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Edelweiss Raid 2013: Der lange Grat

Es gibt immer wieder Projekte, die man mit Liebe und Enthusiasmus plant und vorbereitet, sich darauf freut und den Start gar nicht mehr erwarten kann. Und später, auf dem Weg, begegnet man der Realität der Bedingungen und der Durchführung, und diese lassen im Kopf eine Frage aufkommen: “Warum tue ich mir das an?” Das passiert mir nicht oft, aber in einer heiklen Fels-Eis-Passage, auf einem Gewaltmarsch (wie hier in Schottland auf dem West Highland Way) oder bei einem Rennen wie der Edelweiss Raid muss ich mit mir schon mal selbst diskutieren.

Edelweiss-Raid 2013

ein seltener Sonnenschein

Das Edelweiss Raid definiert sich selbst als “der härteste militärische, alpine Mannschaftswettbewerb”. Um dieser Definition gerecht zu werden, werden die Parameter des Laufes scharf angezogen. In zwei Tagen 4.200 Höhenmeter und rund 40 Kilometer Laufstrecke scheinen auf dem Papier gar nicht mal so viel. Rechnet man aber die Topographie der Route und die einzelnen Prüfungsstationen hinein, und addiert noch winterliche, alpine Bedingungen dazu, dann ergibt die Definition der Edelweiss Raid durchaus Sinn. Die Strecke führt 21 Teams aus Österreich, Belgien, Deutschland, Schweiz, Polen, Frankreich, Holland und der Tschechei von Igls über den Patscherkofel über einen langen Grat aus Bergspitzen, felsigen Abstiegen und Abfahrten bis zum Naviser Jöchl und weiter zur Mölsenalm (Biwak), am nächsten Tag über die Hippoldspitze ins Lager Walchen.

Edelweiss-Raid 2013

der lange Grat am ersten Tag

Streckenverlauf Edelweiss Raid 2013

Streckenverlauf Igls – Lager Walchen: 40km, 4200 Hm

Die Sektionen des Edelweiss Raid 2013 könnten unterschiedlicher nicht sein. Hinauf auf den Patscherkofel ist es ein Massenlauf über die Skipiste, dampfig nass und fast schon schwül. Über den bewaldeten Grat hinüber zur Glungezer ein Mix aus engen Waldpassagen und technischen Abfahrten mit Fell. Der lange Grat bis zum Mösljoch ist lang, windig und kalt, mit vielen Passagen zum Absteigen und Gegenanstiegen. Hier macht das meiste Material irgendwann schlapp: Felle, die nicht mehr kleben oder vom Fels aufgerissen werden, Bindung, die vereist, Rucksäcke, deren Schnallen einfach reißen. Aber auch die Unkenntnis der Strecke hinterläßt Spuren – die Kette aus Auf- und Abstiegen hört nicht auf, und auf dem Mösljoch müssen wir im Nebel vorsichtig abfahren, und immer wieder kleine Gegenhänge hinauftrippeln. Müde, nach 2.700 Höhenmetern, aber glücklich erreichen wir das Biwak, bauen im Dunkeln und bei Schneefall das Zelt auf. Wärmen, trockene Sachen wechseln, kochen, trinken. Das Leben beschränkt sich auf einzelne, vitale Interessen. Trotzdem schlafe ich gut, bin am nächsten Tag frisch und ausgeruht, die Laune könnte nicht besser sein. Auch wenn die Grate wieder warten, der Wind noch schärfer bläst, die Temperaturen merklich fallen. Die Druckstellen an Schultern und Becken werden nicht kleiner, aber wir kommen ohne Erfrierungen über die Runden, nicht wie manch’ anderer Teilnehmer. Matt, glücklich, froh im Ziel zu stehen, im Team abzuklatschen, und zu wissen, dass man auch diese Hürde bewältigt hat. Denn das ist es eigentlich, was die Edelweiss Raid ist: kein Teamwettkampf, sondern eine mentale und körperliche Prüfung.

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immer wieder lästige Abstiege (alle Fotos: Bundesheer)

Hohe Wilde: Geordneter Rückzug

Der Februar ist bis dato kein Skitourenmonat. Das Bergwetter ist kritisch, und nach unserer Schesaplana-Tour hat das Meteo auf “unbeständig” gedreht. Die erste Konsequenz: ein Langlauf-Wochenende! Ist zwar auch ok, aber Abenteuer ist was anderes.

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Blick zum Langtaler Ferner

Wir sind also in Wartestellung. Mittlerweile haben wir die Wetterdienste, Lawinenwarndienste und Berg-Info in einem Umkreis von 500 Kilometer auf unserem Radar. Am Sonntag müssen wir eine Tour im Pitztal im Whiteout abbrechen. Am Montag geht wieder nichts. Doch dann die Gelegenheit: im Ötztal soll es am Dienstag vormittag aufreißen, erst am späteren Nachmittag eine Warmfront mit viel Schneefall eintreffen. Leider ist die Lawinensituation kritisch, und so fällt die Wahl auf die Hohe Wilde, eine lange, aber recht sichere Tour von Obergurgl (1.930 m) aus.

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vor dem Gletscherbruch, links der Doppelgipfel der Hohe Wilde

Und tatsächlich, der Mond ist um 06.30 sichtbar, kaum Wolken, und wir schon über die Skipisten hoch zur Schönwieshütte. Der Einstieg zum Eiskogel ist unberührt. Von hier ist der Weg mit Holzstangen markiert, die Spur müssen wir selbst ziehen. Nach einer guten Stunde stehen wir an der Langtalereck Hütte (2.430 m). Das Wetter ist weiterhin prächtig, und wir fahren zum Talboden des Langtals ab. Der Weg ist flach, aber zieht sich ungemein. Starke Winde blasen uns Wind ins Gesicht. Irgendwann stehen wir am Langtaler Ferner, arbeiten uns zum Talschluss vor.

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kurz unter dem Skidepot

Nun stehen wir vor dem Gletscherbruch, suchen uns einen Weg durch das Spaltensystem, gehen am Seil. Alles läuft gut, auch das steile Stück hinauf zum Skidepot (auf ca. 3.300 m). Der Schnee ist hart gepresst, nicht fein zu fahren und zu steigen, aber recht sicher. Kaum haben wir die Felle von den Ski, setzt starker Schneefall ein. Wolken ziehen von Westen über den Kamm, die Sicht wird schlecht. Die letzten 100 Höhenmeter zum Nordgipfel (3.458 m) müssen wir sein lassen. Stattdessen muss es nun schnell gehen – und zwar nach unten.

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hinein ins weisse Nichts – schwierige Marschbedingungen

In wenigen Minuten ist alles bereit und wir fahren am Seil durch den steilen Gletscher ab. Im Langtal ist die Sicht mittlerweile sehr schlecht. Unsere Aufstiegsspur ist zugeschneit und verweht, wir müssen uns den Weg, den wir wieder mit den Fellen begehen, neu suchen. Da hilft es, wenn man beim Hinweg wichtige Markierpunkte im Gedächtnis behält. Auch der Gegenanstieg zur Langtalereck Hütte ist im mittlerweile tiefen Schnee mühsam. Doch die Tour ist nicht vorbei – der Weg zur Schönwieshütte verlangt in diesem Wetter alles ab – vor allem mental. Ständige Konzentration auf die Ski – die Sicht am Boden ist gleich null. Als es dunkel wird, erreichen wir die Obergurgler Pisten. Und irgendwann auch das Dorf. Die Tour ist vorbei, ein 11-Stunden Marathon, mit viel wertvollem Erfahrungsgewinn.

Similaun: der erste große Gipfel der Saison

Das Ötztal ist für uns so eine Gegend. Immer wieder kommen wir dorthin, finden aber oft ungünstige Schnee- und Wetterverhältnisse vor, so dass am Ende des Tages selten ein Gipfel dabei herausschaut (Eiskögele, Vernagtjoch). Wir wollen es aber wieder wissen und fahren nach Vent (1.900 m). Beate noch k.o. vom Nachtdienst muss sich mit einem ordentlich schweren Rucksack (Gletscherausrüstung, Verpflegung für mehrere Tage) auf den Weg machen. Der vermeintlich einfache Zustieg zur Martin-Busch-Hütte (2.501 m) entpuppt sich als ein Rennen gegen die Zeit: Gerade als es dunkel wird, erreichen wir die Hütte, nach langen und rutschigen Steilhängen, die teils richtig Kraft kosten.

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Weg-Suche zur Martin-Busch-Hütte

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Suppe als Belohnung in der feinen Stube

Schnell ist die Hütte gemütlich gemacht, das Essen gekocht und eingeheizt. Wir sind die Einzigen hier, und bleiben es bis zu unserer Abreise, genauso wie wir keine anderen Skitourengeher über das ganze Wochenende nicht sehen werden. Der nächste Morgen ist gemäß Wetterprognose schön und kalt, wir steigen mit vollem Gepäck entlang des Hinterjochbachs in Richtung Similaunhütte.

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kaltes, klares Winterwetter auf dem Weg zum Similaun

Allerdings nehmen wir die erste Möglichkeit wahr, über den östlichen Hinterjochgletscher eine erste Steilstufe zu überwinden. Am Seil und im zunehmenden Wind geht’s hinauf, bis wir auf einem eher flachen Rücken zum Gipfelaufbau des Similaun (3.606 m) gelangen. Wir merken die Kälte und die Höhe, mummen uns ordentlich ein, bevor wir mit Steigeisen und Pickel vom Skidepot aus den Westgrat angehen. Bald darauf stehen wir auch schon am Gipfelkreuz.

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Blick vom Gipfel des Similaun

Unser Ziel ist die Similaunhütte, und die Abfahrt dorthin ist ein vorsichtiges Tasten über den verschneiten Gletscher. Auch die letzten Meter zur Hütte über ein Steinfeld sind recht mühsam, bevor wir enttäuscht feststellen müssen, dass der Winterraum der Hütte über keinen Ofen verfügt. Und somit stehen wir auch ohne Wasser da.

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Leider Fehlanzeige: Similaunhütte ohne Kochgelegenheit

Da es schon Nachmittags ist, wir deshalb keine Nachtsuche des nächsten Ziels (die Bella Vista Hütte) riskieren wollen, fahren wir wieder zur Martin-Busch-Hütte ab. Leider verfügen wir über keine aktuellen Wetterinfos mehr, und die Mittelfristprognose vom Freitag war eher ungünstig. Am nächsten Tag beschließen wir aufgrund aufkommender Bewölkung von Süden mit dem (wieder sehr anstrengenden Abstieg nach Vent, diesmal direkt entlang des Baches und durch die beklemmende Schlucht). Als das Wetter in Vent immer noch hält, drängt es uns den Tag weiter zu nutzen, doch diesmal in Kühtai.

Später Herbsttag am Großen Bettelwurf

Na, endlich wieder mal am Berg. Zurück aus Ostösterreich und einigen Nachtschichten treffen wir uns in Innsbruck, übernachten bei Freunden und ziehen am nächsten Morgen zu sechst in das für uns recht unbekannte Karwendel. Von Axams (874 m) bei Hall in Tirol steigen wir in das Haller Tal, zunächst brav auf einer Asphaltstraße, die allerdings für den Verkehr gesperrt ist.

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Großer Bettelwurf, im Hintergrund Bildmitte

Eine halbe Stunde später biegen wir ab und steuern recht direkt auf den Großen Bettelwurf zu. Das erste Steilstück verläuft über ein größeres Schotterfeld. Schaut lebensfeindlich aus, aber schön anzusehen. Dann geht schon der schmale Steig, hin und wieder von Stahlseilen gesichert Richtung Bettelwurfhütte (ist jetzt allerdings schon geschlossen) mitten durch ausgedehnte Latschenfelder.

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im Gleichschritt durch’s Schotterfeld – mit Daniel, Gerti, Thomas und Ines

Der Weg wird zusehend steiler, und wir treffen auf erste Schneefelder. Statt zur Hütte wenden wir uns nun dem Gipfelhang zu. Über einen langen Grat steigen wir auf, Schnee und Eis werden häufiger, aber auch die Sicherungen. In Summe ist dieser Steig recht steil, somit auch der Weg hinauf mit rund 3-4 Stunden auch nicht besonders lang. Nach ein paar Steilabschnitten gelangen wir über einen schmalen, Schnee-bedeckten Grat den Gipfel (2.726 m). Wir bleiben nur kurz, oben pfeifft der Wind.

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am Gipfel des Großen Bettelwurf

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Abstieg über Schnee und Eis, im Tal Hall

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bei diesen Verhältnissen ist man um die Sicherung froh

Der Abstieg verläuft über die gleiche Route, ist aber teilweise wegen des Eises etwas schwieriger nach unten. Aber auch später im Latschenfeld habe ich das Gefühl, dass der Weg sich zieht. Nach gut 7 Stunden kommen wir wieder beim Parkplatz an. Das Wetter hielt, die Beine auch. Ein toller Tag im Karwendel. Freunde besucht und neue gefunden. Wir kommen wieder.

Transalp 2012: Ein Schicksalsberg? Nein, die Schneebergscharte.

In den ersten Tagen unserer Transalp hatte ich stets das Gefühl, von einem tiefen Tal in ein noch tieferes zu gelangen, und über einen hohen Pass noch einen höheren zu erklimmen. Das Wetter wirkte bedrohlich, und so hatten Tag 1 und Tag 2 etwas von einer Reise ins Ungewisse. Auch als wir von der Sattelalm (1.637 m) aufbrechen, fahren wir in den Morgennebel, der sich in den Berghängen des Grenzkammes am Brenner festsetzt. Wie Frodo und Sam auf ihrem Weg zum Schicksalsberg suchen wir unseren Weg im dichten Wald hinauf zum Sattelberg (2.115 m), hören Glocken, sehen Weiden, und irgendwann das Gipfelkreuz. Für Momente, denn es verschwindet wieder und wieder, bis wir auf der Südtiroler Seite dem Kamm folgen, auf breiten, aber abschüssigen Militärstraßen.

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am Brenner Grenzkamm

Diese Momente sind eigentlich die Schönsten. Wir sind hier oben ganz allein, der Wind spielt mit den Nebelbänken, und wir gleiten über das hügelige Gelände vorbei an alten Kasernen, Stellungen und Schießscharten. Eine alte, vergessene Welt, an der wir vorbei fahren und sie im Nebel zurück lassen. Später, als wir das Steinjoch, das Kreuzjoch, den Lorenzenberg und schließlich das Sandjöchl passiert haben, nach einer langen Abfahrt nach Gossensaß (1.100 m), da ist die Zivilisation und die Wärme, das Vertraute und das Laute. Über die Bundesstraße kommen wir nach Sterzing (945 m), und biegen ab ins Ridnauntal.

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ausrangierte Erzwaggons

Die Fahrt verläuft zunächst gemächlich, vorbei am Liftbauer Leitner, und schön langsam hoch – Dorf für Dorf. Erst in Mareit (1.070 m) verschaffen wir uns Zugang zu einem kleinen Markt, halten eine kurze Mittagsrast am Gehsteig, fühlen uns bereit für einen langen Anstieg über Ridnaun (1.357 m) bis nach St. Lorenzen und seinem Bergbaumuseum. Hier beginnt das Reich der Knappen und der Schienen, des Eisens und der Stollen. Und die der Vergangenheit. Die Bergwerke sind alle schon längst still gelegt, nach Jahrhunderten reger Grabtätigkeit. Im Zick-Zack geht es hinauf, sehr steil, später flach ins Lazzacher Tal, der Himmel dunkelgrau und bedrohlich, und wieder niemand außer uns auf diesem langen Weg zu einer Scharte, von der wir nicht wissen, ob und wie sie begehbar ist. Das lange Tal hört dann irgendwann mal auf, zumindest für uns, als wir das verfallene Poschhaus erreichen, wieder so ein markanter Punkt dieser Bergbauvergangenheit.

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aus den Stollen …

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… hinauf zur Schneebergscharte

Bald beginnt das Schieben und Tragen, denn es ist so unfahrbar steil und steinig, dass selbst der Gehweg mühsam wird. Wir stoßen die Räder im Nebel hinauf, können die Scharte nicht ausmachen, also schieben wir auf Verdacht. Es ist nass, aber es regnet nicht, und der Schnee zeigt sich ebenso wenig. Überall Stollen, rostige Schienen, verfaulende Holzbalken, historische Momente. Unter uns im Berg der Poschhausstollen, über uns auf 2.700 m Seehöhe die Schneebergscharte, die wir dann schließlich nehmen. Auch auf der anderen Seite tragen wir die Räder, der Weg ist hier nicht anders. Aber diese Scharte haben wir passiert, und damit ist die Transalp 2012 auf einem guten Weg. Diese Wendepunkte sind eindeutig, und man bemerkt sie in jenem Moment, in dem sie überschritten werden.

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unser Paradies für eine Nacht: die Schneeberghütte

Wie in einem schlechten Film öffnet sich der Himmel, und wir fahren die letzten Kilometer auf holprigem Trail zur Schneeberghütte, dem ehemaligen Schutzhaus der Bergbauarbeiter, ab. Wir trauen unseren Augen nicht. Diese Hütte ist eine kleine Siedlung, und wir auf einem paradiesischen Eiland innerhalb einer bedrohlichen See. Schnell sind wir in der Hütte, schnell haben wir geduscht, verbringen die nächsten fünf Stunden brav am Tisch in der Stube beim Studium diverser Alpen-Magazine, essen uns wieder einmal durch die Speisekarte und trinken reichlich. Bald träumen wir von der kommenden Nacht, und wissen, dass wir am nächsten Tag schon wieder im Büssle zu nächsten Zielen aufbrechen werden. Die Ungewissheit des Weges war die Voraussetzung für eine befriedigte Seele.

Transalp 2012: Durch die Tuxer Alpen

Das Wetter bessert sich nicht, Tag 2 der Transalp 2012 schaut aus wie Tag 1. Wir schauen aus dem kleinen Zimmerfenster hinaus, Wolken liegen auf den Bergen, die Wege sind nass, die Hänge weiterhin Schnee-bedeckt. Nach einem Frühstück, bei dem ich ordentlich zulangen kann, pushen wir unsere Räder sogleich über die ersten Steilstufen des Karrenweges. Der Puls schießt hoch, und wir sind froh, dass der Weg bald wieder moderater ansteigt. Unterhalb des Geiseljochs (2.291 m) kommen wir in den Schnee, müssen schieben, und sehen vom Joch nach Süden: die gesamte Flanke ist schneebedeckt. Also: mehrere hundert Höhenmeter das Rad nach unten tragen, durch nass-glitschigen Schnee. Die ersten Tättowierungen unserer Waden durch die Pedale der Mountainbikes folgen prompt.

nordkette

im Norden (Nordkette über Innsbruck) reißt die Wolkendecke auf, …

geiseljoch

aber im Süden zum Geiseljoch schaut’s trüb aus

Mühsam geht’s abwärts. Wir haben ja nicht die leichtesten Räder. Ich staune immer wieder, was da an High-Tech-Material unterwegs ist. Mein’s ist ja richtig nostalgisch (nett formuliert), mit Backenbremsen, 14kg Gesamtgewicht, 2mm Federweg vorne, hinten steif, Pedale ohne Klickverschluss. So ist das, und wir nennen es “Training unter erschwerten Bedingungen”. Und so ist auch die weitere Route. Zunächst prächtig von einer Alm im Hobarbachtal auf gutem Weg bis ins hintere Zillertal hinunter blasen, bei Vorderlanersbach (1.257 m) auf die Tuxerstraße wieder langsam hoch aber gemütlich nach Hintertux. Wir staunen ob der alpinen, Tiroler Tourismusarchitektur.

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das hintere Zillertal

Ab Hintertux (1.532 m) folgen wir einem Karrenweg, ich mache zwei Fotos, Beate fährt weiter, und schon haben wir uns aus den Augen verloren. Ein paar Abzweigungen später und jeder sitzt irgendwo. Gut, dass es Mobiltelefone und Empfang gibt, und dass der andere auch abnimmt. Irgendwie finden wir wieder zueinander, und merklich mühsamer geht es zur Sommerbergalm (1.986 m). Endlich mal eine Pause, die auch der Blick auf schneebedeckte Strecken nicht trüben kann. Zum Tuxer Jochhaus (2.310 m) müssen wir dann hin und wieder schieben, aber das ist auch wurst. Denn oben geht’s sich ein kurzer Abstecher zum Gipfel des Pfannköpfl (2.388 m) aus.

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Ausflug zum Pfannköpfl

Die Fahrt übers Tuxer Joch (2.339 m) ist wenig spektakulär, oben lauert ein Speichersee für die künstliche Beschneiung der Tuxer Skigebiete. Das Üble kommt erst: lange 600 Höhenmeter die Bikes hinuntertragen, teils auf rutschigem Schnee, in engen Windungen, auf nassen Pfaden. Sehr lästig, mühsam, unlustig. So stellt man sich keine Abfahrt vor. Erst beim Kaserer Bach können wir wieder auf den Sattel und heizen durch Kasern (1.625 m) vorbei ins Schmirntal nach St. Jodok am Brenner (1.129 m). Der Himmel ist nun fast wolkenlos, als wir ein kurzes Stück entlang der Brenner Bundesstraße bis Gries am Brenner (1.160 m) hochfahren.

Der Tag ist nun schon lang, aber noch nicht fertig. Das Wasser geht uns aus. Zunächst steigen wir nach Vinaders (1.269 m) hoch, und dann über eine steile Piste hinter der Kirche auf einen Karrenweg. Dieser schlängelt sich steil über dem Wipptal und dem Brennersee, und recht ausgelaugt kommen wir endlich zur Sattelalm (1.637 m). Fahrrad abstellen, duschen, und essen was das Zeug hält. Ich esse mich fast durch die ganze Menükarte durch, Beate zählt schon mal vorsichtshalber unser Geld. Das war ein anstrengender, toller Tag, auch wenn der Hintern ein wenig schmerzt. Tag 3 wird eh härter.

Transalp 2012: zur Weidener Hütte

Eine Mountainbike-Transalp ist auch immer eine logistische Angelegenheit. Hütten organisieren, Pläne ausdrucken, Karten besorgen und nicht zuletzt den Transport der Räder zum Ausgangspunkt und von der Zielankunft weg organisieren. Wie in 2011 haben wir auf unser Büssle als Basislager gesetzt:

  • als Transportmittel für unsere Räder
  • als Übernachtungsmöglichkeit vor dem Start
  • als schneller Transfer nach der Tour nach Sulden zur anschließenden Hochtour in den Ortler Alpen

Da derzeit die Brennerbahn auf der österreichischen Seite aufgrund von Modernisierungsarbeiten nicht fährt und der Schienenersatzverkehr nur eingeschränkt Bikes mitnimmt, fahren wir am Vorabend nach Schwaz in Tirol und laden dort am Bahnhof unsere Räder ab. Wir queren dann den Brenner und übernachten in Naturns/Vinschgau im Büssle. Am nächsten Morgen geht’s per Bahn wieder über den Brenner retour nach Schwaz (545 m), wo unsere Räder für die erste, nachmittägliche Etappe auf der Transalp 2012 warten.

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nebelig und regnerisch

innerst

nicht mehr weit zum Tagesziel…

Das Wetter ist erwartungsgemäß schlecht. Kalt, regnerisch, wolkenverhangen der Himmel. Dick eingehüllt in regenfeste Kleidung strampeln wir nach Pill, und dann über eine vielbefahrene Straße hinauf nach Mitterweerberg (882 m). Noch macht es keinen Spaß, und wir versuchen so gut wie möglich trocken zu bleiben. Die Straße wird schmäler, die Autos weniger, als wir mit einigen Kühen Innerst/Rieder (1.191 m) erreichen. Endlich, der erste Forstweg, und dieser schlängelt sich immer höher und immer weiter in den Süden bis zur Weidener Hütte (1.800 m). Für einen Nachmittag bei diesem Wetter eine gut kalkulierte, kurze Etappe, denn in der Weidener Hütte ist der Rad-Tag zunächst zu Ende. In der Stube wärmen wir uns auf, die heiße Dusche gibt was her, und auch der Trockenraum hält, was er verspricht. Wir sind gerüstet für Tag 2.

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…, die Weidener Hütte

Vallüla: Doch kein Regen, dafür Gratkletterei

Nach einem Arbeitswochenende kam die Belohnung am Mittwoch. Das Wetter hielt, trotz versprochenen Regens ab Nachmittag, und wir schon um 07.00 auf der Bieler Höhe (2.037 m). Es geht gemütlich hinauf zum Vallüla-Scharte (auf etwa 2.500 m), mit schönem Blick ins Paznauntal und hinauf zum Rauhen Kopf (3.101 m). Die Sonne ist heraussen, der Weg aber immer noch nass-feucht. Wir passieren die Scharte nach Norden, steigen wieder etwas ab, fast bis zum Unteren Vallülasee. Dort suchen wir uns einen geeigneten Einstieg auf den Nord-West-Grat zur Vallüla (2.813 m).

Vallüla

zur Vallüla in der Morgensonne

Den Einstieg, wie im Kletterführer Vorarlberg beschrieben, verfehlen wir und steigen etwas höher und westlicher über Grasbänder, nasse Platten und Schotterrinnen zum Grat hinauf. Wir steigen vorsichtig auf, die Grasbüschel sind hintertückisch, die nassen Flechten am Stein verführerisch rutschig. Am Grat selbst fühlen wir uns wohler.

Vallüla

jetzt geht’s auf den Grat

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kurze Abseilstelle im Überhang

Dennoch: die meist mit 2er und 3er Stellen versehenen Grat-Abschnitte schrecken uns zunächst nicht. Auf dem Papier ist das ein Spaziergang. Doch das ändert sich: auch hier ist der Fels – nicht immer – rutschig, so dass wir oft nur mit den Händen steigen oder auf allen Vieren am Grat herumkrabbeln. Die einfache Route wird nun lang, und wir suchen in diesem Gelände, welches bis auf eine Abseilstelle ohne vorbereitete Stände und Haken auskommt, unseren besten Weg. Es gelingt ohne Zwischenfälle, wir gehen die letzten Seillängen im Sicherungspunktverfahren. Das geht flott, wir sichern meist mit Expressen, Karabinern und jede Menge Bandschlingen.

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Vallüla von Westen

Von der Spitze der Vallüla lacht uns der Piz Buin und seine Nachbargipfel entgegen. Wie klein die Gletscher hier geworden sind! Der Abstieg nach einer kurzen Pause folgt dem Normalweg, den Wanderer hier hinaufnehmen. Aber auch er hat kleine Kletterstellen, rutschige Wege und Schotterrinnen parat. Also sicher kein Weg für Familien mit Kleinkindern. Ein Helm ist empfehlenswert.

Vallüla

Abstieg von der Bielerspitze zur Bieler Höhe

Auf halben Weg retour entschließen wir uns, noch zum Bielerkopf (2.350 m) und darüber die Bielerspitze (2.545 m) mitzunehmen. Auch hier tolle Ausblicke auf den südlichsten Teil Vorarlbergs. Und immer noch kein Regen.

In Kitzbühel in den Wolken

Leogang hatten wir nach einer stürmischen Nacht und nach einem feinen Morgenlauf in Richtung Westen verlassen. Das schlechte Wetter erlaubte keinen sicheren Bergtag, also entschlossen wir uns für eine Mountainbike-Runde in der Nähe von Kitzbühel. Die Stadt selbst gefiel uns weniger – sehr viel Jet-Set, fette Autos, Pomp und angesoffene Frauen älteren Semesters. Die Gegend um die Stadt herum kann aber auch ganz anders sein.

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die Nachmittagsrunde bei Oberaurach

Über Oberaurach fuhren wir die Route 242 zur Brandneralm, zunächst über einen steilen, aber gut befahrbaren Almweg;  und dann weiter unter der kleinen Gebra im Schiebetempo und bereits in den grauen Regenwolken zur nächsten Alpe (Hochwildalm), bevor es auf einer Schotterpiste wieder flott ins Tal ging. Die Abfahrt war kalt, die Finger an der Lenkstange klamm. Ein Schläfchen am Nachmittag hatten wir uns verdient.

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In Oberaurach

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Blick auf Kitzbühel und die Streif (Bildmitte)

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lästige Schiebepassage in den Wolken

Wer nach Kitzbühel zum Mountainbiken kommt, der kann sich im Tourismusamt eine MTB-Karte um drei Euro kaufen. Die Karte bietet eine Vielzahl an Strecken. Die Tourismus-Info ist nett und hilfsbereit. Das Essen im Restaurant Zinnkrug ist gut, der Chefkellner hat es aber nicht ganz mit seinen Manieren. Am nächsten Morgen verabschieden wir uns vom anderen Bus – Steffi und Peter schlafen noch aus, wir sind schon wieder auf der Landstraße.

Langlaufen im Ötztal

Während unseres Aufenthalts im Ötztal konnten wir nicht nur jede Menge Skitouren absolvieren, sondern auch unsere Langlaufski wieder auf die Loipe schicken. Beinahe jeder Ort im Ötztal hat seine eigene Loipe. Wir haben jene in Obergurl und in Längenfeld ausprobiert.

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Entlang der Ötz

Beide Loipen waren in einem fabelhaften Zustand, sowohl für Skater wie für Klassisch-Läufer. Die Fahrwege waren angenehm leer, und es wurde für die Nutzung auch nichts verlangt. Das ist nicht selbstverständlich, wenn ich an die Schweizer Nachbarn denke. Es gibt Nachtloipen, anspruchsvolle Höhenloipen und auch leichtere für Anfänger. Langlaufen ist für uns ein schöner Ausgleich nach einer Skitour oder auch ein Schlechtwetterprogramm.