. Sie bindet die Halbseilenden ein, ich sichere, und schon können wir griffigen Kalk genießen. In der Wand ist auch ab und zu ein Lüftchen zu spüren, so dass die Hitze erträglich bleibt. Am Ende des Tages trage ich dennoch einen roten Nacken heim, trotz schon wieder langer Haare.

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fast schon gegen Ende

Die Kletterei ist Genuß und Herausforderung. Das Klettern in Wasserrillen ist nicht jedermanns, und die Zehen müssen auch etwas unempfindlich sein – sie werden schon oft arg irgendwo hineingepresst. Wir versuchen es mit direkten Varianten, dann ab und zu mit Piazen. Platten sind nicht so meins, aber auch da muss man durch. Schon besser geht es mit den vielen Untergriffen, aber auch das Stemmen und Anpressen taugt. Ganz oben holen wir nun die vor uns kletternde Seilschaft ein, genießen nur kurz die Aussicht, denn es liegen noch gute 4 lange Seillängen zum Abseilen vor uns. Die Friends und Keile haben wir wieder einmal umsonst mitgebracht, die Route ist sehr gut abgesichert.

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rechts der Schafberg

Als wir dann unten sind, nach einmaligen wieder zurück klettern, weil ein Seilende sich beim Abziehen in einen Spalt gefressen hat, wir der Himmel über uns schon dunkel. Quellwolken schießen in den Himmel, und wir sind schon am Parkplatz, als auch schon der Säntis in einer dunkelgrauen Masse verschwindet.

Immer wieder Wildhaus…

40 km, 1.500 Höhenmeter, viel Asphalt, etwas rutschige Abfahrt – so läßt sich die Runde entlang der Churfürsten am ehesten beschreiben. In der Früh hatten wir noch wechselhaftes Wetter, auf der zweiten Hälfte schon sehr warmes Wetter. Insgesamt kann man die Runde gemächlich angehen, die Orientierung ist recht einfach, wenn man auf die Karte schaut.

MTB Runde entlang der Churfürsten

technisch unschwierige MTB-Runde

Teile der Strecke kannten wir schon von früheren Ausflügen: der Zustieg zum Brisi und Selun, die Fahrt am Gräppelensee, der Aufstieg zum Gamplüt. Ich glaube, die Gegend kennen wir nun. Jetzt fehlen noch ein paar der Churfürsten….

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sattes Grün entlang der Churfürsten

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eine der vielen kurzen Anstiege

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schon auf dem Retourweg, Blick zum Schafberg

Wildhuser Schafberg: Klettertour an der Westkante

Nach drei Jahren Mitgliedschaft habe ich nun die erste Veranstaltung mit dem Alpenverein angetreten. Beate hatte ein Weiterbildungsseminar, und da es mir tendenziell an anderen Kletterpartnern mangelt, nahm ich das Angebot der Sektion Dornbirn gerne an und startete mit drei anderen Seilschaften am Morgen von Wildhus/Egg (1.084 m).

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Der Wildhuser Schafberg, rechts die Westkante

Der Einstieg zur Schafbergwand (westlicher Wandteil) erfolgt auf ca. 1.600 m am südwestlichen Ausläufer des Grates. Am Anfang noch im Stau, verursacht durch fünf andere Seilschaften vor uns, ging es bald recht flott über den Grat. Die Schwierigkeiten lagen meist zwischen 3 und 4+, mit einer Schlüsselstelle bei 5+. Diese war nicht allzu lang und gut abgesichert, aber schon ein wenig unangenehm speckig. Unsere Seilschaften kamen gut über alle Passagen, das letzte Abseilen zum Steig hinunter war allen Teilnehmern eine Routineaufgabe. Der Vorgipfel und Endpunkt der Kletterei liegt auf 1.959 m. Die Aussicht war heute sehr prächtig – die Churfürsten (u.a. Selun, Brisi) und die Alviergruppe (Rosswies, Hurst, Alvier) waren besonders gut zu sehen.

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schöne Kletterei bei festem Fels

Die Tour ist insgesamt recht lohnend bei einem kurzen Einstieg (rund 1,5 Stunden von Wildhus/Egg). Ein Bier geht sich beim Rückweg auf der Alpe Gamplüt locker aus. Wer will, kann für 10 SFR mit dem Trotti zur Talstation fahren. Alles in allem ein sehr schön genützter Tag im frühen September!

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die letzten Seillängen…

Nachgeholt: Säntis-Runde per Rennrad

Was Beate schon im April vorgelegt hatte, konnte ich heute nachholen: eine feine Runde um den Säntis, per Rennrad. Die genaue Routenbeschreibung findet sich im April-Post, allerdings war mein Start- und Endpunkt nicht Altstätten, sondern Lustenau. Dadurch verlängert sich die Strecke um etwa 20km.

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Auffahrt zur Schwägalp, im Bild Wolken um den Säntis

Mit dem Mountainbike gibt’s eine etwas andere Runde, nicht ganz so lang, aber mehr Höhenmeter in Summe.

MTB-Krampf um den Walensee

Im Magazin Mountain Bike (Heft 71) war diese Tour als “die Tour in den Schweizer Ostalpen” beschrieben. Das machte die Runde interessant und wir wollten mal einem “Heft” trauen und uns führen lassen. Die Route um den Walensee (unterhalb der Churfürsten – Selun, Brisi & Co) schien herausfordernd und ein Muss. Der Anfang ließ sich gut an, eine steile Straße führte von Walenstadt (425 m) nach Walenstadt Berg (790 m) und weiter zur Klinik (967 m). Leider hier schon viele Autos, die zum Startplatz der Paragleiter hinauf wollten. Auf der engen Straße oft eine Mühsal. Wie auch immer, auch wir erreichten letztlich Hochrugg (1.290 m) und waren die Paragleiter los.

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In Walenstadt mit Blick auf die Churfürsten

Der Weg wandelte sich nun in eine Schotterpiste, aber immer noch gut fahrbar bis Schrina (1.434 m) und zur Sälser Hütte (1.413 m) mit prächtigen Ausblicken in die Tiefe zum Walensee hinunter. Der Weg nach Laubegg allerdings war schon arg in Mitleidenschaft gezogen, ein schmaler Trail mit vielen Blocksteinen und erodierten Stellen, so dass schon hier zahlreiche Schiebepassagen angesagt waren. Ab Laubegg (1.373 m) war dann bei der “Abfahrt” allerdings gar nicht ans Fahren zu denken – sehr steil, eng und viele Wanderer unterwegs. So mussten wir viele hart erkämpfte Höhenmeter mit mühsamen Schieben wieder hergeben, und auch als der Trail etwas fahrbarer wurde, hatten wir stets mit ganzen Völkerschaften an Wanderern zu kämpfen.

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bei Hochrugg

Erst ab der Abzweigung nach Quinten bot der Trail schnellere Passagen, doch auch hier sehr viele Wanderer. So blieb uns bis nach Betlis und später Wesen nichts anderes übrig, als langsam Slalom zu fahren. Die Rückfahrt gestaltete sich am Radweg des Walensee-Südufers doch schneller als gedacht, mit zahlreichen Radtunnels als Höhepunkte.

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die ersten, fahrbaren Trails

In Summe eine Radtour, die wir kein zweites Mal machen müssen, und die Empfehlung des Bike-Magazins kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Aber: jeder sollte sich selbst ein Bild machen und urteilen. Wir finden, es gibt schönere Routen, was das Fahren betrifft. Die Landschaft ist jedoch einmalig.

Stürzen verboten: Brisi

Gestern hatten wir noch vom Selun hinüber geschielt, uns über diesen mächtigen Klotz gewundert, und heute wollten wir da hinauf: zu unserem zweiten Churfirsten, dem Brisi. Von Alt St. Johann / Horb (888 m) in Toggenburg ging es über Wiesen und durch Wälder bei schönstem Himmel zunächst zur Alpe Engi (1.470 m) hinauf. Ein recht einfacher, manchmal enger Weg.

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Wildhauser Schafberg im Morgenlicht

Oben auf der Hochebene von Selamatt erwartete uns Sonnen-Prachtwetter. Wir folgten einer Loipe und bald einem Skitouren-Paar aus Konstanz zum Fuß des Brisi (ca. 1.790 m). Nun ging es nicht nur steil bergauf, sondern auch ordentlich glatt. Also: die Lebensversicherung Harscheisen auf die Ski, und eine Windjacke gegen die Südwest-Böen. Einmal mussten wir die Ski abnehmen, sonst konnten wir im Steilhang immer auf den Ski bleiben und über rutschigen hartgepressten Untergrund dem Berghang über die etwas felsige, östliche Seite Meter für Meter abnehmen.

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Der erste Blick auf den Brisi (rechts)

Erstaunlich schnell hatten wir den Gipfel (2.279 m) des Brisi erreicht. Zu unserer Überraschung: völlige Windstille am Gipfel, nur wir vier am Gipfelkreuz, mit Wahnsinnsblicken über dem Wallensee, hin zu den Glarner Alpen und zum Rätikon. Die Ruhe währte nicht lange, zunächst eine Bergdohle, dann gruppenweise andere Skitourenfans. Binnen einer Viertelstunde war der Gipfelrücken mit gut zwei Dutzend Personen besetzt. Höchste Zeit also für eine Abfahrt.

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Drei Churfirsten: Brisi (links), Frümsel (Mitte), Selun (rechts)

Helm auf, denn der Hang war wirklich steil (gewiss 40°), und Abrutschen war streng verboten, lauerten links und rechts Felsbänder. In der mittleren, breiten und unverspurten Rinne starten wir wieder zu viert. Die beiden Konstanzer zogen mit ihren Telemark-Skis schöne Spuren, und wir hinterher. Alles ging glatt, auch die Überwindung einer Steilstufe am Hangfuß. Die Abfahrt nach Horb war nur noch Pulver Vollgas.

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Steiler Start, noch steilerer Abgang – Brisi belohnte uns mit Pulver und tiefen Blicken

Eine nicht zu unterschätzende Tour mit einer ordentlichen Portion Lawinenneigung – also nur bei guten Verhältnissen wie heute begehen. Danke nochmals an unsere Konstanzer Tourbegleitung für die Führung zum Gipfel und wieder hinunter.

Wer unsere Schweiz-Touren (Ski, MTB, …) in einer Übersicht verfolgen möchte, für den könnte auch unsere Schweiz-Karte interessant sein. Übrigens gibt’s im Gipfelbuch seit heute auch (hin und wieder) GPS-Tracks und GPS-Routen.

Das Sonnenfenster erwischt: Selun

Die Wettervorhersage für Vorarlberg war denkbar schlecht (und fast nichts ist davon eingetroffen…), so sind wir in die Schweiz ausgewichen. In St. Johann bei Wildhaus schien die Sonne eine Chance zu haben, und da wir noch nie auf den Churfirsten waren (jedoch auf der anderen Talseite: Stockberg), war auch schon der Plan klar. LWS 2, Schneefall am Vorabend, das roch nach einer guten Tour.

Selun, Churfirsten

Vor dem Gipfelhang des Selun (rechts)

Von Starkenbach (891 m) starteten wir nicht allzu früh, aber trotzdem als Erste in den Hang. Zunächst über Wiesen (teilweise rutschig: Pulver auf harter Unterlage), dann fast wie in einer Bobbahn den Bergwald hoch bis zur Bergstation der Materialseilbahn (1.589 m) bei Strichboden. Von nun an hatten wir fast nur noch freies Gelände – mit einer frischen Schneedecke von rund 15 cm. Zunächst über einen leicht bewaldeten Rücken bis zum steil anmutenden Gipfelhang des Selun (2.204 m). Dieser war allerdings gute 500 Höhenmeter hoch, sah aus wie eine riesige Rampe, und war ohne jede Bewaldung. Links und rechts ging es beinahe senkrecht bergab. Der Aufstieg war problemloser als gedacht, mussten wir unterwegs doch mal die Harscheisen gegen das Rutschen in Querungen anbringen. Das Gipfelkreuz erreichten wir knapp nach 11.00 Uhr, begleitet von einem starken Nordwestwind, standen aber wiedermal ganz allein am Wächtenrand.

Selun, Churfirsten

Der Gipfel immer wieder in Wolken, die schnell abzogen und wieder kamen

Die Abfahrt hielt, was sie unseren Augen versprochen hat (ganz anders gestern auf dem Bullerschkopf…): gewaltige Pulverhänge, 500 HM in einem Stück! Da brennen die Oberschenkel, aber man kann einfach nicht anhalten. Verboten! Erst als wir die ersten “Verfolger” in unserer Aufstiegsspur entdeckten, gab es ein Schwätzchen. Wir hatten den Hang signiert, hinauf und hinab, aus, Schluß, Amen. Ein fantastischer Vormittag, und mit dem Selun unser erster Gipfel der Churfirsten!

Brisi, Churfirsten

Ein weiteres Tourenziel der Zukunft: Brisi (ganz links), in der Mitte Frümsel